Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Auch Goldfische unter den Toten: Dutzende Fische verenden in Pastors Gräfte

Die Tiere starben vermutlich aufgrund von Sauerstoffmangel. Der Graben um das St.-Gertrud-Pfarrhaus, der als Regenrückhaltebecken dient, soll nun im Laufe des Jahres gereinigt werden.

Artikel teilen:
Ein übelriechender Job: Mitarbeiter einer Fachfirma saugen die Fischkadaver im Auftrag des OOWV aus der Gräfte ab. Foto: Timphaus

Ein übelriechender Job: Mitarbeiter einer Fachfirma saugen die Fischkadaver im Auftrag des OOWV aus der Gräfte ab. Foto: Timphaus

Bilder von toten Fischen, die auf dem Wasser in Pastors Gräfte in Lohne treiben, haben in der vergangenen Woche in den Sozialen Netzwerken für große Aufregung gesorgt. Es war in jüngerer Zeit nicht das erste Mal, dass dieses schaurige Schauspiel zu beobachten war: Bereits vor gut einem Monat, nach Angaben des Landkreises Vechta am 17. April, waren verendete Tiere in dem Bachlauf rund um das Pfarrhaus der Pfarrei St. Gertrud entdeckt worden.

Was war der Grund für das Fischsterben? Wer ist für das Gewässer zuständig? Und wie soll künftig verhindert werden, dass sich das Geschehen wiederholt? Zu diesem Thema hat OM online bei mehreren Behörden und Institutionen nachgefragt. Denn der Fall ist komplexer, als er auf den ersten Blick erscheint.

Wie die Stadt Lohne auf Anfrage mitteilt, habe man im Rathaus – nur einen Katzensprung von Pastors Gräfte entfernt –  über den Mängelmelder mehrere Hinweise auf die toten Fische erhalten. Da man für den Bereich nicht zuständig sei, wurden die Informationen unverzüglich an die betreffenden Stellen weitergeleitet, sagt Stadtsprecher Christian Tombrägel.

Gräfte ist ein Regenrückhaltebecken

Eigentümerin des Geländes ist die katholische Kirchengemeinde. Doch wie Verwaltungsleiter Rainer Meyer erklärt, ist die Gräfte im wasserrechtlichen Sinn ein Regenrückhaltebecken. Betreiber ist damit der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV). 

OOWV-Pressesprecher Heiko Poppen konkretisiert die Aussagen Meyers: Die Gräfte sei eine "technische Anlage zur Bewirtschaftung des Oberflächenabflusses des Regenwassers". Es handle sich nicht um ein Biotop oder einen Teich, in dem Fische üblicherweise leben. Aus dem Vechtaer Kreishaus heißt es darüber hinaus, in dem Graben sammle sich das Niederschlagswasser der Lindenstraße, welches dann weiter Richtung Gertrudenstraße fließe.

Faulendes Laub lässt Sauerstoffgehalt absinken

Das Fischsterben ist vermutlich auf Sauerstoffmangel zurückzuführen. Das hat die Umfrage ergeben. Im Detail gehen die Aussagen dazu jedoch auseinander. Laut Meyer hatte der OOWV gemeinsam mit der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises beim ersten Auftreten des Fischsterbens eine Probe entnommen. Diese habe ergeben, dass das Wasser zu wenig Sauerstoff enthalte. Zu wenig Niederschlag führe wohl dazu, dass zu wenig Bewegung im Bachlauf sei, sagt Meyer. 

Der Landkreis Vechta teilt mit, dass der Wasserspiegel in dem Gewässer aufgrund seiner Funktion ohnehin sehr niedrig ist. "Hinzu kommt, dass es in der Gräfte einen starken Laubeintrag gibt und das Laub zudem zu faulen beginnt." All dies sorge dafür, dass der Sauerstoffgehalt in der Gräfte sinke. "Hierdurch kann es schließlich zu einem Fischsterben kommen."

Vom Wasserverband ist zu hören, dass bei der Überprüfung durch den Landkreis kein Hinweis auf eine Verunreinigung gefunden worden sei. OOWV-Sprecher Poppen sagt: "Wir gehen davon aus, dass es durch stärkere Temperaturschwankungen – nachts um den Gefrierpunkt, tagsüber bei direkter Sonneneinstrahlung deutlich wärmer – zu Wasserbewegungen gekommen ist, sodass der Schlamm vom Boden aufgewirbelt wurde, was zum bedauerlichen Fischsterben geführt hat."

Graben wird in den kommenden Monaten gereinigt

Fakt ist: Am vergangenen Freitag (7. Mai) hat eine Fachfirma im Auftrag des OOWV die Fischkadaver aus dem Wasser abgesaugt. Poppen sagt: "Auch wenn wir das Gewässer regelmäßig kontrollieren und das Stauziel des Regenwasserzulaufs um 6 Zentimeter erhöht haben, damit dort mehr Wasser verbleibt, ist es kein geeigneter Lebensraum für Fische, die dort zum Teil scheinbar auch ausgesetzt worden sind." Unter den verendeten Fischen hätten sich nach seinen Angaben unter anderem Goldfische befunden.

Der St.-Gertrud-Verwaltungsleiter Meyer sagt, dass Pfarrei und OOWV nun über eine gründliche Reinigung des Baches nachdenken würden. Dies sei aber nicht nur kostspielig, sondern auch problematisch, da die Gräfte zumindest in Teilen aus einer Holzkonstruktion bestehe. Ein Ausbaggern sei nicht ohne Weiteres möglich.

Seitens der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises klingen die Pläne schon deutlich konkreter: Um ein erneutes Fischsterben zu verhindern, soll nach Angaben aus dem Vechtaer Kreishaus "eine generelle Aufreinigung der Gräfte Ende Sommer/Anfang Herbst 2021 erfolgen".

Der neue Newsletter für Friesoythe. Immer am Donnerstag das Wichtigste aus der Eisenstadt in ihrem Postfach. So verpassen Sie nichts mehr.  Jetzt hier kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Auch Goldfische unter den Toten: Dutzende Fische verenden in Pastors Gräfte - OM online