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Bekenntnisschul-Debatte in Lohne: Vereine plädieren für Umwandlung

Der Runde Tisch für Integration und Völkerverständigung und Amasyaspor beziehen Stellung. Kerstin Sommer nennt das Festhalten am Status "einfach anachronistisch".

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Die Frage lautet, ob die sechs Lohner Grundschulen weiterhin katholische Bekenntnisschulen bleiben oder in Schulen für Kinder aller Bekenntnisse umgewandelt werden.  Foto: dpa

Die Frage lautet, ob die sechs Lohner Grundschulen weiterhin katholische Bekenntnisschulen bleiben oder in Schulen für Kinder aller Bekenntnisse umgewandelt werden.  Foto: dpa

Die Befragung über die Zukunft der Bekenntnisschulen in Lohne endet am Donnerstag (18. November). Die Eltern von circa 1200 Grundschülern sind Teilnahme an der Briefwahl aufgerufen. Die Frage lautet, ob die sechs Lohner Grundschulen weiterhin katholische Bekenntnisschulen bleiben oder in Schulen für Kinder aller Bekenntnisse umgewandelt werden.

Jetzt meldet sich der Runde Tisch für Integration und Völkerverständigung zu Wort. In dem Brief der stellvertretenden Vorsitzenden Kerstin Sommer, den auch der Vorsitzende von Amasyaspor Lohne, Ali Boydak, unterzeichnet hat, sprechen sich beide Vereine für eine Umwandlung der Grundschulen aus. Sommer rechnet mit einem ähnlichen Ergebnis wie bei der Abstimmung im Jahr 2015. Damals kam es nicht zur Umwandlung. Als einen Grund nennt sie Corona. Die Eltern der Grundschüler hätten wegen der Pandemie ohnehin gewaltige Probleme. "Da gerät die Bekenntnisschulproblematik schon mal leicht aus dem Fokus."

Die stellvertretende Vorsitzende des Runden Tisches bezeichnet ein Festhalten am Bekenntnisstatus angesichts der Statistik – etwa 47 Prozent der Grundschüler sind nicht katholischen Glaubens – als „einfach anachronistisch“. Sie nennt weitere Zahlen: So sei einzig an der Kroger Grundschule ein niedriger Anteil der Schüler (16 Prozent) nicht katholisch. An der Gertrudenschule indes betrage der Wert 73 Prozent. Sommer konstatiert: "Viele der Eltern an dieser und natürlich auch an den weiteren Lohner Grundschulen haben Migrationshintergrund und verstehen die Abstimmungsproblematik nicht in ihrer Komplexität."

Wer nicht abstimmt, ist automatisch für den Erhalt

Aus ihrer Sicht müssten diese Eltern an die Hand genommen werden, damit sie verstehen, worüber sie abstimmen. "Und das braucht Zeit und Einsatz vieler Mitspielerinnen und Mitspieler, um das zu erklären." Drei von der Stadt anberaumte Elterngespräche, so glaubt Sommer, würden diese Menschen, "die dringend mit einbezogen werden müssen", nicht erreichen.

Sie greift namens des Runden Tisches noch einen weiteren Punkt auf: Wer bei der Briefwahl keine Stimme abgibt, stimmt automatisch für den Erhalt des Bekenntnisstatus der entsprechenden Grundschule. Sommer kritisiert, dass dieser Hinweis in den Informationen der Stadt fehle. Dies könnte auch für Eltern ohne Migrationshintergrund wichtig sein, urteilt sie.

Kerstin Sommer kritisiert die Haltung der Stadt

Ein weiterer Kritikpunkt aus Sicht der Lohnerin: Auf ihrer Homepage weist die Stadt Lohne darauf hin, wie viel Schulunfrieden entstehen wird, wenn nur einzelne Grundschulen sich für eine Umwandlung entscheiden. Sommer schreibt, ein regelrechtes Schreckensszenario werde entworfen. Sie zitiert die Stadtverwaltung. Demnach müssten bei Mehrheiten für die Umwandlung an einzelnen Schulen die Schulbezirke neu geregelt werden. Die Folge wäre, dass "nicht mehr gewährleistet (sei), dass Kinder aus der Nachbarschaft und näheren Umgebung dieselbe Klasse/Schule besuchen".

Sommer sagt, dass die Stadt Lohne als Schulträger ein wichtiges Wort bei der Thematik mitzureden habe. Sie fragt: "Warum stellt sie die Lage so dar, dass alle Eltern am Ende taktisch wählen, um diese Szenarien zu vermeiden? Warum stellt sich die Stadt nicht als Problemlöserin dar, die – ungeachtet der Abstimmungsergebnisse – für einen ‚Schulfrieden‘ sorgen wird?"

Abschließend argumentiert die stellvertretende Vorsitzende des Runden Tisches, dass Lehrerinnen und Lehrer mit nicht-katholischem Bekenntnis – also evangelische, muslimische oder solche, die sich "nur" einem humanistischen Bildungsideal verpflichtet fühlten – in Lohne nicht unterrichten dürften, "denn an diesen Schulen werden nur katholische Lehrerinnen und Lehrer akzeptiert". Das sei gleichbedeutend mit einem Berufsverbot für nicht-katholische beziehungsweise bekenntnisfremde Lehrende, sagt Sommer.

„In den Grundschulen ist längst das bunte Mosaik unserer Gesellschaft entstanden. Warum schließen wir also die Augen vor der Realität, anstatt diese Entwicklung zu fördern?“Kerstin Sommer, stellvertretende Vorsitzende des Runden Tisches für Integration und Völkerverständigung Lohne

"Das ist Unsinn", sagt Professor Franz Bölsker, Leiter der Abteilung Schule beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta. Nach seinen Angaben treffe das Schulgesetz nur eine Regelung: Je pluraler die Schülerschaft, desto pluraler auch die Lehrerschaft. Zur Religionszugehörigkeit werde ansonsten nichts festgelegt, sagt Bölsker.

Sommer resümiert ungeachtet dessen, dass alle Fakten mit den Zielen des Runden Tisches – und aufgrund von Boydaks Unterschrift wohl auch mit jenen Amaysaspors – unvereinbar seien. Lohne sei die einzige Stadt dieser Größe in Niedersachsen mit ausschließlich katholischen Bekenntnisschulen.

Kerstin Sommer ruft dazu auf, gemeinsam an dem Ziel zu arbeiten und Teilhabe zu leben. "In den Grundschulen ist längst das bunte Mosaik unserer Gesellschaft entstanden. Warum schließen wir also die Augen vor der Realität, anstatt diese Entwicklung zu fördern?"

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