Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Ausgrabungen an der Mühlenstraße: Zerstörte ein Brand die letzten Stallbauten?

Die Archäologen graben sich in die Geschichte Cloppenburgs: Historische Holzpfosten geben einen Hinweis auf den Beginn der Industrialisierung. Markante Spuren deuten zudem auf ein großes Feuer hin.

Artikel teilen:
Leitet die Ausgrabungen: Der Archäologe Gösta Ditmar-Trauth vom Fachbüro Denkmal3D aus Vechta. Foto: Niemeyer

Leitet die Ausgrabungen: Der Archäologe Gösta Ditmar-Trauth vom Fachbüro Denkmal3D aus Vechta. Foto: Niemeyer

Wenn es nach Gösta Ditmar-Trauth geht, ist Archäologie auch Detektivarbeit. An der Mühlenstraße in Cloppenburg hat sich der Archäologe zusammen mit seinem Team bereits etwa einen Meter tief in die Vergangenheit gegraben. Dort sind sie dem Übergang vom Acker- zum Stadtbürger auf der Spur, erklärt der Archäologe des Fachbüros Denkmal3D aus Vechta. Besonders markant ist eine dicke schwarze Schicht im Boden. Vermutlich zerstörte ein großes Feuer die Wohnstallhäuser, in denen die Anwohner der Mühlenstraße früher gelebt hatten.

Die Cloppenburger wohnten damals hinter den äußeren Mauern von Cloppenburg. Sie betrieben Ackerbau und hielten Tiere. Ditmar-Trauth spricht von "landwirtschaftlich orientierten Siedlungsbürgern". In der Erde hat sein Team Überreste von Holzpfosten aus dieser Zeit gefunden. Gut verpackt in schwarzer Folie schützen die Archäologen sie vor der Sommersonne. Die Pfosten hätten damals die Dächer der Häuser getragen, in denen die Menschen ihre Nutztiere in seitlichen Tiefställen hielten.

Im 18. Jahrhundert entstehen die ersten "Baumärkte"

Einige der Pfosten führen die Archäologen auf die Spur der Industrialisierung, die auch das Leben in Cloppenburg damals rasch veränderte. Allem Anschein nach wurden sie industriell hergestellt. Die Industrialisierung habe den Prozess der Arbeitsteilung beschleunigt, der sich zuvor über die Jahrhunderte nur langsam entwickelte. Die Dampfmaschine ermöglichte es, Baustoffe wie Holz industriell zu produzieren, sagt Ditmar-Trauth. "Im 18./19. Jahrhundert entstehen die ersten Baumärkte", so der Archäologe. Vielleicht besorgte sich auch der Cloppenburger Bauherr, der das Dach seines Hauses erneuerte, einen Pfeiler von einem Händler. Einen Hinweis darauf gäben Bruchstücke von modernem Fensterglas mit Rahmenspuren und auch Keramikstücke, die die Archäologen in der zugehörigen Schicht gefunden haben.

Genau vermessen: Der Boden dient den Archäologen als Archiv. In seinen Schichten haben die Archäologen Spuren eines großen Feuers entdeckt. Foto: NiemeyerGenau vermessen: Der Boden dient den Archäologen als Archiv. In seinen Schichten haben die Archäologen Spuren eines großen Feuers entdeckt. Foto: Niemeyer

Auf der Ausgrabungsstelle an der Mühlenstraße fallen insbesondere die vielen Findlinge auf. Die hätten früher als Punktfundamente für das hölzerne Tragewerk der Ställe gedient, sagt Ditmar-Trauth. Auffällig in den Bodenprofilen ist außerdem eine breite dunkle Schicht, die ebenfalls im 18. Jahrhundert angelegt wurde. Diese erstrecke sich vom Mühlenbach und dem Nordende der Mühlenstraße bis südlich der Soeste. Die Bewohner Cloppenburgs könnten in einer riesigen Gemeinschaftsarbeit mit Karren und Schaufeln das Bodenniveau angehoben haben, so der Archäologe. Womöglich legten sie die Flussniederung trocken.

Lehmdielenhäuser ersetzen Stallbauten

Eine ähnlich schwarze Schicht im "Bodenarchiv" markiert schließlich das abrupte Ende der Stallbauten an der Mühlenstraße. Ein Feuer hatte sie um 1800 herum offenbar zerstört. Direkt darüber haben die Archäologen Spuren von Lehmdielenhäusern entdeckt. Zwei Schichten weisen darauf hin. Mit der Zeit wuchs Cloppenburg und immer weniger Bürger betrieben noch Landwirtschaft, sagt Ditmar-Trauth. Statt in Stallbauten wohnten wohl immer mehr Bürger in Lehmdielenhäusern. Die letzten Lehmdielen wichen womöglich erst in den 1950er Jahren einem moderneren Fußboden.

Präzise gezeichnet: Archäologe Ditmar-Trauth hat die Querschnitte des Bodens auf Papier festgehalten. Foto: NiemeyerPräzise gezeichnet: Archäologe Ditmar-Trauth hat die Querschnitte des Bodens auf Papier festgehalten. Foto: Niemeyer

Ditmar-Trauth vermutet, noch weitere Entdeckungen an der Mühlenstraße zu machen. So könnten weitere Ausgrabungen historische Brunnen und Feuerstellen zu Tage bringen. Sind die Ausgrabungen abgeschlossen, sollen auf der Fläche zwei neue Wohn- und Geschäftshäuser entstehen.

Zeit für ein Update! Mit der jüngsten Überarbeitung unserer App haben wir das Nachrichten-Erlebnis auf dem Smartphone weiter verbessert und ausgebaut. Jetzt im Google-Playstore und im  Apple App-Store updaten oder downloaden.

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Ausgrabungen an der Mühlenstraße: Zerstörte ein Brand die letzten Stallbauten? - OM online