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Apotheken bereiten sich auf das E-Rezept vor

Ab dem Jahr 2022 gibt es kein rosafarbenes Papierrezept mehr. Vier Apotheker aus dem Kreis Vechta sprachen mit der Abgeordneten Silvia Breher über die Neuerung.

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Ab dem Jahr 2022 hat das rosafarbene Papierrezept ausgedient. Dann gibt es die Medikamentenverordnung nur noch in elektronischer form. Foto: pixelio / Reckmann

Ab dem Jahr 2022 hat das rosafarbene Papierrezept ausgedient. Dann gibt es die Medikamentenverordnung nur noch in elektronischer form. Foto: pixelio / Reckmann

Die Bundespolitik will das gesamte Gesundheitswesen digitalisieren. Ab dem Jahr 2021 können alle gesetzlich Versicherten eine elektronische Patientenakte (ePA) ihrer Krankenkassen erhalten. Die gesetzliche Grundlage dafür ist das Terminservice- und Versorgungsgesetz. Laut Bundesgesundheitsministeriums soll die Digitalisierung unter anderem dabei helfen, die Abläufe im Gesundheitssektor effektiver und letztlich kostengünstiger zu gestalten. Die zentrale Erfassung der Gesundheitsdaten des Patienten soll bei dessen Behandlung helfen, etwa bei Notfällen oder bei der Medikation.

Online-Konferenz dauert eine Stunde lang

Im Jahr 2022 ist auch die flächendeckende Einführung des elektronischen Rezeptes (E-Rezept) geplant. Das neue Rezept war jetzt Gegenstand eines Gespräches, das vier heimische Apotheker mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Silvia Breher führten. Aufgrund der Corona-Lage hatten sich Johannes Berding (Turm-Apotheke, Langförden), Nils Brümmer (Markt Apotheke, Goldenstedt) und Merle Looschen (Franziskus Apotheke, Lohne), Annette Knaak (Jacobus-Apotheke, Lutten) und Breher zur Online-Konferenz versammelt und sprachen rund eine Stunde lang über die Situation der Ortsapotheken.

Knapp 19.000 Apotheken in Deutschland haben in diesem Jahr begonnen, sich an die bundeseinheitliche Telematik-Infrastruktur (TI) anzuschließen. Über die Verbindung mit einem sicheren Datennetz können die Apotheken auf Wunsch der Patienten bereits den elektronischen Medikationsplan auf der Gesundheitskarte aktualisieren. Ab 2021 können sie zudem arzneimittelbezogene Informationen in der elektronischen Patientenakte hinterlegen, ab 2022 auch flächendeckend die neuen, elektronischen Rezepte empfangen und bearbeiten. Dann wird auch das rosa Papierrezept in Deutschland abgelöst.

Apotheker fordern hohen Datenschutz-Standard

Am 18. September hat der Bundesrat dem Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG) zugestimmt, das die Rahmenbedingungen für das neue E-Rezept abbildet. Durch die Ablösung des Papierformulars ändert sich lediglich das Medium für den Patienten. Der bekannte Ablauf ändert sich ab 2022 kaum. Vom Arzt wird das Rezept ausgestellt und hochgeladen, der Patient bekommt entweder sofort einen Zugangscode oder kann es sich später per Login herunterladen. Mit dem entsprechenden Programm (App) kann das Rezept in die Apotheke der Wahl gesendet werden. Die Übermittlung des Rezeptes kann auch von zu Hause erfolgen, gerade in den aktuellen Corona-Zeiten ein Vorteil. Ein Patient muss also nicht mehr zwingend in der Apotheke vorstellig werden. Das Medikament wird dann ausgeliefert.

In der Anwendung der digitalen Form des Rezeptes bedürfe es eines hohen Datenschutzes, darauf wiesen Knaak und Looschen ausdrücklich hin. Ohne die Genehmigung durch den Patienten dürften dessen Daten nicht auslesbar und damit verwertbar sein. Patientendaten seien wertvoll für kommerzielle Unternehmen, deshalb müsse es eine einheitliche Patienten-App geben, die äußerst sicher sei und höchsten Schutzstandards genüge, meinten die beiden Apothekerinnen.

