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Antirassismus-Workshop für die 8. und 9. Klassen an der Realschule St. Ludgeri

Die Veranstaltung wird durch die "Schwarzen Schafe" aus Hannover durchgeführt. 4 Stunden dauert der Kurs. Er ist als Impuls gedacht, den die Schule anschließend vertiefen kann.

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Zaina Filah setzt auf einen gemeinsamen Austausch und Praxisbeispiele. Foto: Heinzel

Zaina Filah setzt auf einen gemeinsamen Austausch und Praxisbeispiele. Foto: Heinzel

Mina Bahlmann, Tim Anneken und Henrike Eickhorst-Lindemann gehen in die 9b der St.-Ludgeri-Realschule in Löningen. Die drei haben am Mittwoch an einem Antirassismus-Workshop teilgenommen. In dieser Woche sind es die drei 9. Klassen und in der nächsten Woche die drei 8. Klassen, die an dem vierstündigen Kurs von Zaina Filah teilnehmen. Die Trainerin gehört zu den "Schwarzen Schafen" aus Hannover, einem Träger für rassismuskritische Bildungsarbeit und Empowerment. In Löningen kümmert sie sich pro Tag um eine Schulklasse – und zwar ohne die Anwesenheit von Lehrpersonal, um den Schülern einen möglichst neutralen Raum zu ermöglichen.

"Ich halte keinen Vortrag, sondern tausche mich mit den Teilnehmern aus."Zaina Filah, Trainerin des Antirassismus-Workshops

Schulsozialarbeiterin Tanja Schmitz hatte recherchiert und die "Schwarzen Schafe" empfohlen bekommen. Laut Zaina Filah seien sie aktuell die größte Anlaufstelle für diese Art von Workshops in Norddeutschland, aber im Prinzip bundesweit unterwegs. Über das Programm ihres Seminars sagt sie: „Ich halte keinen Vortrag, sondern tausche mich mit den Teilnehmern aus.“ Entsprechend flexibel muss sie sein, um auf deren Bedürfnisse eingehen zu können. Neben dem mündlichen Austausch setzt Filah auf praktische Übungen und Fallbeispiele.

Sie spannt in Sachen Rassismus einen großen Bogen, der bei Diskriminierung beginnt. Eine Problematik, mit der sich viele Schüler identifizieren könnten, da sie sie selbst bereits einmal erlebt hätten. Anschließend geht Zaina Filah auf den geschichtlichen Kontext ein. Sie erzählt, Rassismus sei strukturell in der Gesellschaft verankert und letztlich seien wir alle Rassisten. Daher gehe es darum, sich diese Tatsache bewusst zu machen und sich und seine Handlungsweisen regelmäßig zu hinterfragen. Am Ende der 4 Stunden steht das Thema Zivilcourage. Aber: Das Ganze sei ein Prozess, der durch die Schule fortgeführt werden müsse.

Schulsozialarbeiterin Tanja Schmitz wird daher in den einzelnen Klassen in den kommenden Wochen noch einmal in einer Doppelstunde auf den derzeit durchgeführten Workshop eingehen und eine Nachbesprechung durchführen. Henrike, Mina und Tim haben für sich bereits erste Erkenntnisse gewonnen. Mina will stärker auf versteckte Rassismen im Sprachgebrauch (Die Frage „Wo kommst Du her?“) achten. Henrike würde gerne mehr zum geschichtlichen Kontext, also etwa über den Kolonialismus, erfahren und Tim achtet stärker auf strukturelle Rassismen. Er verdeutlicht dies an dem alten Kinderspiel „Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann?“. Der 14-Jährige meint, das Fangspiel müsste eigentlich "Wer hat Angst vor dem weißen Mann?" heißen.

"Haltung muss gelebt werden."Christiane Dehmel, Leiterin St.-Ludgeri-Realschule Löningen

Der stellvertretende Schulleiter Sebastian Macke greift die Gedanken der Schüler auf und denkt über eine Projektwoche zum Thema Kolonialismus nach. Die Realschule St. Ludgeri sei seit 2017 eine Courageschule beziehungsweise eine „Schule ohne Rassismus“. Über 3700 Schulen gehören deutschlandweit zu diesem Netzwerk, Schulleiterin Christiane Dehmel ist überzeugt: „Haltung muss gelebt werden.“ Genau das geschehe an ihrer Schule. Es sei eine Haltung, die man einnehme und die Stereotypen hinterfragt. „Dazu gehören aber auch Angebote, die diese Haltung fördern.“

Finanziert wurden die 6 Tage des Workshops durch Mittel des Projekts „Startklar in die Zukunft“ des Landes Niedersachsen und den Förderverein der Realschule, erklärt Dehmel. Aus dem regulären Schulbudget heraus sei so etwas nicht möglich.

Haltung muss gelebt werden (von links): Sebastian Macke, Tim Anneken, Mina Bahlmann, Henrike Eickhorst-Lindemann und Christiane Dehmel.   Foto: HeinzelHaltung muss gelebt werden (von links): Sebastian Macke, Tim Anneken, Mina Bahlmann, Henrike Eickhorst-Lindemann und Christiane Dehmel.   Foto: Heinzel

Henrike, Mina und Tim fanden den Workshop "gut und sinnvoll". Sie schlagen sogar vor, ihn öfter durchzuführen und zwar auch mit jüngeren Schülern – etwa den 5. und 6. Klassen. In dem Alter nehme man das Ganze schneller auf. „Ich kann das nur unterstützen“, sagt Christiane Dehmel. Als Schule habe man nicht nur einen Bildungs-, sondern auch einen Erziehungsauftrag. Es gehe um die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler. Diese sollten die St.-Ludgeri-Realschule mit einer klaren Haltung verlassen und ins Leben starten.

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