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Archäologen präsentieren die Vergangenheit Visbeks

Der 10. Tag der Archäologie des Heimatvereins hat die Gemeinde Visbek in den Blickpunkt genommen. Dabei wurde auch von Moorleichen und zuvor unentdeckten Hügelgräbern berichtet.

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Der 10. Tag der Archäologie des Heimatvereins hat die Gemeinde Visbek in den Blickpunkt genommen. Dabei wurde auch von Moorleichen und zuvor unentdeckten Hügelgräbern berichtet. 

Freuten sich über die vielen Zuhörer: (v. links) Lucile Volk (Denkmal 3D), Michael Wesemann (NLD), Amandine Colson (Denkmal 3D), Andreas Hummel (TLDA), Dr. Marion Heumüller (NLD), Dr. Christopher Otto (Denkmal 3D), Manfred Gelhaus (Heimatverein), Gerbert Schmedes (Heimatverein) und Antonius Mönnig (stellv. Bürgermeister) beim 10. Tag der Archäologie des Heimatvereins Visbek. Foto: ThomesFreuten sich über die vielen Zuhörer: (v. links) Lucile Volk (Denkmal 3D), Michael Wesemann (NLD), Amandine Colson (Denkmal 3D), Andreas Hummel (TLDA), Dr. Marion Heumüller (NLD), Dr. Christopher Otto (Denkmal 3D), Manfred Gelhaus (Heimatverein), Gerbert Schmedes (Heimatverein) und Antonius Mönnig (stellv. Bürgermeister) beim 10. Tag der Archäologie des Heimatvereins Visbek. Foto: Thomes

Hügelgräber, prähistorische Geländewege und menschliche Überreste: Der 10. Tag der Archäologie des Heimatvereins Visbek hatte für die Zuhörer vieles zu bieten. Nicht nur das archäologische Fachwissen konnte bei der Veranstaltung aufgefrischt werden, auch die eigene Heimat wurde den Gästen nähergebracht. Schließlich konnten sie sich erstmals Ausgrabungsobjekte aus dem beheimateten Gemeindegebiet öffentlich anschauen und zugleich von den Erkenntnissen der Wissenschaftler lernen.

Insgesamt drei der vier Vorträge haben dabei gezeigt, wie das vergangene Leben in der Region Visbeks vor vielen Jahrhunderten, teilweise auch Jahrtausenden, ausgesehen haben muss. Den Anfang machten dabei die Archäologen Lucile Volk und Dr. Christopher Otto von Denkmal3D. Sie berichteten von Ausgrabungen am Poggenkamp und an der Heidestraße aus den vergangenen 2 Jahren. Die besonderen Fundstücke hier: Keramikscherben und ein teilweise handgefertigtes Gefäß aus der vorrömischen Eisenzeit, das vermutlich zur Aufbewahrung genutzt wurde, sowie fragile Bronzestücke, die vermutlich als Ring getragen wurden. Genau sagen ließe sich das aber erst nach weiteren Forschungen, so die Referenten.

Anschließend erklärte Dr. Marion Heumüller vom niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) den Geschichtsbegeisterten die besondere Konservierungsfähigkeit der Moorflächen, die auch bei den Funden der mehr als 2000 Jahre alten Bohlenwege im Aschener-Heeder Moor eine wichtige Rolle spielte. Organische Stoffe werden in den nassen Moorgebieten nämlich deutlich besser erhalten. Im Wettlauf gegen den Torfabbau und der damit zunehmenden Austrocknung der Moore konnte die Untersuchung einer Strecke im Naturpark Dümmer gerade noch rechtzeitig durchgeführt werden.

Historisches Fundstück aus der späten Bronzezeit (1000 v. Christus): Bei einer Ausgrabung in Rechterfeld wurde diese Urne gefunden. Sie ist mit Fingernagelabdrücken verziert und enthielt Knochen einer erwachsenen Person. Foto: ThomesHistorisches Fundstück aus der späten Bronzezeit (1000 v. Christus): Bei einer Ausgrabung in Rechterfeld wurde diese Urne gefunden. Sie ist mit Fingernagelabdrücken verziert und enthielt Knochen einer erwachsenen Person. Foto: Thomes

Der dritte Vortrag drehte sich um eine Ausgrabungsstelle in Rechterfeld. Amine Colson von Denkmal3D zeigte anhand zweier Urnenfunde die Vorgehensweise der Archäologen und Restauratoren. Dabei wird ein ganzer Ausgrabungsblock vorsichtig aus dem Boden gehoben, zunächst in Frischhaltefolie und danach in Gips gewickelt. Auch die anschließende Untersuchung sei eine Geduldsprobe, da die Forscher Zentimeter für Zentimeter der Sandschichten entfernen, um so zum Beispiel die Anordnung der Knochen innerhalb der Urne nachstellen zu können. So seien Erkenntnisse zu den Ausgrabungsobjekten besser einzuordnen, wie beispielsweise bei den Funden der Urnen, die zu einer erwachsenen Person im Alter von 20 bis 40 Jahren sowie zu einem Kind im Alter von 7 bis 12 Jahren gehören.

Abschließend stellte Michael Wesemann vom NLD die Methodik der sogenannten Digitalen Geländemodelle vor. Dabei werden durch Computerprogramme Abbildungen der Erdoberfläche in hoher Auflösung erstellt, die wiederum Erkenntnisse für die historische Entwicklung der Landschaften liefern. So lassen sich in Visbek viele Hügelgräber, Furten und daraus sogar prähistorische Wege nachstellen.

Am Ende der Veranstaltung hatten die Heimatfreunde an diesem Nachmittag nicht nur viel Neues über die Region kennengelernt, sondern wurden auch von den Archäologen für ihr Interesse gelobt: Jene bedankten sich für das besondere Engagement des Heimatvereins und der damit verbundenen Heimatliebe der Visbeker.

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