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Berufsvorbereitung auf dem Bauernhof

Auch auf dem Land haben viele Kinder keinen Bezug zur Landwirtschaft. Im Rahmen der beruflichen Orientierung besuchen deshalb die 8.-Klässler der Oberschule Bösel einen Milchviehbetrieb in ihrem Ort.

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Lernprojekt: Landwirt Josef Hatke beantwortet geduldig alle Fragen der Böseler OBS-Schüler. Fotos: Stix

Lernprojekt: Landwirt Josef Hatke beantwortet geduldig alle Fragen der Böseler OBS-Schüler. Fotos: Stix

Auch in einer ländlichen Region wie dem Oldenburger Münsterland ist es längst nicht mehr selbstverständlich, dass alle Kinder einen Bezug zur Landwirtschaft haben. "Das entfremdet sich", hat Landwirt Josef Hatke aus Bösel festgestellt. Ein Befund, den auch das Lehrerkollegium der Oberschule Bösel teilt. Im Rahmen eines außerschulischen Lernprojekts zur Berufsvorbereitung hat deshalb der 8. Jahrgang der Oberschule am Dienstag den Hof der Familie Hatke besucht, um einmal hinter die Kulissen eines landwirtschaftlichen Betriebes zu schauen.

4 der 23 Schülerinnen und Schüler kommen selbst von einem Hof, manche haben durch Freunde und Nachbarn zumindest gewisse Kontakte. Bei den meisten aber ist die Nähe zur Landwirtschaft nicht besonders stark ausgeprägt. "Unser Ziel ist es, den Jugendlichen die Arbeit auf einem Hof näherzubringen und zu zeigen, wie es beispielsweise in einem Betrieb mit Milchviehhaltung abläuft", sagt OBS-Lehrer Lars Hoffmann, der gemeinsam mit seinem Kollegen Alan Shamo die Schüler begleitet.

Die erste Erkenntnis für die Jugendlichen: Milch kommt nicht von irgendwo her, sondern aus der Region. "Wo genau sie herkommt, erkennt ihr an dem kleinen Oval mit der Herkunftsbezeichnung auf der Packung", erläutert Josef Hatke. Und wenn man Glück hat, kennt man den Landwirt sogar persönlich: "Wenn in dem Oval DE NI 14090 drinsteht, dann stammt die Milch von unseren Kühen und von anderen Milchviehbetrieben aus unserer Gegend." Die Angaben auf Verpackungen und die Bedeutung verschiedener Abkürzungen lernen die 8.-Klässler derzeit auch im Wirtschaftsunterricht. "Vielleicht achten sie dann mehr darauf, was außen draufsteht und was drin ist", hofft Hoffmann.

Kontaktaufnahme: Das Kalb ist voll süß, findet die 13-jährige Aicha Boucif.Kontaktaufnahme: "Das Kalb ist voll süß", findet die 13-jährige Aicha Boucif.

Der Ausflug auf den Hof ist Bestandteil des berufsvorbereitenden Unterrichts, bei dem die OBS so oft wie möglich auf die eigene Erfahrung der Schüler setzt. "Wenn beispielsweise das Thema Landwirtschaft dran ist, dann sollen in erster Linie die Schülerinnen und Schüler, die einen direkten Bezug dazu haben, erzählen und erklären", erläutert Hoffmann. "Wir Lehrer halten uns dann im Unterricht zurück, moderieren nur noch." Dieses Prinzip sei in der Berufsvorbereitung an der OBS inzwischen üblich. "Die Themen variieren aber", so Hoffmann. "In der Stadt geht es um andere Betriebe und Wirtschaftszweige als hier auf dem Land."

Fast 3 Stunden dauerte der Besuch der Schülerinnen und Schüler auf dem Hof. Den größten Teil davon verbrachten sie in den Ställen, angefangen bei den jüngsten Kälbern bis hin zu den tragenden Kühen und den mächtigen Bullen. Erste Hemmungen beim Umgang mit den Tieren waren dabei bald vergessen. "Kühe streicheln ist voll cool", findet etwa Noah Schütte. "Wenn man die anfasst, wollen sie immer gleich die Hände ablecken." Auch die 13-jährige Aicha Boucif hatte keinerlei Berührungsängste. "Das Kalb ist voll süß, ich fühle mich überhaupt nicht ängstlich", sagt sie, während das Tier an ihrem Finger saugt. "Ich habe das Gefühl, dass das Kalb das mag." 

Glücksgefühl: Pierre Lorenz strebt einen Beruf in der Landwirtschaft an. Die Bindung zu Tieren macht mich glücklich, sagt der 15-Jährige.Glücksgefühl: Pierre Lorenz strebt einen Beruf in der Landwirtschaft an. "Die Bindung zu Tieren macht mich glücklich", sagt der 15-Jährige.

Für Pierre Lorenz ist der Umgang mit Tieren ein Stück Normalität. "Ich komme aus Bayern und bin mit Tieren groß geworden", sagt der 15-Jährige, dessen Hobby die Mitarbeit auf einem Hof ist. "Die Bindung zu Tieren macht mich glücklich, wenn ich es notenmäßig schaffe, dann will ich auch in die Landwirtschaft gehen." Josef Hatke hört es gerne. "Auch bei uns fehlen die Facharbeiter", sagt er und beantwortet geduldig alle Fragen der Schüler, die von der Zusammensetzung der Nahrung über das Gewicht der Kühe bis hin zur Milchleistung reichen.

Lars Hoffmann ist mit dem Ergebnis und dem Feedback seiner Schüler zufrieden. "Das war heute das erste Mal, dass wir einen Hof besucht haben", sagt er. "Ich glaube, dass die Jugendlichen ihren Spaß hatten." Eine Wiederholung des Projekts hält er für durchaus möglich. "Ich denke, das kann man so etablieren und vielleicht auch auf die 9. Klassen ausdehnen." Den Kühen würde das nichts ausmachen, versichert Josef Hatke. "Die sind Trubel gewöhnt."

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