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Bewährungsstrafen für 2 Lohner Einbrecher

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – 14 Diebstähle haben 2 Lohner haben zwischen Januar 2018 und August 2019 begangen. Parallel führten sie ihr ganz normales Leben.

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Wieder eine Überraschung vor dem Schöffengericht des Vechtaer Amtsgerichtes. Ich wusste, es sollte eine Verhandlung wegen schweren Diebstahls, man nennt das auch Einbruch, sein. "Na ja", dachte ich. "Gehe ich rein? Oder nicht! Es ist ja fast immer dasselbe."

Die Neugierde siegte. Gott sei Dank; sonst hätte ich diese Überraschung verpasst. Auf den mit großem Abstand platzierten Anklagestühlen saßen 2 Lohner. 2 Otto Normalverbraucher im ganz klassischen Sinn. Als die persönlichen Daten aufgenommen wurden –  die schreibe ich an dieser Stelle natürlich nicht – war genau dieses Normale das Ungewöhnliche. Beispiel? Der eine war 25 Jahre in einem größeren Industriebetrieb tätig; der andere, der mit dem Kollegen immer in einer Schicht arbeitete, war mehr als  10 Jahre dabei.

Jeweils Freiheitsstrafen von einem Jahr und 6 Monaten

Nun, da war ich auf die Anklage gespannt. Und die war auch spannend. Das Schöffengericht verhandelte gegen die Lohner (44 und 50 Jahre alt) wegen schweren Diebstahls in 14 Fällen. Es wurden 99 Gegenstände gestohlen und die Summe des Wertes ging in die Nähe von  100.000 Euro. Ich nehme es mal vorweg: Die beiden Angeklagten wurden jeweils zu Freiheitsstrafen von 1 Jahr und 6 Monaten mit einer 3-jährigen Bewährungszeit verurteilt.  Die Einziehung des durch die Taten erworbenen Wertes wurde bei dem 44-Jährigen auf 74.896 Euro und bei dem 50-Jährigen auf 62.724 Euro festgesetzt. Das Geld wird eingezogen – natürlich in Raten – und den Geschädigten zurückgezahlt.

Die beiden Männer hörten sich die Anklage an: Zwischen Januar 2018 und August 2019 wurden in 14 Fällen Diebstähle begangen. Dabei wurde in Container, Kraftfahrzeug-Werkstätten, Betriebe und Baustellen eingebrochen. Die Beute: hochwertiges Werkzeug. Einer der Angeklagten hatte darüber hinaus auf dem Gelände eines Autohauses aus verschiedenen Fahrzeugen Infotainment-Systeme ausgebaut und mitgenommen.

"Die Angeklagten gaben alle vorgeworfenen Anklagepunkte zu und schämten sich, wie einer erklärte."Klaus Esslinger

Ein Teil des Diebesgutes, was noch nicht verkauft war, fand die Polizei in der Garage des einen Täters. Es konnte an die Eigentümer, so fern die bekannt waren, zurückgegeben werden. Trotzdem blieb ein hoher Schaden. Wie der Garagenbesitzer erklärte, seien auch Sachen von der Polizei mitgenommen worden. Er verzichte aber auf eine Rückgabe, da sich dies wohl ganz schwer machen lasse.

Die beiden Angeklagten hatten wahrscheinlich nicht in, sondern nach der Schicht überlegt, wie man an zusätzliches Geld kommen könnte, obwohl die Löhne des Betriebes nicht schlecht waren. Sie tranken viel Alkohol, wie sie in ihren Geständnissen berichteten, und wollten sich durch die Einbrüche zusätzliche Einnahmen verschaffen, was ja auch gelang. Beide Angeklagten verloren ihre Jobs im Einvernehmen mit dem Betrieb, als zur Schadenswiedergutmachung die Lohnpfändungen anstanden und zum Teil auch schon durchgeführt wurden.

Die Angeklagten gaben alle vorgeworfenen Anklagepunkte zu und schämten sich, wie einer erklärte. Sie hofften auf eine schnelle und endgültige Entscheidung des Gerichtes, verzichteten auf jeglichen Einspruch und gingen Zigarette rauchend nach Hause. Zu erwähnen ist noch, dass das Duo 2 Verteidigerinnen hatte, von denen bekannt ist, dass sie ihre Mandanten immer bitten, alles zuzugeben, weil das in der Regel das bessere Ergebnis bringt.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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