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Aus dem Leben einer Nachwuchsforscherin

Dr.in Laura Naegele koordiniert die Zusammenarbeit des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Uni Vechta. Im Interview mit OM-Online spricht sie über ihre Tätigkeit.

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Übernimmt die Leitung einer Nachwuchsforschungsgruppe: Dr.in Laura Naegele. Foto: Universität Vechta/Schmidt

Übernimmt die Leitung einer Nachwuchsforschungsgruppe: Dr.in Laura Naegele. Foto: Universität Vechta/Schmidt

Seit 2014 ist sie an der Universität Vechta tätig und arbeitet derzeit am Institut für Gerontologie, Fachbereich Altern und Arbeit von Professor Dr. Frerichs. Nun hat Dr.in Laura Naegele die Leitung einer Nachwuchsforschungsgruppe beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Kooperation mit der Uni Vechta und dem dort ansässigen Institut für Gerontologie angeboten bekommen.

Im September 2022 startet das durch das BIBB mit rund einer Million Euro geförderte Projekt im Rahmen des Programms „Berufliche Weiterbildung im Kontext von Qualifikations- und Kompetenzentwicklung“.

Im Interview spricht die 37-Jährige über das Vorhaben, Aufstiegschancen im wissenschaftlichen Betrieb und ihre persönliche Karriere.

Was waren Ihre bisherigen „Stationen“ an der Universität Vechta und was sind Ihre Forschungsschwerpunkte?
Angefangen habe ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Drittmittelprojekt zur Kompetenzentwicklung im Handwerk, in dem ich im Jahr 2019 an der Universität Vechta auch promoviert wurde. Seit meiner Promotion bin ich als Post-Doktorandin am Fachbereich für Altern und Arbeit an der Universität Vechta tätig. Darüber hinaus habe ich den Mittelbau in einer Vielzahl von Gremien – Vorstand des Graduiertenzentrums, Kommission für Gleichstellung, Institutsrat – sowie diversen Arbeitsgruppen rund um die Themen „gute Qualifizierungsbedingungen“ sowie „Gleichstellung und Diversität“ vertreten.
Ich forsche rund um die Themen Demografischer Wandel in der Arbeitswelt, Altersdiskriminierung, Altersmanagement beziehungsweise betriebliche Kompetenzentwicklung sowie zur sozialen Ungleichheit im Ruhestandsübergang. Gestartet bin ich als rein qualitative Forscherin, aber inzwischen verbinde ich gerne quantitative und qualitative Methoden, ein Zugang, der häufig unter dem Dach der sogenannten „Mixed-Methods“ zusammengefasst wird.

Welche Themen sollen in der neu eingerichteten Nachwuchsforschungsgruppe bearbeitet werden?
Die Nachwuchsgruppe bringt die zwei aktuellen Megatrends „Digitalisierung“ und „Demografischer Wandel“ beziehungsweise „Alterung“ zusammen und möchte diese im Kontext der beruflichen Kompetenzentwicklung untersuchen. Die Digitalisierung hat nicht nur Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir arbeiten – zum Beispiel durch die Corona-Pandemie verstärkt digital und vernetzt aus dem Homeoffice – sondern auch auf die Art, wie wir lernen: unter anderem über Online-Plattformen oder bei digitalen Workshops. Hier stellt sich jedoch die Frage, wie diese „schöne, neue digitale Lernwelt“ den Lern- und Kompetenzentwicklungsbedürfnissen von Älteren entspricht beziehungsweise wie die beruflichen Fort- und Weiterbildungen aussehen müssten, damit es mit dem lebenslangen Lernen bei älteren Beschäftigten funktioniert.
Darüber hinaus soll es bei der Nachwuchsgruppe auch darum gehen, negative und altersdiskriminierende Vorstellungen bezüglich digitaler Kompetenzen und des Lernvermögens Älterer in den Blick zu nehmen, um Hinweise geben zu können, wie dort vielleicht entgegengewirkt werden kann.

Wie lässt sich die Nachwuchsgruppe und die damit verbundene Leitung im wissenschaftlichen Betrieb verorten?
Eine Nachwuchsgruppenleitung ist ähnlich wie eine befristete Juniorprofessur zu sehen, mit der Besonderheit, dass diese Nachwuchsgruppe kooperativ mit dem BIBB in Bonn, der Universität Vechta sowie dem dort ansässigen Institut für Gerontologie durchgeführt wird. Das heißt, die Mitglieder der Nachwuchsgruppe werden sowohl in Bonn als auch in Vechta arbeiten und somit auch ein Bindeglied zwischen den Organisationen sein. Was eine Nachwuchsgruppe darüber hinaus so attraktiv macht, ist, dass zusätzlich zur eigenen Stelle auch Gelder für projektbezogene Forschungsvorhaben zur Verfügung stehen sowie über den Zeitraum von maximal 4,5 Jahren zwei Doktorand*innenstellen gefördert werden. Diese setzen innerhalb der Nachwuchsgruppe das Projektvorhaben um und können ihre Doktorarbeit im Rahmen des Projekts schreiben.

