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Apollonia und Heinrich

Kolumne: Notizen vom Nachbarn – Die Zweitnamen sorgen in unserer Familie immer für Erheiterung. Ein Brief des Gesundheitsministeriums sorgte jetzt mal wieder für Verwirrung.

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Da flatterte mir hochoffiziell ein Schreiben von Jens Spahn ins Haus, vom Bundesgesundheitsministerium. Antonius Schröer darf sich FFP2-Masken aus der Apotheke holen. Na klar, lieber Herr Spahn, dachte ich, der Brief ist natürlich fehlgeleitet, gilt sicher meinem 89-jährigen Vater mit gleichem Namen und der steht jetzt schutzlos da. Großzügig überreichte ich Opa den Umschlag "Deine Masken, so alt bin ich noch nicht". "Ick hebb all ‘nen Maskenbreiw", klärt er mich auf, "disse Breiw is woll för di". Meine Gehirnzellen arbeiteten, ich sah bereits Handstock und Rollator in mein Leben einziehen. Herr Spahn meint also, ich gehöre zur schützenswerten Gruppe, da ich in diesem Jahr 60 Jahre alt werde. Für den Apotheker kein Problem, er händigte mir, ohne nach meinem Ausweis zu fragen, die Masken aus.

Dabei muss doch jeder Rotzlöffel, der einen Buddel Schluck auf die Supermarktkasse legt, seinen Ausweis rauskramen. Ich gehe also problemlos für 60 durch – ohne Zweifel. Für meine Söhne war der Maskenbrief ein gefundenes Fressen, sie amüsierten sich mal wieder köstlich. "Wirst eben immer mehr wie Opa", piksten sie in die offene Wunde, "siehst ja auch bald schon genauso aus."

Dabei verschonte mich wahrscheinlich nur der Zufall, dass ich nicht auch einen Senioren-Infobrief zur Impfung bekommen habe. In Niedersachsen verantwortete ja die Deutsche Post das Auffinden der 500.000 Seniorenadressen der über 80-Jährigen.

"Opa und ich heißen gleich, Antonius Heinrich ist eben Familientradition."Antonius Schröer

Und um die fehlenden Zahlen aufzufüllen, suchte man nach alten Vornamen. Antonius und besonders mein Zweitname Heinrich hätten da allerdings längst greifen müssen. Opa und ich heißen gleich, Antonius Heinrich ist eben Familientradition. Wahrscheinlich hatte mein Vater zwei Einladungen bekommen und meine landete in der Papiertonne.

So groß nach vorne gestellt habe ich meinen Zweitnamen Heinrich allerdings nie. "Heini" wäre ja schnell daraus geworden und das klingt erst jetzt mit grauen Schläfen irgendwie cool. Die Zweitnamen sorgen in unserer Familie immer für Erheiterung. So trägt meine rüstige Tante mit 93 Jahren den Zweitnamen Apollonia. Dass es nicht ihr erster Name wurde, ist dem energischen Einschreiten der allmächtigen Puppentante (heute neumodisch Hebamme) zu verdanken. Lucie wurde an erste Stelle gesetzt. In lustiger Runde kramen wir gerne aber doch die Heilige Apollonia raus, schützt als Patronin auch irgendwie bei Zahnweh. In der Weltpolitik glänzt ja so mancher mit seinem Zweitnamen.

Der neue US-Präsident rühmt sich des Namens Joe Robinette Biden. Robinette ist der Mädchenname der Großmutter und steht für französische Freiheitskämpfer – das ehrt. Wer von Ihnen hat auch einen spannenden zweiten Namen? Mein "Heini" ist zwar nicht weltberühmt, hilft aber vielleicht beim Impftermin und klingt auf jeden Fall richtig gut nach Südoldenburg.


Zur Person:

  • Der Autor Antonius Schröer führt mehrere Modehäuser.
  • Der 59-Jährige verkörpert das Vechtaer Original „Straßenfeger“ im Karneval. Kontakt: info@ov-online.de

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