Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Arztpraxen im Kreis Vechta impfen gegen Corona

Im Landkreis Vechta läuft seit dieser Woche ein Modellversuch. Derweil schreiten die Vorbereitungen auf die Corona-Impfungen bei den Hausärzten voran.

Artikel teilen:
Schwerstkranke können jetzt dezentral geimpft werden: Dr. Stefan Krafeld setzt seinem Patienten Michael Gehrke im Beisein vom Ersten Kreisrat Hartmut Heinen (links) und Landrat Herbert Winkel (2. von links) den „Pieks“ gegen das Coronavirus. Foto: Landkreis Vechta/Steinkamp

Schwerstkranke können jetzt dezentral geimpft werden: Dr. Stefan Krafeld setzt seinem Patienten Michael Gehrke im Beisein vom Ersten Kreisrat Hartmut Heinen (links) und Landrat Herbert Winkel (2. von links) den „Pieks“ gegen das Coronavirus. Foto: Landkreis Vechta/Steinkamp

Corona-Impfungen in den Hausarztpraxen ab Mitte April - das war das Versprechen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Offiziell steht der Termin noch, auch wenn wohl nur wenige Dosen verimpft werden können. Im Landkreis Vechta sind die Hausärzte dagegen schon eingebunden: Hier läuft seit dieser Woche ein Pilotprojekt des Landkreises Vechta, vereinzelt "Hochrisikopatienten" in den Praxen zu impfen. 

Dafür stellt das Impfzentrum Vechta den 42 teilnehmenden Hausärzten in dieser Woche Astrazeneca-Impfdosen für insgesamt 462 Patienten zur Verfügung. "Die behandelnden Ärzte können die Krankengeschichte ihrer Patienten am besten bewerten und einschätzen, wer aufgrund seines Gesundheitszustandes vordringlich geimpft werden muss", erklärt Landrat Herbert Winkel (CDU) das Projekt.

Fortsetzung des Projekts ist unsicher

Stefan Krafeld, Kreisstellensprecher der Kassenärztlichen Vereinigung für den Landkreis Vechta, begrüßt das Pilotprojekt ebenfalls: "Endlich haben wir die Möglichkeit, unsere besonders gefährdeten Patienten mit einer Impfung vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen."
Ob das Projekt nach dieser Woche fortgesetzt werden kann, ist momentan noch unsicher. Denn laut einer Auskunft vom Impfzentrum Vechta an die Hausärzte erhalte das Impfzentrum momentan selbst nur sehr wenig Impfstoff vom Land Niedersachsen; dementsprechend könne in nächster Zeit kein weiterer Impfstoff für die Hausärzte zur Verfügung gestellt werden.

Ohnehin ist das Pilotprojekt laut dem Landkreis nur für "absolut dringliche Fälle" vorgesehen; die ausgewählten Personen würden von den Ärzten kontaktiert werden. Der erste Kreisrat, Hartmut Heinen, freute sich dennoch über das große Interesse der Ärzte an dem Pilotprojekt: "Letztendlich schützt eine schnelle Impfung dieser Risikogruppen nicht nur jeden Einzelnen, sondern sorgt auch dafür, dass es in diesen Riskogruppen weniger stationäre Behandlungsfälle gibt."

Hausärzte sollen ab Mitte April bundesweit impfen

Neben dem Modellversuch in Vechta sollen die Hausärzte auch bundesweit in die Impfkampagne miteinbezogen werden. "Momentan gehen wir davon aus, dass wir ab Mitte April mit Impfstoff von den Apotheken beliefert werden", sagt Krafeld. Der Impfstoff sei aber weiterhin knapp, circa 20 Impfdosen würde jede Praxis nach derzeitigem Stand pro Woche erhalten.

Michael Timphus, Ärztekammer-Kreisvorsitzender in Vechta, schätzt, dass in den Hausarztpraxen deutlich mehr geimpft werden könnte: "Möglich wären für uns aber 20 Impfungen am Tag, wenn nicht sogar mehr." Und Krafeld ergänzt: "Die Hausärzte könnten in kurzer Zeit die gesamte Bevölkerung durchimpfen, die Logistikwege wurden unter anderem durch die Grippeimpfungen schon oft durchgespielt." Wann dafür genügend Impfstoff zur Verfügung stehe, sei aber noch nicht absehbar.

Verschiedene Impfstoffe für Arztpraxen im Gespräch

Timphus geht davon aus, dass, wenn es soweit ist, die Hausarztpraxen den Impfstoff von "Astrazeneca" und "Johnson & Johnson" erhalten werden: "Das macht auch Sinn, weil diese auf Kühlschranktemperatur gekühlt werden können." Krafeld weist zudem darauf hin, dass die Impfstoffe der Hersteller "Biontech" und "Moderna" vor kurzem ebenfalls eine Freigabe für eine zeitlich begrenzte Lagerung im Kühlschrank erhalten haben: "Eventuell werden die beiden Impfstoffe dann ebenfalls bei den Hausärzten eingesetzt."

Das Aufregerthema der letzten Zeit in Sachen Impfstoff war natürlich Astrazeneca. Erst nur für unter 65-Jährige zugelassen, dann ein kurzfristiger Impfstopp wegen ungeklärten Nebenwirkungen - und jetzt wieder freigegeben. Wird sich das auf das Vertrauen der Bevölkerung in den Impfstoff auswirken? Nein, meinen Krafeld und Timphus: "Die meisten Impfwilligen können das sehr gut beurteilen und differenzieren", glaubt Timphus. Die Risiken würden bei weitem die möglichen Risiken überwiegen. Krafeld macht derweil Falschinformationen für Impfgegner verantwortlich: "Die generellen Impfgegner haben jetzt bei Astrazeneca natürlich noch mehr Bedenken."

"Die meisten Impfwilligen können das sehr gut beurteilen und differenzieren"Michael Timphus, Ärztekammer-Kreisvorsitzender Vechta, über Astrazeneca

Zur Koordinierung der Impfungen innerhalb der jeweiligen Hausarztpraxis meint Timphus, dass zunächst "natürlich" priorisiert werden müsse: "Das geht auch gar nicht anders, weil wir ja erstmal nur wenig Impfstoff haben werden." Wenn eine Impfstoff-Flasche mit insgesamt circa 11 Impfdosen angebrochen werde, habe man 6 Stunden Zeit, den Impfstoff zu verbrauchen: "Da werden wir vorher gemäß der Priorisierung die Patienten einladen, die unserer Meinung nach am gefährdetsten sind", erläutert Timphus. Für den Fall, dass am Ende eines Tages noch Impfstoff übrig sein sollte, habe man Wartelisten angelegt, berichtet Krafeld. Die Menschen auf dieser Liste könnten demnach besonders schnell in der Praxis sein.

Die beiden niedergelassenen Ärzte betonen aber auch, dass es nicht nur Impfungen in den Praxen, sondern auch in den Impfzentren braucht: "Die Impfzentren sind sinnvoll, um die stark heruntergekühlten Impfstoffe zu verimpfen und dies vor allem bei großen Berufsgruppen", meint Timphus. Dort wäre nämlich keine große Auswahl erforderlich. "Aber überall dort, wo aufgrund von Vorerkrankungen priorisiert werden muss, sollten die Hausärzte die Impfungen übernehmen", findet Krafeld.

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Arztpraxen im Kreis Vechta impfen gegen Corona - OM online