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Aus der Welt der Zungenbrecherei

Kolumne: Batke dichtet – Im November wird der „Tag der Zungenbrecher“ begangen. Mein Einstieg in das Thema lässt sich bis in Grundschulzeiten zurückverfolgen und hat zu tun mit Fischers Fritze...

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Wenn die Stunde der Wortakrobaten schlägt: Vielleicht werden Sie am 14. November ja kurz innehalten. Oder lesen Sie nachstehenden Aufsatz ihren Lieben vor. Denn seit einiger Zeit wird am zweiten Sonntag des Novembers der „Tag der Zungenbrecher“ begangen, präziser formuliert: The International Tongue Twister Day. Niemand weiß so recht, seit wann es diesen kuriosen Feiertag gibt. Und weshalb überhaupt. Vermutlich ist er über den Großen Teich zu uns herübergeschwappt. Tatsächlich haben wir als Vertreter des geschriebenen Wortes eher selten Probleme mit der Zungenbrecherei. Hat eher mit Lautmalerei zu tun. Laut Definition handelt es sich dabei um Wortfolgen, deren Aussprache schwierig ist und selbst für Muttersprachler eine Herausforderung darstellt. Ich weiß nicht, ob es heute noch so ist, aber mein Einstieg in das Thema lässt sich bis in Grundschulzeiten zurückverfolgen und hat zu tun mit Fischers Fritze, der frische Fische fischte.

Wer sich etwas näher mit der Materie befasst, findet allerlei abstruses Zeug, häufig auch geeignet, um Nachwuchskräfte für TV und Radio zu schulen. Kleine Einstiegsdroge gefällig? „Wenn Schnecken Schnecken schlecken, merken Schnecken zu ihrem Schrecken, dass Schnecken nicht schmecken.“ Das liest sich noch relativ simpel vom Blatt. Probieren Sie es. Etwas mehr Konzentration wird Ihnen abverlangt, wenn es um dieses Konstrukt geht: „Auf den sieben Robbenklippen sitzen sieben Robbensippen, die sich in die Rippen stippen, bis sie von den Klippen kippen.“ Sinnfrei – aber es übt.

"Selbstverständlich können Sie als Meister des Wortes auch auf Plattdeutsch glänzen." Alfons Batke

Selbstverständlich können Sie als Meister des Wortes auch auf Plattdeutsch glänzen. Probieren Sie es doch mal mit dem Wetterbericht, passend zum November: „Wat'n weer weer! De wind waait den sand von'n weg weg dör de döör dör. Wat'n weer weer.“ Und wenn Sie in Ihren Nordsee-Urlaubsreport auch noch die Geschichte mit dem Schrankenwärter, dem „Isenbahnpahlupundaaldreiher“, einfließen lassen, sind Sie bei jedem Dia-Abend vorn dabei.

Bei automobilen Themen zieht der Kenner automatisch mit dem unfallfrei gesprochenen Satz „Wenn der Benz bremst, brennt das Benzbremslicht“ alle Aufmerksamkeit auf sich. Wie auch wochenlang die Nachrichtensprecher in aller Welt, die im Frühjahr 2010 den Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull verkündeten. Wir wissen nicht, wie er auf Sächsisch oder Hessisch klingt, aber nach unseren Recherchen wird der Quell des Ascheregens in reinstem Isländisch „Ai-ja-fjah-dia-jo-kudl“ ausgesprochen.

Eine Reise durch die Welt der Zungenbrecher wäre unvollendet, würde man nicht den Blick an die britische Westküste richten, genauer in eine 3040-Seelen-Gemeinde auf der walisischen Insel Anglesey. Dieser Ort hat es ins Guinness Buch der Rekorde geschafft und umfasst in voller Pracht 58 Buchstaben, also etwa drei IBAN-Nummern hintereinander. Wir belassen es hier mal bei der Abkürzung „Llanfairpwllgwyngyll“. Der Waliser an sich ist bekannt für seinen besonderen Humor, und so wundert es nicht, dass man mit dem niederländischen Dorf Ee und den französischen Ort Y eine Gemeindepartnerschaft einging. In Deutschland käme da wohl die ostfriesische Stadt mit nur einem Buchstaben in Frage – Sie wissen schon: „M“.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 65-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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