Was werden Ihre Aufgaben sein?
Meine Aufgaben werden unter anderem die Projektleitung, die Koordination der Kooperation mit der Universität Vechta und dem dort ansässigen Institut für Gerontologie sowie die Durchführung verschiedener Studien sein. Das Projekt sieht einen Methodenmix vor, worüber ich mich sehr freue. Neben statistischen Analysen sind auch Interviewstudien sowie partizipative Verfahren mit älteren Beschäftigten vorgesehen. Darüber hinaus wird die Nachwuchsgruppe mit verschiedenen Partner*innen aus Praxis und Wissenschaft kooperieren und die gewonnenen Erkenntnisse werden dann hoffentlich auch in die praktische Arbeit des BIBB einfließen.

Und was bedeutet die Leitung der Nachwuchsgruppe für Sie persönlich?
Mir bedeutet diese Nachwuchsgruppe sehr viel. In dieser kann ich thematisch eine Vielzahl meiner persönlichen Forschungsinteressen zusammenführen und sie gibt mir gleichzeitig die Möglichkeit, den nächsten Schritt in meiner Karriere hin zu einer entfristeten Position in der Wissenschaft zu gehen. Ich freue mich auch sehr auf die Arbeit mit den Doktorand*innen und die Möglichkeit, einen kleinen Teil zu besseren Qualifizierungsbedingungen in der Wissenschaft leisten zu können. Ich hatte diese glücklicherweise immer – hier gilt mein ausdrücklicher Dank meinem Doktorvater Professor Dr. Frerich Frerichs. Dies trifft jedoch leider nicht immer für den gesamten wissenschaftlichen Nachwuchs zu, wie die #ichbinHanna Diskussion zeigt.

Das klingt nach vielen Eigenerfahrungen. Was fiel Ihnen während Ihres beruflichen Werdegangs leicht und was war schwieriger?
Die Begeisterung für Forschung, für das wissenschaftliche Arbeiten, der Austausch mit Kolleg*innen auf nationaler und internationaler Ebene sowie der Umgang mit Studierenden – also viele Teile, die den „Beruf Wissenschaft“ ausmachen, – fielen mir immer leicht und machen auch einen großen Anteil meines eigenen Antriebs aus. Schwer dagegen fällt mir der Umgang mit den Enttäuschungen und oftmals verkrusteten Strukturen, die auch zu einer wissenschaftlichen Karriere gehören. Seien es die gefühlt unzählig abgelehnten Projektanträge, die manchmal unsichere Stellenfinanzierung, der wachsende Publikations- und Drittmitteldruck oder die immer noch existenten Machtstrukturen. Diese begünstigen einzelne Personen und Statusgruppen und lassen oftmals wenig Innovation und Veränderung zu.

Was können Sie anderen Post-Docs für deren wissenschaftliche Karriere empfehlen?
Mir haben die Vernetzung und der Austausch mit Kolleg*innen, sowohl innerhalb aber insbesondere auch außerhalb des eigenen Fachbereichs, sehr geholfen. Manchmal ist es ein Gesprächsfetzen, eine Diskussion mit Studierenden im Seminar oder beziehungsweise ein Gespräch in der Kaffeepause oder auf einer Konferenz, was zur nächsten Forschungsidee, zum nächsten Forschungspapier oder zu einem gemeinsamen Projektantrag führt. Darüber hinaus halte ich es für sinnvoll, mit der eigenen Forschung in der eigenen Community und darüber hinaus sichtbar zu sein. Ich hoffe beispielsweise, mit meiner Arbeit immer auch einen Beitrag zu besseren Beschäftigungsbedingungen für Ältere beizutragen. Dazu gehört aus meiner Sicht dann aber immer auch, die Ergebnisse meiner Forschung an die relevanten Akteur*innen im Feld zu kommunizieren.


Zur Person:

  • Seit 2019 wissenschaftliche Mitarbeiterin (Post-Doc) am Fachgebiet Altern und Arbeit am Institut für Gerontologie der Universität Vechta.
  • 2019: Promotion über das Thema: „Betriebliches Kompetenzmanagement älterer Arbeitnehmer*innen im Handwerk - Eine betriebssoziologische Analyse“.
  • Zuvor seit 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Vechta.
  • 2012 bis 2014: Projektmanagerin bei der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh.

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