Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Aus Müller wird Schmidt: Wie sich der Name ändern lässt

Der Weg bis zu einer endgültigen Namensänderung ist allerdings lang. Eine Standesbeamtin nennt Beispiele. Außerdem besteht die Möglichkeit, seine Vornamen zu tauschen.

Artikel teilen:
Dutzende Menschen stellen im Oldenburger Münsterland jedes Jahr einen Antrag auf Namensänderung. Die Hürden sind allerdings hoch. Nur bei einer guten Begründung besteht Aussicht auf Erfolg. Foto: dpa/Naupold

Dutzende Menschen stellen im Oldenburger Münsterland jedes Jahr einen Antrag auf Namensänderung. Die Hürden sind allerdings hoch. Nur bei einer guten Begründung besteht Aussicht auf Erfolg. Foto: dpa/Naupold

Wer kennt es nicht aus dem eigenen Bekanntenkreis? Es gibt immer irgendwen, der nicht bei seinem eigentlichen Vornamen genannt werden möchte. Aber was sollte es stattdessen sein? Der Nachname oder der zweite Vorname oder ein Spitzname? Und: Soll die Änderung tatsächlich amtlich gemacht werden oder nur so gelten? Das wäre zumindest der einfachste Weg. Denn die Namensänderung ist sehr kompliziert und braucht gute Gründe. "Ich mag meinen Vornamen nicht", das zählt nicht.

Namensänderungen finden häufig bei Frauen statt

Juristisch wird zwischen den Regelungen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und der behördlichen Namensänderung unterschieden. Die Gesetze des BGB betreffen die "normalen" und täglich stattfindenden Situationen im Namensrecht. Sprich: die Namensfindung bei neugeborenen Kindern, bei Eheschließungen und Scheidungen oder bei eingetragenen Lebenspartnerschaften. Diese Fälle werden von den örtlichen Standesämtern bearbeitet. 

Marina Themann, Standesbeamtin bei der Stadt Vechta, hat mit diesen Regelungen deshalb täglich zu tun: "Das ist für uns Alltagsgeschäft, oft sind es Frauen, die bei Eheschließungen oder Scheidungen einen anderen Namen annehmen möchten."

Vornamen können getauscht werden

Themann weist zudem auf die seit 3 Jahren bestehende Möglichkeit hin, die Vornamen zu tauschen: "Die Reihenfolge der Vornamen kann beliebig geändert werden, dafür ist auch keine Begründung notwendig." Vor allem Vertreter der älteren Generation, die häufig nach ihrem zweiten Vornamen gerufen wurden, hätten bisher von der Neuregelung Gebrauch gemacht. "Zu beachten ist aber, dass diese Änderung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann – mit allen Konsequenzen", bemerkt Themann. Zeitlich lässt sich so ein Vornamen-Tausch schnell realisieren. "Das klappt sehr kurzfristig mit einem Termin bei der Stadt."

Anders sieht es hingegen bei der behördlichen Namensänderung aus, die nur in "absoluten Ausnahmefällen" möglich ist, wie Themann klarstellt. Hier sei ein längerer Prozess notwendig; unter ganz bestimmten Voraussetzungen könne am Ende der ursprüngliche Name durch einen komplett neuen Namen ersetzt werden. Zuständig sei im Oldenburger Münsterland der jeweilige Landkreis, wo auch der entsprechende Antrag gestellt werden müsse. Nur die Städte Vechta, Cloppenburg und Friesoythe übernehmen die Aufgabe der behördlichen Namensänderung aufgrund ihres Status' als "selbstständige Gemeinde" in eigener Verantwortung.

Viele Namenswünsche sind nicht realistisch

Die Nachfrage nach Namensänderungen dieser Art ist bei beiden Landkreisen etwa gleich. Während es beim Landkreis Vechta laut Kreissprecher Jochen Steinkamp durchschnittlich 15 Anträge im Jahr gebe, zählt der Landkreis Cloppenburg nach den Ausführungen von Kreissprecher Frank Beumker 10 bis 20 Anträge.

"Viele Anfragen sind nicht realisierbar, da sie den Anforderungen nicht entsprechen.“Marina Themann, Standesbeamtin bei der Stadt Vechta

Marina Themann von der Stadt Vechta berichtet außerdem, dass sie derzeit "gehäuft" Anfragen erreichen würden. Zum Anfrageaufkommen sagt Beumker: "Beim Landkreis Cloppenburg werden im Jahr 40 bis 50 Anfragen zu Namensänderungen gestellt und vom Ordnungsamt fachlich beraten." Die Differenz zwischen Anfragen und tatsächlich gestellten Anträgen beim Landkreis Cloppenburg lässt vermuten, dass längst nicht jeder, der sich mit einer Namensänderung beschäftigt, auch realistische Chancen auf Erfolg hat. Dazu passt die Einschätzung von Themann: "Viele Anfragen sind nicht realisierbar, da sie den Anforderungen nicht entsprechen.“

Hohe Hürden bei der behördlichen Namensänderung

Das liegt an den hohen Hürden, die bei der behördlichen Namensänderung gelten. "Ein Familienname darf nur geändert werden, wenn ein wichtiger Grund die Namensänderung rechtfertigt", betont Beumker. Auch Steinkamp weist darauf hin, dass "ein Nichtgefallen des Vor- oder Familiennamens (...) als Begründung grundsätzlich nicht ausreicht".

Beispiele für mögliche Gründe sind laut Themann anstößige oder lächerlich klingende Namen. "Da muss es aber zu einer wesentlichen psychologischen Beeinträchtigung kommen, die mit einem Gutachten festgestellt wird", erklärt die Standesbeamtin den langwierigen Prozess.

Namensänderung wird immer im Einzelfall geprüft

Zudem könne solch eine Namensänderung nicht aus heiterem Himmel erfolgen, wenn die Person schon 30 Jahre lang mit dem Namen gelebt habe. "Ein konkreter Anlass wäre zum Beispiel, wenn die Person in eine komplett neue Umgebung zieht, wo sie noch niemand kennt." Möglich wäre eine Namensänderung prinzipiell auch, wenn ein Paar mit einem „schrecklichem Namen“ Nachwuchs erwarte. Diese Beispiele seien laut Themann aber nicht automatisch ein Grund: "Es wird immer nur der Einzelfall geprüft und bewertet."

Wie lange der Prozess einer behördlichen Namensänderung dauert, hänge ebenfalls vom Einzelfall ab: "Das kommt auf die Schwierigkeit der Situation an", sagt Themann. Zudem sei entscheidend, wie gut die Betroffenen vorbereitet sind. Die Kosten für die Änderung würden derweil im dreistelligen Bereich liegen, zwischen 250 und 1022 Euro. "Wie viel jemand für die Änderung zahlen muss, wird anhand des Einkommens berechnet."

Landkreise raten zu Rücksprache mit dem Standesamt

Obwohl bei der behördlichen Namensänderung der Landkreis der richtige Ansprechpartner ist, raten beide Kreissprecher vorher Rücksprache mit dem örtlichen Standesamt zu halten. Zunächst sollen die Möglichkeiten für eine Namensänderung nach dem BGB ausgelotet werden, bevor mit dem Landkreis über eine behördliche Namensänderung beraten wird.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Aus Müller wird Schmidt: Wie sich der Name ändern lässt - OM online