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#Autoposer – Von Fremdscham und mangelnder Anerkennung

Kolumne: Irgendwas mit # – Sie röhren über den Asphalt. Besonders gerne in Straßen mit Cafés und Kneipen. Die meisten nervt's. Dabei werden die PS-Profis womöglich einfach nur falsch behandelt.

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Laut, protzig und nervtötend. So sind sie, die Autoposer. Ob geliehen, geleast oder sogar gekauft: Die aufgemotzten Benzinkutschen – meistens von Männern – lösen in mir ein gewisses Gefühl des Unbehagens aus. So eine Art Fremdscham.

Wenn die Porsche-fahrenden Paschas die Dezibelzahl ihrer röhrenden Motoren in die Höhe treiben, ist der in der Außengastronomie im Café, Imbiss oder Kneipe sitzende Gast (Corona lässt grüßen) mehr gereizt denn begeistert.

Bestes Beispiel: die Cloppenburger Bahnhofstraße. Oder seit Neuestem: die obere Lange Straße/Soestenstraße. Gleiches gilt für die Große Straße in Vechta. Tiefer gelegte Karosserie, eine Hand am Lenkrad, den linken Ellenbogen auf die Fensterablage gestützt. Der Wagen der Marke XY schleicht erst gemächlich durch die 20er- oder 30er-Zone. An die am Straßenrand sitzenden Menschen wird ein klares Signal gesendet, meistens in Form eines bösen, beziehungsweise coolen Blicks. Wenn dann der (Blei-)Fuß sanft gegen das Pedal drückt und den Drohmoment erhöht, sodass das Herz des Autos schneller schlägt, dann fühlen sie sich, die Autoposer. Dann sind sie endlich in ihrem Element.

"Das ist ein: Schau mich an, was ich unterm Allerwertesten sitzen hab. Und was du nicht hast!" (...) Bloß (...) wen beeindruckt das eigentlich?"Max Meyer

Nicht wie so ein elendiger Dacia-Fahrer, für den sein Auto womöglich kein Statussymbol ist. Nein. Das ist ein: Schau mich an, was ich unterm Allerwertesten sitzen hab. Und was du nicht hast! Bloß frage ich mich regelmäßig, wenn ich an der Großen Straße in Vechta oder an der Bahnhofstraße in Cloppenburg gehe oder gar dort sitze: Wen beeindruckt das eigentlich? Wer fährt so sehr auf den Geruch stinkenden Gummis ab, wenn der Kickdown mal wieder das Heck (viele Autoposer fahren Wagen mit Heckantrieb) in die Knie zwingt?

Irgendwie ist dieses Getue wie bei einem Kleinkind, das ein neues Spielzeug besitzt. Vielleicht sogar eins von Hotwheels oder Siku. Ich selbst hab gern damit gespielt. Keine Frage. Aber irgendwann war dann auch mal Schluss. Bei anderen scheint das endlos so weiterzugehen. Hast du was, bist du was.

Da stellt sich mir die Frage: Wenn die Autoposer nur ihresgleichen beeindrucken mit "Brumm Brumm" und "Wröäm": Passiert vielleicht auch etwas durch Missgunst? Erzürnen die PS-Profis eventuell den Otto-Normalverbaucher, der dann die Polizei kontaktiert und fordert, dass dieses Hofieren des fahrbahren Untersatzes endlich aufhört? Autoposer werden vielleicht sagen: Wenn Max Mustermann sich nur einen VW leisten kann, ist er selbst schuld. Soll er sich halt nicht aufregen. Heißt das im Umkehrschluss: Es gäbe keine Autoposer, wenn sich der gemeine Südoldenburger nicht über sie aufregen würde? Und bin ich vielleicht selbst ein solches Opfer des Systems? Vielleicht sollte ich in Zukunft den coolen Karren einfach applaudieren. Anerkennung zeigen. Schließlich winkt man Oldtimer-Fahrern auch gerne zu. Und die Motoren sind manchmal auch verdammt laut.


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