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Besinnliches zur Adventszeit

Kolumne: Batke dichtet – Eine Krise jagt derzeit die nächste. Gar nicht so leicht, in dieser Zeit "zur Besinnung zu kommen". Dabei täte uns die Besinnung in diesen Tagen ganz besonders gut.

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Mal ehrlich: Sind Sie in diesen Tagen schon zur Besinnung gekommen? Ich gebe zu, dass das gar nicht so einfach ist in der gegenwärtigen Großwetterlage – in einer Zeit, in der eine Krise die nächste jagt und der Respekt vor der Wahrheit Stück für Stück verloren geht. Und was lesen wir in den Grußbotschaften, die uns in diesen Tagen in schöner Regelmäßigkeit ins Haus flattern? "... und wünschen Ihnen eine besinnliche Adventszeit und ein ebenso frohes wie friedliches Weihnachtsfest."

Mal abgesehen davon, dass Weihnachten das Fest mit dem größten Konfliktpotenzial überhaupt ist: Wie, bitte schön, soll man weite Strecken des letzten Monats im Jahr besinnlich verbringen, wo doch gerade jetzt der größte Trubel überhaupt ausgebrochen ist? Wie ist es um die Besinnlichkeit bestellt, wenn die Stromrechnungen wirken wie Elektroschocks? Was kann besinnlich daran sein, auf dem Weihnachtsmarkt für eine Currywurst mit Pommes Mayo 7,50 Euro berappen zu müssen – oder für einen Glühwein 5 Euro, wobei die Qualität des Rebensaftes von einem 2015er Barolo oder Chateauneuf du Pape so weit entfernt ist wie Dümmerlohausen von Wladiwostok?

Besinnlich, so las ich, sei ein Zustand, ruhig und entspannt über etwas nachzudenken, im besten Fall fahre man auch körperlich runter. Und nein, alltäglicher Stress und gesellschaftlicher Druck hätten in dieser Zeit nichts verloren.

"Wie ist es um die Besinnlichkeit bestellt, wenn die Stromrechnungen wirken wie Elektroschocks?"Alfons Batke

Da müssen wir beispielsweise nur einmal Oliver Bierhoff fragen, wie es um seine Besinnlichkeit bestellt ist. Unser EM-Held von 1996 wird aufgrund des deutschen WM-Debakels zum Sündenbock der Nation, dabei hat nicht er Hundertprozentige im Dutzend versemmelt oder dämlich ausgewechselt, er dient einfach nur, so viel Besinnung muss sein, als Projektionsfläche für das Scheitern. Der deutsche Fußball weit hinter Marokko – die Nation bleibt "verkatart".

Doch machen wir nicht alles schlecht, immerhin sind wir auf anderen Feldern stark, wie dieser Tage "Bild" jubelte: "Deutscher Panzer erfolgreich. Gepard schießt russische Rakete ab." Geht doch! Und direkt daneben bewirbt das Blatt unter dem Slogan "Einer für alle" den "Volks.Weihnachtsbaum", vertrieben über eine befreundete Baumarktkette ist die "edle Nordmanntanne" in der kleinen Version schon für 17,99 Euro zu haben. Drei Glühwein – mit Schuss.

Besinnung täte uns gut, gerne auch im inflationären Ausmaß

Nein, wir leben nicht in einer besinnlichen Zeit, es ist kein Ros' entsprungen und der Schnee rieselt auch nicht leise. Nostalgisches Geplänkel. Dabei täte uns Besinnung gut, gerne auch in inflationärem Ausmaß.

Denn aus Besinnung könnte die Erkenntnis reifen, dass der bundesweite Probealarm vom vergangenen Donnerstag mit lautem Sirenengeheul und fiepsenden Handys womöglich nur ein Vorbote des Ernstfalls war. Und dass die Terror planenden und verblendeten "Reichsbürger" doch eine ernst zu nehmende Gefahr darstellen. In diesem Sinne: Befüllen wir die besinnliche Zeit mit Inhalt, damit es nachher nicht besinnungslos weitergeht.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autoren erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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