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"Baukweitenjanhinnerk": Auf die Anzahl an Speckstreifen kommt es an

Gästebuch: Auf Südoldenburgisch heißt Netzwerk: Du kennst einen, der kennt auch einen und ein Dritter kann vielleicht helfen. So lassen sich hier Dinge regeln – oder auch nicht.

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Als Netzwerke werden interdisziplinäre Systeme bezeichnet, deren zugrundeliegende Struktur sich mathematisch als Graph modellieren lässt und die über Mechanismen zu ihrer Selbstorganisation verfügt.

Oh Gott, o Gott! Wer soll denn das verstehen?

Auf Südoldenburgisch heißt Netzwerk: Du kennst einen, der kennt auch einen und ein Dritter kann vielleicht helfen. So kann man dann den Ersten anrufen und ihn fragen, den Zweiten ergänzen lassen und der Nächste stellt dann vielleicht die notwendigen oder erforderlichen Kontakte her: So funktioniert im Oldenburger Münsterland ein Netzwerk.

„Im Goldenstedter Haus im Moor gibt es nach Meinung von Kennern den besten ‚Baukweitenjanhinnerk‘ ever.“Otto Höffmann

Der eine oder andere Schluck hilft da natürlich auch. Und ein deftiges Essen. Grünkohl haben wir hinter uns. Punkebrot und „Götte“ gabs im Winter. Jetzt wieder Pfannkuchen. „Baukweitenjanhinnerk“, eine Köstlichkeit, dünn, dunkel, krossgebraten. Seit dem 19. Jahrhundert gehört diese Spezialität auf den Südoldenburger Speisezettel. Die Pfannkuchen bestehen aus Buchweizenmehl, Kaffeegetränk, Eiern und Salz. Der dickflüssige Teig muss zum Ausquellen einige Stunden ruhen. Dünne Speckstreifen werden in der Eisenpfanne in Schmalz ausgebraten, darauf der Buchweizenteig kellenweise gegeben und beiderseitig braun gebacken. An hohen christlichen Feiertagen reichte die Herrin des Hauses Schwarzbrot, Zuckerrübensirup („Grafschafter…“), Preiselbeeren, Blaubeeren oder Apfelmus dazu.

Im Goldenstedter Haus im Moor gibt es nach Meinung von Kennern und Kolumnisten den besten „Baukweitenjanhinnerk“ ever. Ob und wie gerne man als Gast des Hauses gesehen war, konnte man früher daran erkennen, wie viele gebratene Speckstreifen im Pfannkuchen eingelassen waren, erzählt man. Besonders gern gesehene Gäste bekamen vier Speckstreifen, eine gerade Zahl. Nicht so gern gesehene Gäste bekamen ihre Pfannkuchen mit einer ungeraden Zahl von Speckstreifen. So wett'et vertellt.

Er ist ein Spräker, aber kein Großspräker, eben ein Schnacker

Willibald Meyer aus Goldenstedt müsste es eigentlich genau wissen, was an dieser Geschichte wahr ist. Meyer war gefühlte 100 Jahre Bürgermeister von Goldenstedt und gefühlte 50 Jahre Vorsteher vom Haus im Moor. Auf der Veranda des Moorhauses in Goldenstedt kann man mit ihm lange fachsimpeln und die eine oder andere Speukenkiekergeschichte loswerden.

Er ist ein Spräker, aber kein Großspräker, eben ein Schnacker, was nicht verwundert, ist er doch eigentlich ein gelernter Lehrer und hat auch jahrelang diesen Beruf ausgeübt.

Der Schulmeister steckt natürlich noch in ihm. So etwas wird man ja nicht los. Daneben war er jahrelang ehrenamtlicher Bürgermeister und später der hauptamtliche. Förderverein, Touristikverein, Kreistag, stellvertretender Landrat. Da kam einiges zusammen. Moorschützer ist er ja immer noch „Streitbar und unbequem“ sei er gewesen, rief ihm sein Nachfolger bei der Verabschiedung nach. Aber große Leistungen für den Ort und das Oldenburger Münsterland hat er erbracht. Ein echter Südoldenburger eben. Mit Kanten und Ecken.

„Neischierig“ sind die Südoldenburger ja auch

Gefühlte 100 Jahre Bürgermeister in Südoldenburg übersteht man nicht ohne Netzwerk. Und an Schulmeistern gehen ja auch Generationen vorüber. Und was bei manchem Vater als Schüler zutage trat, zeigt sich beim Enkel auch wieder.

„Also das mit den Speckstreifen kann ich gar nicht genau sagen,“ gibt Meyer aus langjähriger Moor-Erfahrung zu, „aber wie macht sich eigentlich euer Bürgermeister in Cloppenburg?“, kommt unvermittelt die Frage.

„Neischierig“ sind die Südoldenburger ja auch. „Eigentlich ganz gut,“ lautet die Antwort. „Wundert mich nicht“, sagt der ehemalige Schulmeister und eingefleischter CDU-Mann. „Ein guter Mann eben. Ist ja auch mein Schüler gewesen. Sonst wurden es ja oft Sozialdemokraten.“ Netzwerk auf Südoldenburgisch wird so definiert. Speckstreifen hin oder her.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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