Das jetzt eine einheitliche App für das E-Rezept entwickelt wird, ist ganz im Sinne von Merle Looschen, Apothekerin in Lohne. Die Ortsapotheker hätten im Fall einer für den Patienten unübersichtlichen App-Landschaft Wettbewerbsnachteile befürchtet. Foto: Privat Das jetzt eine einheitliche App für das E-Rezept entwickelt wird, ist ganz im Sinne von Merle Looschen, Apothekerin in Lohne. Die Ortsapotheker hätten im Fall einer für den Patienten unübersichtlichen App-Landschaft Wettbewerbsnachteile befürchtet. Foto: Privat 

Eine wichtige Regelung im Patientendaten-Schutzgesetz ist für die Betreiber der örtlichen Apotheken das sogenannte Makelverbot. Damit werde die Zuweisung von elektronischen Verordnungen durch Ärzte oder Krankenkassen an bestimmte Apotheken ebenso untersagt wie der Handel von Rezepten durch nicht unmittelbar an der Versorgung beteiligter Dritter, was die vier Apotheker ausdrücklich begrüßten.

In der technischen Absicherung des E-Rezepts spiele die App, über die das E-Rezept eingelöst wird, eine große Rolle. Ursprünglich war es vonseiten der Politik nicht geplant, ein einheitliches Programm für die Übermittlung der Rezepte anzubieten. Verschiedene Anbieter sollten solche Programme entwerfen können. Aktuell hat das Bundesgesundheitsministerium aber nun doch einen Auftrag an die Firma Gematik vergeben, eine allgemeingültige Hauptversion einer App, die über Handys, Tablets und PC genutzt werden kann, zu entwickeln. Die einheitliche App halten die vier Ortsapotheker für sinnvoll, allein deshalb "weil sich kaum ein Patient vor Empfang seines ersten E-Rezepts Gedanken darüber machen wird, welche App er nutzen möchte, und im Zweifel adhoc eine Entscheidung treffen muss", ohne sich über Vor- und Nachteile des jeweiligen Programms informieren zu können, meinte Merle Looschen.

Auch das Apotheken-Stärkungsgesetz kommt

Die einheitliche App würde auch die Bedenken der Ortsapotheker zerstreuen, dass über jeweils eigene Programme Absprachen zwischen Krankenkassen und Versandapotheken zulasten der örtlichen Apotheken möglich würden. Die vermehrte gelenkte Abgabe von E-Rezepten hätte zur Folge, dass viele Präsenzapotheken schließen müssten, mahnten die Apotheker aus dem Kreis Vechta. Das E-Rezept dürfe über die App auf dem Handy des Patienten außerdem kein Spielball von Werbung werden.

Breher sieht die Apotheken vor Ort zur Sicherung der Versorgung der Bürger als unverzichtbar an. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf das Vor-Ort-Apotheken-Stärkungs-Gesetz (VOASG). Der Entwurf des Gesetzes wurde am 11. September in erster Lesung im Bundestag beraten. Dieses sei ein wichtiger Schritt zur Erhaltung der flächendeckenden Arzneimittelversorgung, da die verschreibungspflichtigen Medikamente in allen Apotheken das gleiche Geld kosten. Damit würden Preisschlachten und die wohnortabhängige Benachteiligung von Patienten vermieden. Im Gesetz wird die Bindung an feste Preise für Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherungen wiederhergestellt, nachdem der Europäische Gerichtshof im Jahr 2016 entschieden hatte, dass die Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel aus den EU-Ländern aufgehoben wird.

Das Stärkungsgesetz betrachten die vier Ortsapotheker als einen wichtigen Schritt für eine, auch in der Zukunft sichere lokale Arzneimittelversorgung in Deutschland.

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