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Bei Schlaganfall sind auch flüchtige Symptome ernst zu nehmen

Dr. Heiko Dietzel von der Stroke-Unit am St.-Elisabeth-Krankenhaus in Damme ist Experte für neurologische Erkrankungen. Der Chefarzt erklärt, auf welche Faktoren es bei einem Schlaganfall ankommt.

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Per Ultraschall schaut der Chefarzt der Neurologie, Dr. Heiko Dietzel, bei Heike Surmann, Medizinische Fachangestellte, ob die Halsschlagader frei ist. Assistenzärztin Olga Bordizhenko schaut zu. Foto: Röttgers

Per Ultraschall schaut der Chefarzt der Neurologie, Dr. Heiko Dietzel, bei Heike Surmann, Medizinische Fachangestellte, ob die Halsschlagader frei ist. Assistenzärztin Olga Bordizhenko schaut zu. Foto: Röttgers

Viele Menschen wissen: Der Schlaganfall ist eine Erkrankung, deren therapeutische Behandlung möglichst direkt nach Beginn des Auftretens von Symptomen eingeleitet werden sollte. Verzögert sich die Behandlung des Patienten stark, verschlechtert sich auch die Prognose deutlich. Anlässlich des Welt-Schlaganfalltages am 10. Mai (Dienstag) informiert nun der Chefarzt der Klinik für Neurologie, Dr. Heiko Dietzel, von der Stroke-Unit am St.-Elisabeth-Krankenhaus in Damme. Was ist zu tun, wenn Schlaganfallsymptome nur kurz anhalten und sich spontan zurückbilden? Können Laien einen Schlaganfall erkennen? Und warum sollte nicht damit gezögert werden, den Notruf zu wählen?

Oftmals spiele bei einem Schlaganfall der Faktor Zeit eine große Rolle. Es sei geboten, dass so schnell wie möglich Hilfe gerufen werde. Eine fehlende Blutversorgung in einem Teil des Gehirns sorge für das Absterben von Nervenzellen. „Je länger die Mangeldurchblutung anhält, umso mehr Zellen sterben ab. Dieses Geschehen kann nur dadurch unterbrochen werden, indem die Blutversorgung wiederhergestellt wird“, erklärt Dr. Heiko Dietzel. Solche Blutgerinnsel würden häufig durch den Einsatz von Medikamenten oder durch den Einsatz von Kathetern bei komplizierteren Operationen entfernt werden.

Auch flüchtige Symptome haben ihre Ursachen

Entgegen der Annahme, flüchtige Symptome eines Schlaganfalls würden sich zurückbilden und keinen dauerhaften Schaden am Patienten anrichten, warnt der Experte vor den Ursachen dieser „kleineren“ Schlaganfälle. Sogenannte TIAs seien kurze Durchblutungsstörungen und hinterließen vorerst meistens keine Symptome, da die Blutgerinnsel durch körpereigene Eiweiße abgebaut würden. Doch die Ursache werde in der Regel nicht beseitigt. „In vielen Fällen kommt es nach kurzer Zeit zu erneuten Schlaganfällen mit auch bleibenden Symptomen, zum Teil zu schweren Ausfällen. Diese hätten verhindert werden können. Deshalb behandeln wir TIAs wie Schlaganfälle als Notfälle“, so der Neurologe.

Unter die typischen Symptome eines Schlaganfalls fallen unter anderem ein hängender Mundwinkel, Sehstörungen und Doppelbilder, Sprach- und Sprechstörungen sowie Schwindel, Gangunsicherheiten, Gefühlsstörungen oder ein lähmendes Gefühl in einer Körperhälfte. „Aber auch starker Kopfschmerz mit Übelkeit ist zu nennen. Die Problematik trifft in der Regel ganz plötzlich, also schlagartig auf“, weiß der Fachmann. Dabei bestehen auch für Nicht-Mediziner mehrere Anhaltspunkte, mit denen sie einen Schlaganfall erkennen können. So sollen die Betroffenen einfache Sätze nachsprechen, lächeln oder ihre beiden Arme parallel nach vorne halten. Falls Betroffene diese Aufgaben nicht korrekt ausführen können, da beispielsweise die Sprache verwaschen ist, ein Mundwinkel hängt oder der Arm herabfällt, müsse ein Schlaganfall in Erwägung gezogen werden. Dann empfiehlt der Experte die Wahl des Notrufs 112.

Lebenswandel kann das Risiko senken

Außerdem könne im Vorfeld bereits das Risiko für einen Schlaganfall gesenkt werden. Erkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht und Zuckerkrankheit, aber auch mangelnde Bewegung, das Rauchen und Herzrhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern, seien typische Faktoren, die das Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu bekommen, drastisch erhöhen. Dieses Risiko kann jedoch durch eine Veränderung von Lifestyle-Faktoren verhindert werden, erläutert Dr. Dietzel: „Beispielsweise reduziert die Beendigung des Rauchens das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, um 44 Prozent. Aber auch andere Faktoren wie Bewegung, mediterrane Ernährung, Behandlung und Kontrolle des Bluthochdruckes oder Einstellung einer Zuckerkrankheit können das persönliche Schlaganfallrisiko enorm beeinflussen.“ Andere Faktoren wie zum Beispiel die Genetik oder das Alter ließen sich hingegen nicht beeinflussen.

Abschließend empfiehlt der Chefarzt der Neurologie-Klinik in Damme bei der Feststellung von Schlaganfall-Symptomen den direkten Kontakt zum Rettungsdienst: „Wichtig ist die unverzügliche Zuweisung in eine Stroke-Unit. Diese wird überregional vom Rettungsdienst über eine digitale Bettenabfrage gesteuert, sodass der Patient schnellstens einer Klinik zugeführt werden kann, die zur Schlaganfallbehandlung auch spezialisiert ist.“

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