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Aus der Schwarzwaldklinik in den Fahrradsattel

Die gebürtige Löningerin Annette Burke ist fast 3 Monate lang unterwegs. Litauen hat sie bereits durchradelt, jetzt geht es in Deutschland weiter.

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Zu Besuch in der alten Heimat: Annette Burke schaute mit dem Rad in Löningen vorbei. Foto: G. Meyer

Zu Besuch in der alten Heimat: Annette Burke schaute mit dem Rad in Löningen vorbei. Foto: G. Meyer

Wenn Annette Burke sich am Samstag in den Sattel ihres E-Bikes schwingt, erfüllt sie sich selbst einen langgehegten Traum. "Ich wollte  immer einmal quer durch Deutschland radeln", sagt die 61-Jährige. In Löningen wird gestartet. Am 20. August will Burke in Freiburg ankommen, wo sie seit 34 Jahren lebt.

Mit der Deutschland-Tour geht für die gebürtige Elbergerin ein Abenteuer weiter, das bereits im Mai begann. Ihren Job bei der Rehaklink Glotterbad – TV-Zuschauern ist sie seit den 80er Jahren als "Schwarzwaldklinik" bekannt – hatte die Krankenschwester da gerade an den Nagel gehängt. Gemeinsam mit ihrem Mann reiste sie zunächst mit der Bahn nach Kiel und von dort per Fähre nach Litauen. "Wir wollten den Ostseeradweg herunterfahren. Das Ziel war Finnland, aber leider war für uns an der ersten Grenze schon Schluss", berichtet Burke. Der Grund: Lettland hatte wegen erhöhter Coronazahlen die Einreise  gestoppt. Aus der Not machten die beiden eine Tugend und radelten stattdessen 4 Wochen lang durch das baltische Land. Einer der Höhepunkte war die Kurische Nehrung. "Litauen ist einfach  wunderschön und die Menschen sind unglaublich gastfreundlich", schwärmt Burke. Übernachtet wurde meist auf Campingplätzen. Zelt und Kochgeschirr haben die Radwanderer stets dabei. 

Mit 600 Kilometern Baltikum auf ihren Tachos, bestiegen die beiden wieder die Fähre und fuhren anschließend die Schlei entlang. Die Radwege in Schleswig-Holstein seien durchweg besser als die in Niedersachsen, hat Annette Burke festgestellt. "Teilweise sind sie hier wirklich katastrophal", rügt sie. "Ganz oft haben Baumwurzeln den Asphalt angehoben. Mit Gepäck ist das Fahren sehr beschwerlich und es tut irgendwann in den Handgelenken weh." Trotzdem schafften sie und ihr Mann den Weg bis nach Elbergen, wo Annettes 88-jährige Mutter sie schon freudig erwartete. 

Für die Rückfahrt steigt Burke auf ein E-Bike um

Im 2. Teil ihrer Reise werden sich für die sportliche Frau einige Dinge ändern. Zum einen muss sie die Tour allein bewältigen, denn ihr Mann ist bereits mit der Bahn nach Hause gefahren. Außerdem steigt sie vom Trekkingrad auf ein E-Bike um. Mit der elektrischen Nachhilfe hat die überzeugte Radfahrerin lange gefremdelt. "Ich fand irgendwie, dass sich das nicht gehört". Inzwischen weiß sie die Vorzüge zu schätzen. "Ich schaffe damit locker bis zu 90 Kilometer am Tag. Das wäre mit einem normalen Fahrrad nicht möglich." 

Bevor sie ganz allein nach Freiburg hinunterradelt, wird Annette Burke gemeinsam mit ihrer Schwester noch das Ammerland erkunden. In Oldenburg trennen sich die beiden wieder. Auf dem Hunteradweg geht es für sie endgültig Richtung Süden. Die Route hat sie bereits festgelegt. "Als nächstes nehme ich den Weser-Radweg, dann fahre ich durchs Werretal über die Wasserkuppe weiter in Richtung Schwarzwald". Hetzen wird sie sich nicht. "Ich bin gern draußen und liebe das Radfahren seit meiner Kindheit. Man erlebt die Natur viel unmittelbarer, als während einer Autofahrt. Außerdem kann ich überall schnell anhalten, wenn ich unterwegs etwas entdecke." Bei der Orientierung hilft ein Radwanderführer. Burke mag es am liebsten analog. Ihre Tagesleistung teilt sie sich so ein, dass sie bis zum Abend möglichst einen Zeltplatz erreichen kann.  Klappt das nicht, sucht sie sich für die Nacht eine Pension.

Freiburgerin findet Löninger "entspannt"

Auf die Rückkehr nach Freiburg freut sich die 61-Jährige. Die Stadt sei toll, wenn auch zum Radfahren zu eng und meistens auch zu voll. In ihrer alten Heimat lässt Burke aber mindestens eine Satteltasche zurück, denn neben der Mutter leben hier noch viele alte Freunde. "Ich mag die Menschen in Löningen. Sie sind so entspannt", findet sie. Ursprünglich habe sie die Tour in umgekehrter Richtung vorgehabt. "Jetzt ist es eben so gekommen." Wieder im Breisgau will sich Burke, die vor allem mit psychosomatisch erkrankten Patienten gearbeitet hat, eine neue Stelle suchen. "Als Krankenschwester findet man ja immer was." Über die Zukunft macht sie sich erst einmal aber keine Gedanken. Noch gilt es, die Gegenwart und damit die große Freiheit im Fahrradsattel auszukosten.

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