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Beratungsstelle startet Projekt für Ukraine-Flüchtlinge

Mit Polina Rekochynska ist jetzt eine Psychologin im Team der Einrichtung, die sowohl Sprache als auch Schicksal teilt. Ab September soll sie ihren Landsleuten aus der Ukraine zur Seite stehen.

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Einrichtungsleiter Norbert Thyen (links) und Geschäftsführer Josef Wolking freuen sich, die ukrainische Psychologin Polina Rekochynska im Team begrüßen zu dürfen. Foto: Dickerhoff

Einrichtungsleiter Norbert Thyen (links) und Geschäftsführer Josef Wolking freuen sich, die ukrainische Psychologin Polina Rekochynska im Team begrüßen zu dürfen. Foto: Dickerhoff

Für manches, das die geflüchteten Menschen aus der Ukraine erlebt haben, ist es ohnehin schon schwierig, die passenden Worte zu finden. In einer Fremdsprache, gerade einer so komplizierten wie der deutschen Sprache, ist es ein fast unmögliches Unterfangen. Aber gar nicht darüber zu sprechen, ist definitiv auch keine Lösung. Darum startet die Erziehungsberatungsstelle Cloppenburg ab dem 1. September (Donnerstag) ein Projekt, um dem entgegenzuwirken.

Dafür wurde eine halbe Stelle geschaffen, die die ukrainische Psychologin Polina Rekochynska besetzt. Sie soll ihre Landsleute, die jetzt in der Region leben, kostenfrei beraten und begleiten. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt, erklärt Josef Wolking, Geschäftsführer der Stiftung St. Vincenzhaus, als Träger der Beratungsstelle: "Die ersten Monate nach der Flucht wurden für das Ankommen gebraucht. Aber jetzt, wenn eine Art Alltag einkehrt, ploppen die alten Geschichten auf." 

Über all diese belastenden Erfahrungen und Erinnerungen sollen die Betroffenen mit Polina Rekochynska sprechen können. Hier kann sich die Einrichtung verschiedene Angebote vorstellen, von Krisenberatung bis zu Gruppenangeboten für Jugendliche oder Eltern. Darüber hinaus stehen die Psychologin und das Team aber auch für die "klassischen" Themen der Beratungsstelle wie Ängste oder familiäre Konflikte zur Verfügung. Auch bei Problemen mit Schule oder Behörden soll geholfen werden.

Sprache und gemeinsamer Hintergrund als Vertrauensgrundlage

Der große Vorteil, den Rekochynska mitbringt, ist ihr eigener Hintergrund. So spricht sie sowohl Ukrainisch als auch Russisch. Sie  selbst ist auch im April aus der Ostukraine nach Deutschland geflüchtet. Einrichtungsleiter Norbert Thyen sieht darin einen enormen Vorteil für die Beratungsgespräche: "Durch die gemeinsame Sprache und den kulturellen Hintergrund ist schon die halbe Beziehung entstanden. So kann viel schneller inhaltlich gearbeitet werden."

Josef Wolking sieht in dem nun startenden Angebot eine "wichtige Eingangstür", von der er hofft, dass möglichst viele Menschen aus der Ukraine auch hindurchgehen. Den Bedarf schätzt er als groß ein. Auch Psychologin Polina Rekochynska ermutigt ihre Landsleute, die Beratungsmöglichkeit anzunehmen: "Alles um einen herum scheint irgendwann zur Ruhe zu kommen, aber du selbst kommst nicht zur Ruhe." 

Befristet ist die halbe Stelle bei der Erziehungsberatungsstelle vorerst auf ein Jahr. Finanziell ermöglicht wurde sie durch den Landes-Caritasverband, der Gelder aus verschiedenen Töpfen dafür weitergegeben hat. Ob das Projekt anschließend fortgesetzt wird, hängt von der Entwicklung und dem Zuspruch ab. Das Team der Beratungsstelle hofft daher, dass sich das Angebot bei möglichst vielen Menschen herumspricht.


Fakten:

  • Das Beratungsangebot für Geflüchtete aus der Ukraine startet ab dem 1. September
  • Das Angebot findet hauptsächlich in den Cloppenburger Räumlichkeiten, Emsteker Straße 15, statt.
  • Interessierte können sich direkt bei Polina Rekochynska unter der Nummer 0151/42478444 oder bei der Erziehungsberatungsstelle Cloppenburg melden.
  • Die Beratung ist kostenlos.

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