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Ausland fällt flach: Jana (21) findet Traumjob an Talsperre

Als Au-Pair auf die große Reise: Da kam Corona dazwischen. Jana Tietz aus Resthausen ließ sich nicht entmutigen und verlängerte ihren Freiwilligendienst. Der Lohn: Ein Berufsziel mitten im Wald.

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Berufslust statt Lockdown-Frust: Jana Tietz (20). Foto: Kreke

Berufslust statt Lockdown-Frust: Jana Tietz (20). Foto: Kreke

Ein Traum ist geplatzt, ein anderer ist wahr geworden: Statt als Au-Pair Mädchen ins Ausland zu reisen, hat Jana Tietz (20) im Bundesfreiwilligendienst des Landes ihren Traumberuf gefunden. Forstwirtin ist ihr Ziel – erst die Ausbildung, dann ein Studium. Nach fast anderthalb Jahren zwischen Wasserproben und Wolfsbüro, zwischen Wald- und Wiesenmärschen ist sich die junge Frau aus Resthausen sicher: „Ich hab‘ meine Richtung gefunden.“  

„Naturverbunden war ich eigentlich schon immer“, erzählt die Frau mit dem Fachabitur. Aber erst im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz ist Jana Tietz der Umsetzung ihrer Neigung in eine berufliche Karriere näher gekommen. Trotz ihres sperrig-spröden Namens „NLWKN“ ist die Cloppenburger Betriebsstelle ganz nah dran an der Natur.

Einsatz reicht von Küstenkanal bis Teutoburger Wald

Vom Küstenkanal bis zum Teutoburger Wald testen die Mitarbeiter Pegelstände von Flüssen und Seen, den unter Tannen gesammelten Regen und die Qualität des Grundwassers. „Das Spektrum ist einfach riesig“, sagt Tietz. Denn neben den regelmäßigen Touren mit dem „Labor-Bus“, um Proben zu nehmen, schnupperte die Resthauserin, die gern auf dem Land lebt, in die Arbeit des Wolfsbüros in Hildesheim hinein, begleitete die Ingenieure des NLWKN zur Baubesichtigung an den Hase-Deich hinter Quakenbrück und arbeitete auf eigenen Wunsch zwei Wochen im Betriebshof an der Thülsfelder Talsperre mit.

„Ich hatte zwar schon vorher Praktika gemacht“, erzählt die 20-Jährige, allerdings im Sozial- und Gesundheitssektor. Am Stausee begleitete die Resthauserin einen Forstwirt, den es in den Dienst der Wasser(bau)-Experten verschlagen hat. Sein Beispiel überzeugte die freiwillige Helferin. Ihr Enthusiasmus begeistert erfahrene Kollegen. „Mit ihr haben wir richtig Glück gehabt“, sagt Gisela Brauner, die seit fast zehn Jahren Wasserproben nimmt: „Es macht Spaß, mit ihr zusammen zu arbeiten.“

„Ich bin mir sicher geworden, wohin ich in meinem Leben will.“Jana Tietz (21) aus Resthausen

Als ihr Bundesfreiwilligenjahr endete, wollte Tietz für ein Jahr als Au-Pair-Mädchen Auslandserfahrung sammeln. „Aber Corona hat mit einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erzählt die 20-Jährige. Kurzentschlossen schlug sie der Behörde eine Verlängerung ihres Dienstes vor, „weil ich die Zeit sinnvoll nutzen wollte“.   „Das hat‘s noch nie gegeben“, sagt Gisela Brauner fast verwundert. Die Extra-Zeit hat sich offenbar für beide Seiten gelohnt. „Ich bin mir sicher geworden, wohin ich in meinem Leben will“, sagt die Resthauserin. Den Termin mit der Redaktion hat sie übrigens in Absprache mit ihren Vorgesetzten, aber eigenständig organisiert – und das absolut professionell.

"Wir hatten schon 63-jährigen 'Bufdi' hier"

Wenn ihre Zeit in der Betriebsstelle Cloppenburg abläuft, sucht die Behörde gleich drei Nachfolger(innen): Zwei Stellen im Bundesfreiwilligenjahr und eine als Freiwilliges Ökologisches Jahr sind zum 1. August dieses Jahres zu vergeben. „Das müssen nicht nur junge Leute sein“, unterstreicht Gisela Brauner: „Wir hatten auch schon einen 63-Jährigen ‚Bufdi“ hier“, erzählt die gelernte Bauzeichnerin, die vor etwa neun Jahren intern und beruflich umsattelte. Die Anforderungen an Neulinge mit „Schnupperbedarf“ sind unabhängig vom Alter.

„Man darf keine Angst vor Spinnen oder schlechtem Wetter haben“, berichtet Brauner. Und: „Und man muss sich auch mal dreckig machen mögen.“ Denn die Entnahmestellen liegen mitten im Tannenwald, an Flussufern mit sumpfigen Niederungen oder auf nassen Wiesen: Gummistiefel sind Standard. Die Helfer/innen sind zwar vor allem als Unterstützung tätig, müssen aber auch bis zu 320 Kilometer täglich selbst am Steuer der betriebseigenen Fahrzeuge verbringen, weil seit Corona die „Entnehmer“ getrennt zur Probe fahren. Testflaschen reinigen, abfüllen etikettieren und versenden ist die eine Seite, Verständnis für die Untersuchungsmethoden und Analysen die andere der „Bufdi“-Zeit.

Im Labor finden Naturwissenschaftler Top-Geräte

Im hauseigenen Labor bestimmen die Mitarbeiter/innen in Cloppenburg selbst den ph-Wert, die Leitfähigkeit und den Sauerstoffgehalt des Wassers. Auch Sedimentproben werden gesammelt. Das zentrale Labor des NLWKN in Meppen untersucht dagegen weitere Bestandteile wie Nitrat und Nitrit. „Das Labor ist top ausgestattet“, schwärmt Brauner. Von ehemaligen Freiwilligen weiß sie, dass einige eine naturwissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen haben. „Eigentlich suchen wir jemanden, der sturmfest und erdverwachsen ist und gern mit anpackt“, fast die zupackende Garrelerin ihre „Stellenbeschreibung“ zusammen. Und schaut zu Jana Tietz hinüber: Das Profil scheint zu passen...

  • Info: Zum 1. August bietet das NLWKN in seiner Cloppenburger Niederlassung zwei Stellen im Bundesfreiwilligendienst und ein Freiwilliges Ökologisches Jahr an. Interessierte können eine Mail senden unter poststelle.clp@nlwkn.niedersachsen.de und/oder anrufen: Sonja Saathoff (Tel. 04471-886117) sowie Christoph Barkhoff (Tel. 04471-886111).

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