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Aus dem Urlaub mitgenommen: Der Himmel ist weit

Kolumne: Auf ein Wort – Ich versuche, aus jedem Urlaub ein inneres Bild aufzubewahren, um es im Alltag hervorrufen zu können. Diesmal soll es der Blick aus der Ferienwohnung sein.

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Das Beste an unserer Ferienwohnung auf der nordfriesischen Insel ist das Panoramafenster. Ich stehe morgens auf und gehe als erstes ins Wohnzimmer, um diesen Blick zu genießen. Immer wieder am Tag tue ich das. Ich tauche ein in die Weite: Halligen, kleine Inseln in der Ferne, Fähren, Segelboote, Surfer, Stand-Up-Paddler – und viel viel Meer!

Urlaub, freie Zeit, der weite Horizont am Meer – dieser Blick tut gut nach der Enge des Alltags! Er weitet meinen Blick. Er weitet meine Gedanken. Er weitet mein Herz. Ich erinnere mich daran, wie ich mit einem afrikanischen Freund zusammen in Wilhelmshaven an den Strand ging. Das erste Mal in seinem Leben sah er das Meer. Er war überwältigt. Es brach aus ihm heraus: "Gott ist groß, gelobt sei Gott!"

Er spürte in diesem Moment unmittelbar die Nähe zu Gott, den er als den Schöpfer der Welt glaubt. Auch wenn ich schon oft am Meer war: Der erste Blick auf diese Weite ist jedes Mal neu beeindruckend. Er berührt mich. "Herr, deine Güte reicht, soweit der Himmel ist, und deine Treue, soweit die Wolken gehen." (Psalm 36,6). Dieser Vers kommt mir in solchen Momenten in den Sinn.


„Ich will offen sein für Gedanken und Einstellungen, die ungewohnt für mich sind“Kreispfarrerin Martina Wittkowski

Der Blick auf die Weite von Meer und Himmel bringt mich mit dem in Verbindung, der diese Weite geschaffen hat. Gott ist selbst in seinem Wesen weit. Gott hat ein weites Herz für die Menschen, die seine Geschöpfe sind. Gott hat ein weites Herz für alles, was lebt. Für die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit. Für die Schöpfung in ihrer Zerbrechlichkeit. An dieser Weite möchte ich teilhaben. Ich will offen sein für Menschen, denen ich begegne, auch wenn sie ganz anders sind und anders leben als ich. Ich will offen sein für Gedanken und Einstellungen, die ungewohnt für mich sind. Ich will offen sein für Kritik und für Veränderung.

Jetzt lande ich wieder im Alltag. Termine, Anforderungen, Sorgen, sie machen das Leben manchmal eng. Dann bin ich konzentriert auf mich selbst, auf das, was ich schaffen muss. Was für mich kompliziert, wichtig, ärgerlich ist, steht im Mittelpunkt meines Denkens und Tuns. Ich muss meine Kräfte zusammenhalten. Alles was dazukommt an Neuem, an Ungewohntem, macht Mühe. Meine Offenheit für Andere und Anderes droht verloren zu gehen. Ich versuche, aus jedem Urlaub ein inneres Bild tief in mir aufzubewahren, um es im Alltag hervorrufen zu können.

Diesmal soll es der Blick aus dem großen Fenster in unserer Ferienwohnung sein. Wenn es mal eng wird, will ich innerlich hineinschlüpfen in die Erinnerung an das Meerespanorama, um die Weite zu spüren. Die Weite des Himmels. Ich will mich hineinnehmen lassen in die Großherzigkeit Gottes für die Menschen und für die Welt.


Zur Person

  • Martina Wittkowski ist Kreispfarrerin im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland.
  • Sie erreichen die Autorin per Mail an redaktion@om-medien.de.

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