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"Beziehungstaten" mit schlimmen Folgen

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt - Für viele Opfer von Gewalttaten ist wichtig, von ihrem traumatischen Erlebnis erzählen zu können. Das war auch vor dem Amtsgericht spürbar.

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Die Folgen einer gefährlichen Körperverletzung zum Nachteil eines Vermögensberaters aus Dinklage, die verbunden waren mit einer Notoperation und der Amputation des rechten Unterschenkels, waren vor dem Jugendschöffengericht in Vechta jetzt Thema. Fast eine Stunde lang erzählte das Opfer seine Leidensgeschichte.

Im September 2019 wurde der Mann um Mitternacht in Dinklage zum Parkplatz des Poco-Marktes gerufen. Die "Rufer"? Eine Gruppe junger Männer, alle miteinander verwandt. Ihr Anliegen? Der "Gerufene" sollte verprügelt werden, da er Sex mit einem Familienmitglied der Herren gehabt haben soll.

Die Männer fielen über das Opfer her. Sie schlugen und traten auf es ein. Plötzlich nahm der Haupttäter ein Messer und stach damit 3 Mal in den Unterschenkel des Dinklagers. Eine Arterie wurde verletzt. Nur durch eine Notoperation und die Amputation des Unterschenkels, hieß es später, habe das Leben des jungen Mannes gerettet werden können. Der Täter – beim Urteilsspruch im Juni war er 25 Jahre alt, das Opfer 24 Jahre – wurde vom Landgericht in Oldenburg wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und acht Monaten verurteilt.

Der Haupttäter ist verurteilt, nun geht es um die Begleiter

Die 3 übrigen an der Tat Beteiligten hatten sich also jetzt vor dem Jugendschöffengericht in Vechta zu verantworten. Einer kam. Ein 19-jähriger, der – wie sich herausstellen sollte – wenig mit der Schlägerei zu tun hatte. Sicher, er war dabei, das gestand er auch. Er wurde aber zurückgehalten und wusste nach seinen Angaben auch nicht, dass der Haupttäter ein Messer dabei hatte.

Nach einem Rechtsgespräch zwischen Richterin, Staatsanwältin und dem Verteidiger waren sich alle einig, dass gegen die beiden Abwesenden ein Strafbefehl (schriftliches Urteil) erlassen werden soll. Das spart Zeit.

Das Opfer erhielt als Nebenkläger und Zeuge die Gelegenheit das ganze Geschehen zu erzählen. Nach seiner schweren Verletzung wusste er Tage nach der Tat immer noch nicht, dass man mit einem Messer auf ihn eingestochen hatte. Von einem Polizeibeamten erfuhr er am Krankenbett, was in der Nacht passiert war.

Gesundheitliche Probleme sind geblieben

Nach und nach kehrten die Erinnerungen zurück. Die gesundheitlichen Probleme indes blieben, schilderte der Dinklager dem Amtsgericht. Nur durch den Einsatz eines Spezialisten aus Bad Pyrmont habe es bei einer Amputation bleiben können. Auch sei sein anderes Bein geschädigt. Er habe dort eine Nervenkrankheit, die mit der Verletzung zu tun habe. Besonders treffe ihn, dass sich keiner der Täter entschuldigt habe. Er habe gehört, so der Dinklager, dass die Gruppe nach der Messerattacke in einer Shisha-Bar gefeiert habe. Empörend fand das Opfer auch, dass bei der Hauptverhandlung gegen den „Messerstecher“ dieser und sein Verteidiger argumentierten, dass der Täter aus Notwehr gehandelt habe.

Der 19-Jährige entschuldigte sich im Gericht und teilte mit, dass er an keiner Feier nach der Tat teilgenommen habe. Er wurde nach dem Jugendstrafrecht zu einem Dauerarrest von einer Woche und zur Zahlung von 1.000 Euro an das Opfer verurteilt. Die Hälfte der Summe könne er sich mit 50 Arbeitsstunden erwirtschaften, so das Gericht im Urteil.

Wie der Verteidiger des Angeklagten mitteilte, sei ein Teil der Familie, zu der die mutmaßlichen und verurteilten Täter gehören, mittlerweile weggezogen.

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