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Barßeler Bootsunfall: Gutachten belastet angeklagten Fahrer

5 Jahre nach dem Unglück auf dem Barßeler Tief legt ein Experte sein Gutachten dem Schifffahrtsgericht in Emden vor. In Teilen widerspricht es den Angaben des Angeklagten beim Prozessauftakt.

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Im August 2016 trauerten die Barßeler um die Opfer des Bootsunglücks im Barßeler Tief. Archivfoto: Passmann

Im August 2016 trauerten die Barßeler um die Opfer des Bootsunglücks im Barßeler Tief. Archivfoto: Passmann

Im Prozess um den tödlichen Bootsunfall auf dem Barßeler Tief belastet das Gutachten eines Sachverständigen in Teilen den angeklagten überlebenden Bootsfahrer. Der Experte erläuterte vor dem zuständigen Schifffahrtsgericht in Emden am Montag die Unfallschäden an den Booten und den aus seiner Sicht möglichen Unfallhergang. Demnach hält der Sachverständige es für wahrscheinlich, dass der Angeklagte mit seinem Boot schneller fuhr als erlaubt.

Der 30-Jährige hatte zum Prozessauftakt ausgesagt, nicht zu schnell gefahren zu sein. Bei dem Zusammenstoß der beiden voll besetzten Sportboote auf dem Barßeler Tief waren vor 5 Jahren bei einer nächtlichen Spritztour zwei junge Menschen ums Leben gekommen, darunter der andere Bootsfahrer. Weitere Insassen wurden verletzt.

Der Sachverständige, ein Ingenieur aus Hannover, stellte mehrere von ihm berechnete Modelle mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten vor, mit denen die Boote kollidiert sein könnten. Demnach sei es wahrscheinlich, dass ein Boot langsamer gefahren sei als das andere.

Gutachter: Aufgleiten des Bottes führte zu „Katapulteffekt“

Schäden wie Kratzer und Einstampfungen unterhalb des Bootes des Angeklagten wiesen demnach darauf hin, dass es zu einem Aufgleiten gekommen sein soll. Dabei sei das Boot des 30-Jährigen bei der Kollision über das Boot des anderen Bootsfahrers geschossen. Es habe sich dann in der Luft gedreht und sei gekentert. Dies sei wie durch einen „Katapulteffekt“ geschehen, beschrieb es des Experte.

„Das erfordert ein enorm hohes Maß an Energie, was aus langsamer Verdrängungsfahrt nicht entstehen kann.“ Die hohe Energie könne nur von einer hohen Geschwindigkeit kommen, erklärte der Experte. Mit wie vielen Stundenkilometern der Angeklagte aber unterwegs gewesen sein soll, dazu konnte der Gutachter keine genauen Angaben machen.

Gutachten kann nicht alle Umstände des Unfalls klären

Auch blieben weitere Fragen offen: Etwa konnte der genaue Unfallort, ob am Rand oder eher in der Mitte des Gewässers, nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Der Gutachter stellte zudem fest, dass zum Unfallzeitpunkt mitten in der Nacht Dunst, aber kein Nebel über dem Tief lag. Die Sichtweite habe bei Mondschein rund 40 Meter betragen. Wieso das entgegenkommende Boot das Boot des Angeklagten, das mit eingeschalteten Positionslichtern ausgestattet war, nicht rechtzeitig bemerkte, blieb ebenfalls offen.

Bereits 2019 wurde in dem Fall verhandelt. Ein Urteil erging damals aber nicht, da die Verteidigung an der Expertise des Sachverständigen zweifelte. Das Verfahren wurde neu aufgerollt. Ein zweiter Experte wurde daher beauftragt, der sein Gutachten ebenfalls am Montag vorstellen sollte. Doch wie der Vorsitzende Richter mitteilte, verhinderte eine Autopanne, dass der Gutachter aus Husum rechtzeitig nach Emden kam. Der Experte soll nun beim nächsten Verhandlungstag am kommenden Montag (6. September) gehört werden.

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