Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Attacken auf Polizeibeamte und Beleidigungen

Kolumne: Recht hat, wer recht bekommt – Die Zahl der Verurteilten ist im Corona-Jahr zurückgegangen. Wie sieht die Statistik aus?

Artikel teilen:

Aus der Strafverfolgungsstatistik für das Jahr 2020 geht hervor, dass die Zahl der in Strafverfahren rechtskräftig verurteilten Personen in Niedersachsen im Corona-Jahr 2020, im Vergleich zum Vorjahr um knapp vier Prozent auf 66.497 zurückgegangen ist. Die Zahl der Freisprüche ging ebenfalls leicht zurück. Sie sank von 2.785 auf 2.531. Vor allem zu Beginn des vergangenen Jahres waren die Gerichte gezwungen – auch in Vechta – geplante Verhandlungen aufzuheben. Die durchschnittliche Dauer von Strafverfahren bei den Amtsgerichten ist im Vergleich zu 2019 nur um rund zwölf Tage gestiegen. Anstiege bei den Verurteilungen gab es in einzelnen Deliktsfeldern. Dies betrifft etwa Attacken auf Amtsträger, Beleidigungen, verbotene Kraftfahrzeugrennen oder Straftaten nach dem Pflichtversicherungsgesetz.

"Einen traditionell deutlichen Unterschied gab es zwischen den Geschlechtern: Vor den Strafgerichten in Niedersachsen wurden nach wie vor ganz überwiegend Männer verurteilt." Klaus Esslinger

Einen traditionell deutlichen Unterschied gab es zwischen den Geschlechtern: Vor den Strafgerichten in Niedersachsen wurden nach wie vor ganz überwiegend Männer verurteilt. Von den 66.497 Verurteilten im Jahr 2020 waren rund 82 Prozent Männer (54.594). Rund 79 Prozent (52.504) der 66.497 Personen wurden zu einer Geldstrafe verurteilt; rund 14 Prozent zu einer Freiheitsstrafe (9.149). Eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung wurde in 2.793 Fällen verhängt (4,2 Prozent). Der Anteil der Nichtdeutschen oder Staatenlosen unter den Verurteilten betrug 30,6 Prozent.

Bei den Straftaten gegen das Leben, konkret bei Mord und Totschlag, gab es im Jahr 2020 insgesamt 124 Verurteilungen – 25 Verurteilungen weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Verurteilungen wegen Mordes ist mit 21 gegenüber 10 Verurteilungen im Vorjahr um mehr als das Doppelte angestiegen. Allerdings gibt es mit 26 Verurteilungen wegen Totschlags im Jahr 2020 auch deutlich weniger Verurteilungen wegen dieses Tatvorwurfs als 2019 (40). Rückläufig sind die Verurteilungen aufgrund sogenannter Vermögensdelikte. Bei Diebstahl und Unterschlagung sind die Zahlen im Vergleich zu 2019 um rund zehn Prozent gesunken (von 11.351 auf 10.181), im Vergleich zu 2015 (13.327) sogar um rund 23 Prozent. Ein ganz ähnliches Bild gibt es bei Betrug und Untreue. Hier sind die Verurteilungen von 2019 zu 2020 um knapp vier Prozent gesunken (von 12.929 auf 12.432), im Vergleich zu 2015 (15.643) sogar um mehr als 20 Prozent.

Auch der Trend von rückläufigen Aburteilungen bei Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit (Körperverletzungsdelikte) hält an. Der Rückgang im Jahr 2020 (6.057) im Vergleich zu 2019 (6.588) beträgt rund acht Prozent, im Vergleich zu 2015 (7.332) um mehr als 17 Prozent und im Vergleich zu 2010 (9.598) knapp 37 Prozent.

Eine erschreckende Entwicklung lässt sich bei Attacken insbesondere auf Polizisten erkennen. Seit Mitte 2017 gibt es im Strafgesetzbuch den neuen Paragraphen (Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte). Bei den Verurteilungen ist ein deutlicher Anstieg zu beobachten; von 548 Verurteilungen in 2019 auf 669 in 2020, ein Anstieg von rund 22 Prozent. Im Vergleich zu den Verurteilungen aus 2018 (234) liegt der Zuwachs an Aburteilungen sogar bei knapp 186 Prozent.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Attacken auf Polizeibeamte und Beleidigungen - OM online