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Barßeler berichtet aus der Ukraine: Einwohner laufen bewaffnet Patrouille

Michael Kröger ist mittendrin im Ukraine-Krieg – seit 7 Jahren wohnt er in Kiew. Er bleibt dort, um das Land zu verteidigen und sagt an, im Extremfall auf den letzten Zug aufzuspringen.

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Ein Foto von der Facebook-Seite von Michael Kröger: Täglich stellt er dort neue Fotos und Videos ein. Screenshot: Kruse

Ein Foto von der Facebook-Seite von Michael Kröger: Täglich stellt er dort neue Fotos und Videos ein. Screenshot: Kruse

Der Liebe wegen ist Michael Kröger vor 7 Jahren von Barßel nach Kiew in die Ukraine gezogen. Aus Sicherheitsgründen hat er vor wenigen Tagen organisiert, dass seine Lebensgefährtin nun mit ihrem 13-jährigen Kind im Saterland lebt. Ein Freund aus Barßel ist mit einem Transporter zur ukrainischen Grenze gefahren und hat dort die beiden sowie die Frau und zwei Kinder eines Kiewer Nachbarn und Freundes von Kröger abgeholt.

Michael Kröger ist in Kiew geblieben. Er will das Land zumindest vorerst nicht verlassen, aus einem Grund: „Es geht nicht um mich. Für mich ist es wichtig, die Wahrheit zu erzählen“, sagte er am Montagvormittag in einem WhatsApp-Videogespräch. „Dieser Irre“, sagt Kröger und meint damit den russischen Präsidenten Wladimir Putin, „muss gestoppt werden.“ Die Welt müsse die Wahrheit erfahren, vor allem auch die in der EU lebenden Russen. Die seien nämlich von den russischen Medien nicht richtig informiert.

In vielen Orten ergreifen die Einwohner selber Sicherheitsmaßnahmen

Michael Kröger wirkt entspannt, als er am Montagvormittag mit der Redaktion per WhatsApp telefoniert. Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut. „Ich weiß, was ich mache“, sagt er. Die Versorgungslage sei relativ gut. Lebensmittel gebe es, wenngleich Eier und Fleisch knapp würden. Strom und Wasser fließen, das W-Lan funktioniere, es sei aber schwach.

Wie in vielen Orten im Land hätten die Einwohner selber Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Der Bezirk wird von den Männern streng überwacht. Ohne sich auszuweisen, komme niemand herein. Die Gefahr von Anschlägen sei hoch.

Alle seien bewaffnet und bereit, das „wunderschöne Land“ zu verteidigen. Waffen hätten sich viele vorher besorgt oder sie seien von den ukrainischen Behörden ausgegeben worden.

Michael Krögers Ausbildung bei der Bundeswehr hilft ihm

„Wir sind in unserem Bezirk 36 Männer, alle mit Militärerfahrung“, sagt Kröger, der selber 12 Jahre bei der Bundeswehr beschäftigt war. Er verfüge zwar nicht über Kampferfahrung, aber immerhin habe er eine militärische Ausbildung. Das sei sehr hilfreich. Die Männer laufen in Schichten rund um die Uhr Patrouille. Entfernt werden dabei auch Zeichen, die russische Sympathisanten auf Straßen oder Gebäude gemalt hätten. Diese Zeichen sollen unter anderem den russischen Soldaten als Wegweiser dienen oder sie markieren Anschlagsziele, sagt Kröger.

Mut mache den Ukrainern, dass die russische Armee hohe Verluste zu verzeichnen habe. „Täglich verlieren sie 1000 Soldaten, sie sterben durch Kampfhandlungen, werden gefangen genommen oder sie hauen einfach ab, weil sie Angst haben.“ Die meisten russischen Soldaten seien zwischen 18 und 22 Jahre alt. Sie hätten vorher gar nicht gewusst, was auf sie zukomme, berichtet Kröger. Er hat seine Informationen auch von ukrainischen Behörden. Es gebe täglich Informationen für die Einwohner.

„Aber hier stellen sich Oma und Opa mit der Mistgabel den Panzern in den Weg. Die Frage ist: Wie weit will Putin gehen? Will er 80 Millionen Menschen töten?“Michael Kröger

Wie lange will Kröger in Kiew bleiben? Noch seien die Kampfhandlungen ein ganzes Stück entfernt. Falls nötig, werde er auch zur Verteidigung zur Waffe greifen, sagt er. „Putin will das ganze Land, er will die Regierung töten und das Land entnazifizieren“, sagt Kröger. „Aber hier stellen sich Oma und Opa mit der Mistgabel den Panzern in den Weg. Die Frage ist: Wie weit will Putin gehen? Will er 80 Millionen Menschen töten?“ Es gebe ja mehrere mögliche Eskalationsstufen in diesem Krieg. „Wenn die letzte erreicht ist, springe ich auf den letzten Zug oder gehe zu Fuß Richtung Polen.“ Kröger aber bleibt zuversichtlich, dass die Invasoren nicht siegen werden.

Eine Bitte hat er: Gebt den Flüchtenden in Deutschland Wohnungen und spendet Geld, damit sie sich vor Ort etwas kaufen können. Stellt für sie Ferienwohnungen zur Verfügung. „Die Ukrainer sind ein stolzes Volk. Sie wollen nicht gerne anderen auf der Tasche liegen. Sie alle werden wieder in die Ukraine zurückkehren, sobald der Spuk hier vorbei ist.“

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