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Bahnübergang in Essen: "Das ist blöd gelaufen"

Die Pläne für den Rückbau des Bahnübergangs "Am Forst"  ziehen sich seit vielen Jahren hin. Im Ratsausschuss räumte die zuständige Bahnmitarbeiterin jetzt Fehler ein.

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Sicherheitsrisiko: Von der B 68 aus  gibt es nur eine kurze Zufahrt zum Übergang. Foto: Meyer

Sicherheitsrisiko: Von der B 68 aus  gibt es nur eine kurze Zufahrt zum Übergang. Foto: Meyer

Manches dauert einfach länger: Seit gut 15 Jahren existieren Pläne, den Bahnübergang „Am Forst“ in Essen aufzuheben. Passiert ist bisher aber nichts. Doch das soll sich demnächst ändern, wie Nadine Altmann von der Deutschen Bahn ankündigte.

Seit 2019 ist sie für das Projekt zuständig. Davor war es offenbar von einer Hand in die nächste gewechselt. Das Ergebnis: es gibt keins. Gegenüber dem Planungsausschuss der Gemeinde räumte Nadine Altmann   jetzt Fehler seitens der Bahn an. „Das ist blöd gelaufen“, gab sie stellvertretend für ihre Vorgänger zu. Und: „Es ist eines der traurigsten Projekte, die ich habe.“

Schranken müssen per Hand bedient werden

Rückblick: Mitte der Nuller-Jahre hatte sich der Gemeinderat erstmals mit dem kniffligen Bahnübergang beschäftigt. Er gilt aus zwei Gründen als Sicherheitsrisiko: Zum einen muss er ebenso wie das Stellwerk an der Bartmansholter Straße noch per Hand bedient werden. Außerdem ist die Anfahrt über die B 68 deutlich zu kurz. Bei Rückstau droht hier Gefahr. Um ihn zu entschärfen, müsse eigentlich die Bundesstraße verlegt werden, konstatierte Nadine Altmann. Weil das natürlich nicht möglich ist, möchte sie den Übergang stilllegen und den aus Richtung Felde kommenden Verkehr über einen parallel zu den Schienen verlaufenden Ersatzweg zur Straße „Großer Bruch“ umleiten.

Ganz neu ist diese Planung nicht. Die bereits vor Jahren fertig gestellten Unterlagen blieben jedoch anscheinend lange Zeit unbeachtet und tauchten laut Altmann „irgendwann“ wieder auf. Ganz allein aufbuckeln wollte sie die Schuld ihrem Unternehmen aber nicht. „Es gibt viele Schnittstellen, an denen sich solch ein Projekt in die Länge ziehen kann.“ Klar sei aber, dass es so nicht weitergehen könne. Die Sicherungsanlagen stammten aus dem Jahr 1970. Wärterbediente Bahnübergänge seien in Deutschland inzwischen ohnehin ganz selten geworden. Die Bahn würde sie am liebsten allesamt abschaffen - aber das kann dauern.

Kaum Reaktionsmöglichkeiten: Bei Tempo hundert hat ein Zug rund 1000 Meter Bremsweg. Foto: MeyerKaum Reaktionsmöglichkeiten: Bei Tempo hundert hat ein Zug rund 1000 Meter Bremsweg. Foto: Meyer

Die Ausschussmitglieder bedankten sich für die offenen Worte und sicherten der Bahn ihre Zusammenarbeit zu. „Es wird Zeit“, mahnte Bürgermeister Heiner Kreßmann. Immerhin: Die Planungen sollen noch im März beim Eisenbahnbundesamt eingereicht werden. Nadine Altmann würde die Behörde wohl als Schnittstelle bezeichnen. Wie lange sie brauchen wird, um das Vorhaben zu prüfen, sei schwer zu sagen, sagte sie. Zwischen wenigen Wochen und eineinhalb Jahren scheint alles möglich. Am Planfeststellungsverfahren wird zudem die Öffentlichkeit beteiligt. Um die Straße zu bauen,  ist  außerdem Grunderwerb nötig. Langfristig soll auch das Stellwerk an der Bartmansholter Straße elektrifiziert werden. Dort schieben Bahnmitarbeiter bislang täglich Dienst. Einen Zeitrahmen konnter Altmann aber nicht nennen.

In Niedersachsen gibt es bundesweit die zweitmeisten Bahnübergänge. Nadine Altmanns Job ist es, möglichst viele von ihnen stillzulegen - auch um das Unfallrisiko zu senken. 2018 krachte es landesweit 146-mal. Vor allem Autofahrer und Radler werden in Unfälle mit der Bahn verwickelt. In 95 Prozent der Fälle sei Unaufmerksamkeit der Grund, berichtete die Expertin. „Wenn ein Zug mit hundert Stundenkilometer unterwegs ist, benötigt er 1000 Meter Bremsweg“. Der Zugführer habe dann keine Chance, den Zusammenstoß zu verhindern.

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