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Aus Freude am Gesang: Männerchor entrümpelt Liederkiste

Sie heißen "Harmonie", "Eintracht" oder "Frohsinn": Männergesangvereinen haftet seit Langem etwas Altbackenes an. Dieses Image wollen die Löninger Aktiven so schnell wie möglich loswerden.

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Heiter mit Gesang (von links): Olaf Seger, Franz-Josef Stegemann und Ludger Zahn haben Spaß am Chorgesang. Foto: MGV Eintracht Löningen

Heiter mit Gesang (von links): Olaf Seger, Franz-Josef Stegemann und Ludger Zahn haben Spaß am Chorgesang. Foto: MGV Eintracht Löningen

Im Hamburger Stadtpark haben sich tausende Menschen  versammelt. Die Stimmung ist ausgelassen wie vor einem Rock-Konzert. Doch statt der "Red Hot Chilli Peppers" steht ein vielköpfiger Männerchor auf der Bühne. Die "Goldkelchen" sind Kult in der Hansestadt, auch wenn sie eines ganz sicher nicht können – nämlich singen.

Findet Olaf Seger im Internet Videos von Auftritten der schrägen Truppe, glänzen seine Augen trotzdem. Die "Goldkelchen" treffen zwar nur selten den Ton, bringen ihre modernen Gassenhauer dafür aber mit so viel Inbrunst und Leidenschaft unters Volk, dass dem Liedervater des Männergesangvereins Eintracht Löningen ganz warm ums Herz wird. Nein, natürlich könne man es den Hamburgern nicht 1:1 gleichtun, räumt Seger ein. Die Begeisterung für den Chorgesang allerdings möchte er in Zukunft viel stärker nach außen tragen, als in den vergangenen Jahren geschehen. "Singen macht Spaß, und den wollen wir künftig besser rüberbringen", betont er und seine Vorstandskollegen nicken heftig dazu.

"Abschied mit Wehmut", "Die Liedertafel schweigt", "Männergesangverein löst sich auf": Wenn in Zeitungen über Männergesangvereine berichtet wird, geht es zumeist um deren Niedergang. Das Problem, die Überalterung der Chöre, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Auch in Löningen liegt der Altersdurchschnitt jenseits der 60. Um den fast 180 Jahre alten Chor für Jüngere wieder attraktiv zu machen, will Seger, der im September den Vorsitz übernommen hatte, unter anderem das Liedgut entstauben. "Manches Stück ist bereits seit 100 Jahren im Repertoire. Natürlich wollen wir nicht alles über Bord werfen. Trotzdem brauchen wir frische Songs, die beim Publikum ankommen und zum Mitsingen einladen." 

Auch Schlager sollen ins Repertoire

Mit den „Goldkehlchen“ können es die Löninger gesanglich zwar im Schlaf aufnehmen. Dennoch müsse man die eigenen Ansprüche zumindest ein wenig herunterschrauben, sagt Seger. "Bislang singen wir vierstimmig, was uns aber häufig überfordert." Natürlich wolle er weiter an der Qualität feilen. Fast noch wichtiger sei aber, sich einen  festen Grundstock, bestehend aus 8 bis 10 Stücken zuzulegen, die der Chor jederzeit abrufen könne. Darunter dürfe  gern auch der eine oder andere Schlager sein. "Dann geht es nur noch um die Freude am Gesang und statt ins Notenbuch zu gucken, schauen wir dem Publikum direkt in die Augen". So machten es auch die Shanty-Chöre, die derzeit regen Zulauf fänden.

Neben den Proben und Auftritten treffen sich die Mitglieder auch zu geselligen Anlässen, unternehmen zum Beispiel gemeinsame Ausflüge. Das solle weiterhin so bleiben und der "Teambildung" dienen, sagt Seger. Er klingt dabei ein wenig wie der Bundestrainer. Ihre Präsenz werden die Sänger als Nächstes auf dem Löninger Weihnachtsmarkt (3./4. Dezember) zeigen. "Dort wollen wir möglichst viele Menschen zum Mitsingen animieren", kündigt der 2. Vorsitzende, Carsten Afflerbach, an.

Seger und Afflerbach leiten die Geschicke des Chors zusammen mit  Schriftführer Ludger Zahn, den Notenwarten Franz Steffen und Uwe Walter sowie Kassenführer Gregor Möller. Aus Sicht des Sextetts ist das gemeinschaftliche Singen keinesfalls aus der Mode gekommen. "Das erlebt man immer wieder, ob beim Fußball oder auf Konzerten", sagt Seger. Für ihn bemisst sich der Erfolg seines Chores vor allem am Zusammenhalt der Mitglieder. Immerhin: Während der Corona-Zeit hielten alle dem MGV die Treue. Um Neue zu gewinnen, will sich der Vorstand künftig noch einiges einfallen lassen. Eines dagegen sei aber nicht geplant: "Wir werden keine Frauen aufnehmen, sondern ein Männerchor bleiben", betont Seger. Soviel Tradition müsse dann doch sein.

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