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Ärztemangel: Auch in Essen läuft die Uhr

Noch sieht die Versorgungslage gut aus. Im Rathaus laufen aber bereits Überlegungen, um den Ort für junge Mediziner attraktiv zu machen. Denn in wenigen Jahren könnte es dafür zu spät sein.

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Arzt gesucht: Auf dem Land ist die Sicherung der medizinischen Versorgung eine wichtige Zukunftsaufgabe. Foto: dpa

Arzt gesucht: Auf dem Land ist die Sicherung der medizinischen Versorgung eine wichtige Zukunftsaufgabe. Foto: dpa

Wer in Essen einen Hausarzt benötigt, muss nicht lange suchen. Gleich fünf gestandene Medizinerinnen und Mediziner behandeln täglich Patienten aus der Gemeinde und darüber hinaus. Vom allseits beklagten Ärztemängel auf dem Land ist hier noch nichts zu spüren. Und das ist auch den Essenern nicht entgangen, wie eine Umfrage im Auftrag von OM-Medien ergab.

Angerufen wurden 167 Haushalte. 139 (83,23 Prozent) erklärten, mit der ärztlichen Versorgung zufrieden zu sein. 19 (11,38 Prozent) waren es nicht. 9 gaben keine Antwort. Das Ergebnis überrascht Heiner Kreßmann nicht. Tatsächlich sei Essen bei der ärztlichen Versorgung besser aufgestellt als andere Kommunen vergleichbarer Größe, sagt der Bürgermeister. Neben den Allgemeinmedizinern praktizieren im Ort noch ein Kinderarzt und drei Zahnärzte. Vor einem Jahr eröffnete außerdem eine Hebammenpraxis. Physiotherapeuten runden das medizinische Angebot ab.

Alles paletti also? Für den Augenblick ja, bestätigt Kreßmann. Und schränkt gleich wieder ein. In zehn, vielleicht sogar schon fünf Jahren, könne das Bild anders aussehen, sofern jetzt nicht die richtigen Weichen gestellt würden.

Junge Ärzte arbeiten gern im Team

Denn die niedergelassenen Ärzte in Essen haben zwar größtenteils reichlich Berufserfahrung vorzuweisen. "Youngster" sind viele von ihnen allerdings nicht mehr. Einige haben bereits das Rentenalter erreicht. Einen Praxis-Nachfolger zu finden, ist jedoch  schwierig geworden, weiß Heiner Kreßmann. Immerhin: Mit Sebastian Brandenburg ist ein Internist inzwischen in die Fußstapfen seiner Eltern getreten. Das ändert jedoch wenig daran, dass sich angehende Mediziner nur selten für den klassischen Landarztjob erwärmen. Neue Lösungen müssen also her.  Verwaltung und Politik im Rathaus haben sich des Problems  angenommen. 

Zwei Hauptbedürfnisse hat Heiner Kreßmann inzwischen ausgemacht. Zum einen haben die jungen Doktoren auf ein Dasein als „Einzelkämpfer“ kaum noch Lust. "Die Tendenz ist eindeutig, Ärzte wollen heute im Team arbeiten." Denn am Ende soll nicht nur die Kasse, sondern auch die sogenannte "Work-Life-Balance" stimmen. Außerdem sind mittlerweile mehr als die Hälfte der Studierenden Frauen. Und die möchten später Familie und Beruf miteinander vereinbaren können. 

Für Essen sieht Kreßmann dadurch Chancen. Er möchte beim medizinischen Nachwuchs mit dem umfangreichen Betreuungsangebot punkten, das die Gemeinde in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Hinzu komme die gute Erreichbarkeit, auch durch die Bahn. Ärzte, die partout in Oldenburg oder Osnabrück wohnen möchten, könnten morgens bequem zur Arbeit anreisen. "Unser Bahnhof ist ein Riesenstandortvorteil", betont Kreßmann. Der Teamgedanke lässt sich nach seiner Ansicht am besten mit einem Gesundheitszentrum umsetzen, in dem dann auch Fachpraxen untergebracht werden könnten.

Deal: Studium gegen Landarztpraxis

Die Regierungsfraktionen  haben Anfang November  einen Gesetzesentwurf in den Landtag eingebracht. Er sieht 60 Medizin-Studienplätze pro Jahr vor. Je 20 davon sollen in Hannover, Göttingen und Oldenburg entstehen. Der Deal: Wer einen bekommt, muss sich verpflichten, anschließend mindestens zehn Jahre auf dem Land zu praktizieren.

Detlef Kolde findet das gut. Essens SPD-Fraktionsvorsitzender spricht sich aber zugleich dafür aus, den medizinischen Nachwuchs schon im Studium stärker zu unterstützen und sich später auch bei der Einrichtung der Praxen finanziell zu beteiligen. "Wir müssen uns frühzeitig  bemühen. Der Bürgermeister ist aber am Ball", lobt er.

Hilfe bei der Ansiedlung von  Medizinern leistet auch der Landkreis Cloppenburg. Mit Dirk Gehrmann leitet ein Essener die Stabsstelle Wirtschaft. Sie verteilt inzwischen Fördermittel auch an Ärztinnen und Ärzte, die sich im Kreis niederlassen wollen. "Wir betrachten sie als Unternehmer wie andere auch", sagt Gehrmann. Das Netzwerk  "Gesundheitsregion Landkreis Cloppenburg" gibt ebenfalls Hilfestellung. Mit Erfolg, bestätigt Gehrmann. "Wir konnten auf diese Weise schon einige Neugründungen unterstützen."

Gehrmann sitzt für die CDU im Gemeinderat. Die Fraktion beschäftige sich schon seit einiger Zeit mit dem Thema, sagt er. Die Lokalpolitiker denken dabei auch an eine stärkere Zusammenarbeit mit dem St.-Leo-Stift. Bis aus den Überlegungen etwas Konkretes wird, dürften aber noch viele Gespräche geführt werden müssen.

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