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Beirat vermutet noch viel Verbesserungspotenzial

Mit einer offenen Sprechstunde will der Beirat für Menschen mit Beeinträchtigungen künftig mehr Probleme in seinem Wirkungskreis aufgreifen. An zwei Punkten stören sich die Mitglieder besonders.

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Keine Böswilligkeit: Immer wieder stehen – oft aus Unkenntnis heraus – Werbeaufsteller auf dem Blindenstreifen. Monika Brokamp vom Beirat für Menschen mit Beeinträchtigung schiebt solche Hindernisse manchmal auch einfach beiseite.  Foto: Stix

Keine Böswilligkeit: Immer wieder stehen – oft aus Unkenntnis heraus – Werbeaufsteller auf dem Blindenstreifen. Monika Brokamp vom Beirat für Menschen mit Beeinträchtigung schiebt solche Hindernisse manchmal auch einfach beiseite.  Foto: Stix

Grundsätzlich, sagt Andreas Tegeler, könne man aus Sicht eines Menschen mit Beeinträchtigung die Sanierung der Friesoyther Innenstadt durchaus loben. Das sei ihm auch von Besuchern anderer Städte bestätigt worden. "Die waren total begeistert", erzählt er. Andererseits weiß der Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Beeinträchtigungen auch, dass es immer noch Verbesserungspotenzial gibt.

Bei den Blindenstreifen in der Friesoyther Innenstadt zum Beispiel. Vor über einem Jahr hatten der Beirat und OM-Online bereits einmal auf das Thema aufmerksam gemacht, doch die in die Gehwege eingelassenen Markierungen werden nach wie vor durch parkende Autofahrer, Gastronomie und Werbeaufsteller blockiert. "Es ist besser geworden", sagt Monika Brokamp, die stellvertretende Vorsitzende des Beirats, "aber man läuft immer noch oft in irgendwas rein." Brokamp, selbst stark sehbehindert, schiebt deshalb bewegliche Hindernisse manchmal auch einfach vom Blindenstreifen weg.

Böswilligkeit allerdings will sie niemandem unterstellen. "Viele wissen doch gar nicht, dass die Steine ein Blindenstreifen sind", sagt sie. Grund dafür könnte auch die Farbe sein. Die Steine sind so grau wie die Parkplatzmarkierungen, nur eben anders geformt. Das sorgt für Verwechslungen. "Den Schuh müssen auch wir uns anziehen", gibt Tegeler zu. "Da haben wir bei der Entscheidung für die Farbe nicht dran gedacht."

Themen aus der Sprechstunde sollen in den Stadtrat eingebracht werden

Tegeler geht davon aus, dass es im Stadtgebiet noch viel Verbesserungspotenzial gibt, also noch weitere Punkte, an denen Menschen mit Beeinträchtigungen auf Probleme stoßen. "Wir richten deshalb eine öffentliche Sprechstunde für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung ein", sagt Tegeler. Dort könne dann jeder erzählen, wo etwas nicht gut sei, "wo beispielsweise Bordsteinkanten zu hoch sind oder ein Geschäft nicht barrierefrei ist", erläutert er.

Jeden 1. Mittwoch im Monat sind Mitglieder des Beirats künftig ab 18.30 Uhr im Caritas-Treffpunkt, Wasserstraße 15 in Friesoythe, für Gespräche anwesend. "Da kann man dann auch Fotos mitbringen, um ein Problem zu verdeutlichen", betont Tegeler. Die Themen will der Beirat dann in die zuständigen Ausschüsse des Friesoyther Stadtrates mitnehmen. "Wir können überall Themen einbringen, denn der Beirat ist beratendes Mitglied in fast allen Ausschüssen", so Tegeler. 

Schulgesetz verhindert Mitwirkung im Schulausschuss

Lediglich im Schulausschuss hat der Beirat für Menschen mit Beeinträchtigungen keinen Sitz. "Eigentlich unverständlich", kommentiert Tegeler. "Wir reden von Inklusion, aber unser Beirat kann nicht einmal die Pläne für Schulneu- oder -umbauten einsehen." Dabei gebe es da genug zu beachten, von Rampen für Rollstühle über Aufzüge bis hin zu Großraumtoiletten. 

Tegeler weiß allerdings auch, dass die Stadt an diesem Punkt keine Handhabe hat. "Der Schulausschuss ist kein freiwilliger, sondern ein sogenannter 'Ausschuss nach besonderen Rechtsvorschriften'", erläutert Friesyothes Erste Stadträtin Heidrun Hamjediers. Im Schulgesetz sei der Mitgliederkreis des Schulausschusses "abschließend geregelt". Demnach sind zwar Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter als Mitglieder vorgesehen, nicht aber Vertreter des Beirats für Menschen mit Beeinträchtigung. Eine eigenmächtige Erweiterung des Schulausschusses, so Hamjediers, sei rechtlich nicht möglich.

Das heiße aber nicht, dass der Beirat grundsätzlich außen vor sei. "Natürlich kann und wird die Verwaltung, wenn erforderlich, etwa bei Baumaßnahmen den Beirat einbinden", sagt die erste Stadträtin. "Die Expertise von Menschen mit Beeinträchtigung ist für uns wichtig und wertvoll." Darauf baut auch Tegeler. "Die Stadt", hat er etwa bei der Innenstadtsanierung festgestellt, "ist unglaublich offen für unsere Anregungen und Wünsche."

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