Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Auf der Großen Straße mit Schmackes auf die Gegenfahrbahn

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt.  An die wilde Fahrt in der Vechtaer Innenstadt konnte sich der Angeklagte gar nicht erinnern.

Artikel teilen:

Als ich im Jugendschöffengericht die Anklage des Staatsanwaltes gegen einen 21-jährigen Vechtaer hörte, dachte ich: Endlich landet mal einer, der die Große Straße in Vechta mit erheblich zu hoher Geschwindigkeit befährt, nicht nur in der Bußgeldstelle, sondern vor Gericht. Am Ende der Sitzung fiel mir dann das "Hornberger Schießen" ein – eben jenes Ereignis, das die Redewendung "Das geht aus wie das Hornberger Schießen" hervorgebracht hat. Die Wendung wird gebraucht, wenn eine Angelegenheit mit großem Getöse angekündigt wird, aber dann nichts dabei herauskommt.

In der Anklageschrift wurde dem jungen Mann vorgeworfen, auf der Großen Straße in Vechta zwischen dem Hotel Melchers und der Pfarrbücherei absichtlich auf die Gegenspur gelenkt zu haben, sodass 2 entgegenkommende Fahrzeuge zu einer Vollbremsung und einem Ausweichmanöver gezwungen waren. Das wurde auch von den 4 Insassen der beiden Fahrzeuge (2 junge Frauen und 2 junge Männer) bestätigt. Alle 4 sagten aus, dass der Mitinsasse des schnellen Autos, der hinter dem Fahrer saß, sich mit dem Oberkörper aus dem Fenster gelehnt und mit einem Handy das Ganze gefilmt habe.

Den Mittelstreifen hat er nicht überfahren – weil es auf der Straße keinen gibt

Da der schnelle Fahrer mehrfach durch die Stadt gefahren sei, habe man das Kennzeichen ablesen können. Einer der Zeugen sagte weiter aus, dass der Angeklagte ihn vor dieser Tat schon einmal zu schnell fahrend und hupend verfolgt habe.

Der Angeklagte selbst konnte sich - so seine Aussage - überhaupt nicht an den Zwischenfall erinnern. Auf die Frage, ob er nicht bemerkt habe, dass er über den Mittelstreifen gelangt sei, konnte er wahrheitsgemäß berichten, dass es auf der Straße keinen Mittelstreifen gebe. Die 3 Mitinsassen in dem BMW des Angeklagten konnten sich ebenfalls alle nicht erinnern; auch der nicht, der die Situation mit dem Handy gefilmt haben soll. Ob die Staatsanwaltschaft gegen die 3 wegen Falschaussage ermitteln wird, glaube ich fast nicht.

Dem Angeklagten wurde außerdem vorgeworfen, in Osnabrück ohne Fahrerlaubnis gefahren zu sein. Das bestätigte der junge Mann und verwies darauf, dass er zwar Nachricht über die sofortige Einziehung seiner Fahrerlaubnis bekommen habe, den Führerschein aber wegen Corona nicht beim Landkreis habe abgeben können. Man habe einen Termin gebraucht.

Der 21-Jährige ist kein Unbekannter vor Gericht

Und da war noch ein Vorwurf: Um sich etwas Geld dazu zuzuverdienen, hatte der Angeklagte im Internet angeboten, Gruppen in die Diskos nach Cloppenburg und Wildeshausen zu fahren. Dabei habe er einige Scheine gehabt, 10 und 5 Euro. Bei der Shell-Tankstelle habe er nachts getankt und 15 Euro in die Nachtkasse getan. Der Zehner war allerdings gefälscht, wie sich herausstellte. Das habe er aber nicht gemerkt. Der Tankstellen-Angestellte aber wohl nur zu spät. Da war der schnelle Mann schon weg.

Da der Angeklagte das Jugendstrafrecht schon fast ausgeschöpft hatte - mit einem Arrest und 4 Einträgen im Straßenverkehrsregister - beantragte der Staatsanwalt eine Geldauflage von 400 Euro. Damit war der Verteidiger einverstanden. Eine "Party im Auto" sei zwar unverantwortlich, aber keine Nötigung und das mit dem Falschgeld, habe er in der Nacht auch nicht bewusst gemacht. Das Gericht blieb bei der Geldauflage von 400 Euro an die Kreisverkehrswacht. Das auf-die-Gegenfahrbahn-Kommen könne auch ein Augenblick-Versagen gewesen sei, so das Gericht.

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Auf der Großen Straße mit Schmackes auf die Gegenfahrbahn - OM online