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Betreuung – ein Ehrenamt in der Justiz

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – auch in der Justiz braucht es engagierte Mitmenschen. Ihr Dienst ist nicht hoch genug einzuschätzen.

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Bei den Amtsgerichten geht es nicht nur um Strafsachen oder Scheidungen. Es geht auch um ehrenamtliche Tätigkeiten von Bürgerinnen und Bürger. Beispielsweise werden derzeit Schöffinnen und Schöffen für die nächsten 5 Jahre gesucht. Vorschläge dazu gibt es von den Städten und Gemeinden.

Vermehrt benötigt werden aber auch ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer, denn die Zahl der zu Betreuenden steigt Jahr für Jahr an. Sicher auch deshalb, weil die Menschen immer älter werden. 

Wer sich also freiwillig für diese Gruppe engagieren möchte, hat die Möglichkeit, ehrenamtliche rechtliche Betreuerin oder Betreuer zu werden. Diese leisten einen überaus wertvollen Dienst, immerhin helfen sie einem anderen, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen. Das verdient Wertschätzung und Anerkennung. Natürlich auch für Verwandte, die sich kümmern.

"Ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer leisten einen überaus wertvollen Dienst, immerhin helfen sie einem anderen, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen."Klaus Esslinger

Betreuungen werden durch die Betreuungsgerichte bei den Amtsgerichten für hilfsbedürftige Erwachsene eingerichtet, die aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht selbst erledigen können. Die Betreuerin oder der Betreuer unterstützt die hilfsbedürftige Person bei bestimmten Aufgaben. Welche, legt das Gericht fest. 

Es geht um Gesundheitssorge (Arztgespräche, Einwilligung in medizinische Maßnahmen), Vermögenssorge (Kontoverwaltung, Zahlungsverkehr), Aufenthaltsbestimmung (Heim- oder Krankenhauseinweisung), Behördenangelegenheiten (Antragstellungen) oder Wohnungs- und Heimangelegenheiten. Der Begriff „rechtliche Betreuung“ bedeutet, dass die Betreuerin oder der Betreuer selbst keine tatsächliche Hilfe leisten muss, sondern dafür zuständig ist, diese zu organisieren.

Das Gesetz sieht keine fachlichen Anforderungen für die Tätigkeit als Betreuerin oder Betreuer vor. In der Praxis haben diese sehr unterschiedliche Fähigkeiten, je nach eigener Lebenssituation und Berufserfahrung. Den ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern steht bei der Erfüllung ihrer Aufgaben ein zuverlässiges System der Begleitung, Beratung und Hilfe zur Seite. Ansprechpartner sind das Betreuungsgericht, die Betreuungsstellen und vor allem die anerkannten Betreuungsvereine. Derzeit gibt es in Niedersachsen 57 staatlich anerkannte Betreuungsvereine.

Ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer erhalten wahlweise Ersatz ihrer tatsächlichen Aufwendungen oder eine pauschale Aufwandsentschädigung von zurzeit 399 Euro pro Jahr und Betreuung. Wer Interesse an der Übernahme einer ehrenamtlichen Betreuung hat, kann sich beim Amtsgericht melden.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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