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Bei Opa hat es Zoom gemacht

Kolumne: Notizen vom Nachbarn – Emsteks Bürgermeister hat meinem Vater eine hochoffizielle Einladung zum Treffen mit der Geschäftswelt geschickt - per Zoom. "Dor mäött wi hen. Unbedingt!", sagt Opa.

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Homeschooling, Homeoffice, Homesports – ich weiß, es ist ganz schön viel darüber geschrieben worden, was uns Corona so alles ins Leben gespült hat. Der eine schielt abends mit einem Auge in Laptop Nummer 1 beim Meeting des Elternabends rein und turnt gleichzeitig auf Laptop Nummer 2 beim Sportkurs mit. Die andere liegt entspannt auf dem Sofa und prostet sich lustig im Bildschirm beim Weiberabend zu – das Taxigeld ins eigene Bett gespart. Und jetzt schickte der Emsteker Bürgermeister meinem Vater eine hochoffizielle Einladung zum Treffen mit der Geschäftswelt. Ganz spannend, es gäbe Neuigkeiten.

Opa wedelte schon mit dem Zettel, als ich mittags in sein Büro kam. „Dor mäött wi hen. Unbedingt!“. Seine ganzen jahrzehntelangen Ratsmitglieds- und Gewerbevereinsgene arbeiteten im 89-jährigen Kopf, unbedingt wollte er dabei sein. Beim Mittagessen las ich in Ruhe die Einladung vor. „Wir treffen uns um 19 Uhr auf Zoom“, schrieb der Bürgermeister und fügte gleich einen ganzen Block an Zugangsdaten bei. Opa notierte den Termin umgehend in seiner „Bibel“, wie er sein geliebtes Notizbuch vor Jahrzehnten getauft hat.

"Aber einen schlauen Schnack will ich da machen, Opas Plan für seine erste Videokonferenz steht fest"Antonius Schröer

Ich legte eine Live-Schulung über Videokonferenzen, Liveschaltungen, Cams und all dem neumodischen Kram zum Frühlingseintopf auf den Küchentisch. Oma runzelte die Stirn „Deine alten Kollegen Paul, Günther und Werner gehen da bestimmt auch nicht mehr hin. Das brauchst du nicht“. Der Eintopf wurde kalt, bis ich erklärt hatte, dass alle zuhause allein vorm Bildschirm sitzen und nicht im Rathaus.

Die Technik rettete mich, ich konnte den Termin von Opa fernhalten, musste aber versprechen, detailliert zu berichten. Das Online-Meeting des Emsteker Bürgermeisters mit fast 50 Geschäftsleuten lief richtig rund. Südoldenburgs Fashion-Bürgermeister Fischer glänzte vor einem eigens installierten Bluescreen und schickte am Ende, als er eine Ehefrau im Bildschirm erblickte, die Teilnehmer zum Kuscheln aufs Sofa.

Am folgenden Tag erwartete Opa umgehend den Bericht aus dem Rathaus. Vorsorglich hatte ich ein paar Fotos vom Bildschirm gemacht und konnte ihm alle Teilnehmer zeigen und aufzählen. Für Oma ein Triumph, denn Paul, Günther und Werner waren wirklich nicht dabei gewesen. Ich erzählte, dass es eine Fortsetzung in 4 Wochen geben soll und dann vielleicht sogar der Landrat kommt. „Dann bin ich dabei!“ Opas Befehl war klar. Die Technik muss jetzt auf Opas alten PC und ich werde mich danebensetzen, die Maus fest in der Hand zur Steuerung des Mikros und der Kamera. „Aber einen schlauen Schnack will ich da machen“, Opas Plan für seine erste Videokonferenz steht fest. Oma schüttelt mit dem Kopf „Nur, wenn du vorher zum Frisör gehst“.


Zur Person:

  • Der Autor Antonius Schröer führt mehrere Modehäuser. Der 59-Jährige verkörpert das Vechtaer Original „Straßenfeger“ im Karneval.
  • Sie erreichen ihn unter info@om-medien.de.

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