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Ausstellung gibt Menschen mit Beeinträchtigungen eine Stimme

Im Rathaus in Garrel ist die Ausstellung "Meine Stimme für Inklusion" zu sehen. Der Caritas-Verein Altenoythe will damit für mehr gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen werben.

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Fotos, die Geschichten erzählen: Andreas Wieborg (von rechts), Thomas Höffmann und Irene Block stellten mit den beiden Fotomodellen Marion und Julia die Wanderausstellung vor. Foto: Schrimper

Fotos, die Geschichten erzählen: Andreas Wieborg (von rechts), Thomas Höffmann und Irene Block stellten mit den beiden Fotomodellen Marion und Julia die Wanderausstellung vor. Foto: Schrimper

Dem Lächeln der Menschen auf den 25 großformatigen Portraitaufnahmen kann man sich nicht entziehen. Es sind Frauen und Männer, Kinder und Familien aus dem Landkreis Cloppenburg, kurz: Menschen von nebenan. Sie alle eint, dass sie den Alltag mit Beeinträchtigungen bewältigen müssen. Und sie alle haben etwas zu sagen. Darum trägt die Wanderausstellung, die ihre Konterfeis zeigt, den Titel „Meine Stimme für Inklusion“. Die Ausstellung des Caritas-Vereins Altenoythe ist bis Juni kommenden Jahres in allen Städten und Gemeinden sowie im Kreishaus des Landkreises Cloppenburg zu sehen. Bis Ende des Monats macht sie im Rathaus in Garrel Station, wo sie zu den regulären Öffnungszeiten besucht werden kann. Auftakt war im Juni in Lastrup.

Flankiert werden die Aufnahmen von Fotografin Simone Ahlers aus Wiefelstede neben den Angaben zur Person mit einem Satz, den jeder der Abgebildeten ganz individuell vervollständigt hat: „Inklusion bedeutet für mich…“. So unterschiedlich die Wünsche und Ansprüche an gelingende Inklusion auch seien, so sehr seien sie sich doch ähnlich, sagt Seelsorgerin Irene Block, die die Ausstellung initiiert hat: „Wahrgenommen werden so, wie sie sind“, das sei der große Wunsch, der alle umtreibe. „Menschen mit Beeinträchtigungen wollen keine Sonderbehandlung, sondern einfach nur dabei sein“, betonte Andreas Wieborg vom Vorstand des Caritas-Vereins.

Da angesichts der Coronapandemie auch in diesem Jahr keine öffentlichen Aktionen zum europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, am 5. Mai, stattfinden konnten, entschied sich der Verein dazu, mit der Wanderausstellung auf das Thema aufmerksam zu machen – über den Protesttag hinaus. Auch Marion aus Garrel hat sich für die Aktion ablichten lassen. „Auch ‚Nicht-Mundsprechende‘ haben etwas zu sagen“, ist die 41-Jährige überzeugt. Sie ist auf einen Sprachcomputer oder eine Buchstabentafel angewiesen, um zu kommunizieren. Dafür brauche sie relativ lange. „Die Leute warten häufig nicht auf meinen Satz und gehen weg. Das macht mich traurig.“

Höffmann: Toleranz und Gleichberechtigung sind "heißes Thema"

Es sei wichtig, Menschen mit Behinderungen „vom Rand der Gesellschaft nach vorne in die Mitte“ zu holen, betonte Garrels Bürgermeister Thomas Höffmann bei einem Pressegespräch zur Ausstellung. Er beobachte, dass viele Rathausbesucher die Portraits mit großer Neugier betrachteten. Toleranz und Gleichberechtigung seien immer noch ein „heißes Thema“, so der Rathauschef. Dazu gehöre auch das Thema Barrierefreiheit, das etwa bei dem neuen Busbahnhof in Garrel zum Tragen komme. Viele wichtige Hinweise liefere der Behindertenbeauftragte der Gemeinde, Franz Koddenberg. „Früher hat man sich keine Gedanken darüber gemacht“, so Höffmann. Und als „Verwaltungsmensch“ habe man manches nicht auf dem Schirm.

Eine Stimme zu bekommen, sei gerade in der Coronazeit für Menschen mit Behinderungen wichtig, sagte Wieborg. Sie seien „nicht wirklich gefragt“ worden, Schutzmaßnahmen bedeuteten zwar Fürsorge, hätten aber in vielen Fällen zu Einschränkungen geführt – etwa in der Mobilität. Viele Kinder seien in dieser Zeit auch in ihrer Entwicklung stehengeblieben oder hätten sich zurückentwickelt.


Fakten:

  • In Garrel ist die Ausstellung montags, dienstags, mittwochs und donnerstags von 8 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr zu sehen, freitags von 8 bis 12 Uhr.
  • Die nächsten Stationen sind: Rathaus Friesoythe (August), Rathaus Saterland (September), Rathaus Barßel/Therapiezentrum und Schwimmbad (Oktober), Rathaus Essen, Kirche und St.-Leo-Stift (November), Rathaus Lindern (Dezember).
  • Im kommenden Jahr ist die Ausstellung im Kreishaus Cloppenburg (Januar), sowie in den Rathäusern von Cappeln (Februar), Löningen (März), Bösel (April), Emstek (Mai) und Molbergen (Juni) zu sehen.

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