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Begleiter und Unterstützer in einer schweren Zeit

Vor 20 Jahren hat der Malteser Hospizdienst in Friesoythe seine Arbeit aufgenommen, am 14. Oktober ist wie jedes Jahr der deutsche Hospiztag. OM Online hat mit 3 Mitarbeiterinnen gesprochen.

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Einfach da sein: Die ehrenamtlichen Hospizmitarbeiterinnen sind Begleiter für sterbende Menschen und ihre Angehörigen. Symbolfoto: dpa/Reinhardt

Einfach da sein: Die ehrenamtlichen Hospizmitarbeiterinnen sind Begleiter für sterbende Menschen und ihre Angehörigen. Symbolfoto: dpa/Reinhardt

Für den Kern ihrer Arbeit benötigen Christa Tellmann und Gertrude Vormoor genau 3 Worte. "Wir sind da", beschreiben sie ihre Aufgabe als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen beim Ambulanten Hospizdienst der Malteser in Friesoythe. Der hat am 4. Oktober 2001 seine Arbeit aufgenommen, Vormoor ist von Anfang an dabei, Tellmann seit 7 Jahren. Die beiden gehören zu einem Team von 40 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Hospizdienstes, die sterbende Menschen auf dem letzten Stück ihres Weges begleiten.

Dieses "da sein" zieht sich wie ein roter Faden durch das Gespräch anlässlich des deutschen Hospiztages am 14. Oktober. "Heutzutage sind ältere Menschen oft alleine", erläutert Miriam Tebben-Fastje, eine der 4 hauptamtlichen Kräfte des Malteser Hospizdienstes. "Oftmals sind Angehörige nicht mehr vor Ort, Freunde bereits gestorben, und dann sind eben wir da." Doch auch wenn die Familie selbst da ist, wird die Hilfe des Hospizdienstes gerne in Anspruch genommen. "Wir sind auch für die Angehörigen Begleiter und unterstützen sie in einer schwierigen Zeit", sagt Tebben-Fastje. Und sei es dadurch, dass die Ehrenamtlichen mit ihrer Anwesenheit der Familie die Zeit und den Freiraum geben, sich um sich selbst zu kümmern.

"Es ist vollkommen egal, wenn jemand nicht mehr sprechen kann. Allein unsere Anwesenheit ist beruhigend."Gerlinde Vormoor, ehrenamtliche Hospiz-Mitarbeiterin

Auch deshalb besteht die Aufgabe der Ehrenamtlichen oft einfach darin, da zu sein, am Bett eines sterbenden Menschen zu sitzen und vielleicht auch einfach nichts zu sagen. "Es ist vollkommen egal, wenn jemand nicht mehr sprechen kann", betont Vormoor. "Allein unsere Anwesenheit ist beruhigend." In solchen Momenten sei nichts und niemand wichtiger als der Mensch, der da liege, sagt die 83-Jährige. "Und wenn der mir ein Lächeln schenkt, dann bin ich ganz beglückt."

Sind für andere da: Die ehrenamtlichen Hospiz-Mitarbeiterinnen Christa Tellmann, Gertrude Vormoor und Miriam Tebben-Fastje vom Malteser Hospizdienst Friesoythe erzählen von ihrer Arbeit. Foto: StixSind für andere da: Die ehrenamtlichen Hospiz-Mitarbeiterinnen Christa Tellmann, Gertrude Vormoor und Miriam Tebben-Fastje vom Malteser Hospizdienst Friesoythe erzählen von ihrer Arbeit. Foto: Stix

Manchmal kommt es vor, dass sterbende Menschen noch bestehende Konflikte klären wollen. Inhaltlich halten sich die Hospizmitarbeiterinnen in solchen Fällen raus. "Wir sind weder Familie noch Freunde, wir sind neutral", betont Tellmann. "Aber wir hören zu und schauen, ob wir helfen können." Ein typischer Konflikt in der Region sei übrigens, erzählt Vormoor, dass die jüngeren Angehörigen nicht mehr zur Kirche gehen. "Das belastet viele Sterbende oft sehr", hat sie beobachtet.

Und gelegentlich sind die Aufgaben auch ziemlich komplex. Es kommt beispielsweise vor, dass ein todkranker Mensch noch offene Wünsche hat. "Wenn es geht, erfüllen wir die dann gerne", sagt Tellmann. "Manchmal möchte jemand ein letztes Mal irgendwo hingefahren werden, und da schauen wir dann zusammen mit den Angehörigen, was sich realisieren lässt." Für solche Fahrten steht in Vechta ein "Wünschewagen", ein voll ausgestatteter Krankenwagen, in dem bettlägrige Patienten transportiert werden können. Auch Notfallsanitäter sind dann an Bord. "Alles ehrenamtlich", betont Tebben-Fastje. 

"Der hospizliche Gedanke soll nicht dem wirtschaftlichen Gedanken unterliegen. Er würde sonst seine Seele verlieren."Miriam Tebben-Fastje, Malteser Hospizdienst

Aber natürlich fallen auf so einer Tour Kosten an, und sei es nur für das Benzin. Dafür und für viele andere Ausgaben ist der Hospizdienst auf Spenden angewiesen, denn über Krankenkassen könne nur ein ganz kleiner Teil abgerechnet werden. Und das sei auch gut so, findet Tebben-Fastje. "Der hospizliche Gedanke soll nicht dem wirtschaftlichen Gedanken unterliegen", sagt die 32-Jährige. "Er würde sonst seine Seele verlieren."

Anlässlich seines Geburtstages wird der Malteser Hospizdienst Friesoythe am 28. Oktober seine Arbeit von 10 Uhr bis etwa 17 Uhr an einem Stand im Famila-Markt Friesoythe vorstellen. "Wir wollen über Zitate und Erinnerungen Menschen zu Wort kommen lassen, die wir bis zum Schluss begleiten durften", sagt Tebben-Fastje. "Und wir wollen uns mit interessierten Bürgern über unsere Arbeit austauschen."

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