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Anne Dirksen spricht über "Resilienz im ländlichen Raum"

Auf Einladung der Ländlichen Erwachsenenbildung reist die Referentin nach Lüsche. Patentrezepte für den Krisenfall habe sie nicht, sagt Dirksen. Tipps gibt es trotzdem.

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Anne Dirksen. Foto: Heinzel

Anne Dirksen. Foto: Heinzel

Bob, der Baumeister, Barack Obama und ein Stehaufmännchen stehen für das Thema dieses Abends im Gasthaus Evers in Lüsche: „Wir schaffen das!“

Die Arbeitsgemeinschaft (AG) für die Landkreise Vechta und Cloppenburg der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) in Niedersachsen hatte eingeladen. Es sollte um Ängste, Krisen und Herausforderungen gehen. Als Referentin trug Anne Dirksen von der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen zum Thema „Resilienz im ländlichen Raum“ vor. 

Resilienz? Das meint hier Widerstandsfähigkeit. AG-Vorsitzender Martin Roberg verwies in seinen Einführungsworten auf Corona, Ukrainekrieg, Inflation und den Klimawandel. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt.“ Dies alles mache Angst.

Alarmsignale erkennen lernen

„Erwarten Sie keine Patentrezepte“, sagte die Referentin indes gleich zu Beginn der Veranstaltung. Sicher, Krisen seien stets auch Chancen; so wie "Mist auch Dünger ist". Aber zunächst einmal sei wichtig, schon vor einem akuten Notfall Alarmsignale zu erkennen und sich rechtzeitig Hilfe zu suchen. Wobei Anne Dirksen selbst so eine Hilfe ist. Die LWK-Fachbereichsleiterin (Familie und Betrieb, Landfrauenarbeit, Sozioökonomie) betreut nämlich ein Sorgentelefon, gedacht vor allem für Landwirtinnen und Landwirte in Not.

Wie die Stimmung in der Branche ist? Nicht gut, so Dirksen. Viel Wut und viel Traurigkeit seien spürbar. Die Gründe seien politische und gesellschaftliche Erwartungshaltungen, Fachkräftemangel, Liquiditätsprobleme und familiäre Konflikte. „Wir hatten noch nie so viel Mediationsanfragen.“ Wobei es per se kein Problem sei, wenn Alte und Junge auf einem Hof nicht die gleiche Meinung haben. "Entscheidend ist, wie man damit umgeht.“

Voller Saal im Gasthaus Evers: Anne Dirksens Vortrag fanden viele interessant. Foto: HeinzelVoller Saal im Gasthaus Evers: Anne Dirksens Vortrag fanden viele interessant. Foto: Heinzel

Traurigkeit und erste Symptome einer Depression lassen sich auch in Zahlen messen. Laut einer Studie der Landwirtschaftlichen Alterskasse zum Gesundheitszustand ihrer Versicherten zeigten 86 Prozent der Befragten Symptome einer Depression. Im Schnitt der Gesamtbevölkerung seien es 21 Prozent, erklärte Dirksen.

„Hamsterräder sehen von innen aus wie Karriereleitern.“Anne Dirksen

Aber was sind Hinweise auf Krisen? Im persönlichen Bereich nannte Anne Dirksen geringes Selbstwertgefühl, mangelndes Vertrauen in andere Menschen, Hilflosigkeit, Lethargie, Resignation, ein Rückzug aus dem sozialen Umfeld. Die Folgen seien Sprachlosigkeit, Resignation, Konflikte sowie Burnout oder Depressionen.

Manche stürzten sich auch in die Arbeit. Das sei gefährlich: „Hamsterräder sehen von innen aus wie Karriereleitern“. Die aktuelle Lage werde zudem durch die Situation in den Dörfern verschärft. Es gebe weniger Nachbarschaftskontakte, Vereine sorgten sich um ihre Mitgliedszahlen und Kneipen, Bankfilialen sowie Dorfläden würden geschlossen.


Die Bausteine der Resilienz:

Wichtig im Umgang mit Krisen sei zunächst die Kommunikation innerhalb der Familie und eines Netzwerkes. Es gehe darum, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen, bei Bedarf rechtzeitig Hilfe zu suchen und sein persönliches Gleichgewicht zu finden. Resilienz könne in Krisen helfen. Resilienz basiere auf folgenden Bausteinen:

  • Akzeptanz im Sinne von Gefühle wie Wut zulassen, aber Probleme ansprechen und die Situation annehmen.
  • Lösungsorientierung: Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen und entscheiden, wie man selbst mit der Situation umgehen will.
  • Optimismus: Krisen gehen vorbeigehen; das Leben ist nicht nur schlecht.
  • Selbtswirksamkeit: Selbst agieren und sich auf eigene Stärken besinnen.
  • Verantwortung übernehmen, denn „irgendwas geht immer!“
  • Netzwerkorientierung: Beziehungen und das soziale Miteinander sollten gepflegt werden, Hobbys außerhalb des Berufes dienen der Kraftschöpfung.
  • Zukunftsplanung über das System SMART. Das bedeutet: Spezifisch, Machbar, Akzeptiert, Realistisch und Terminiert.

Der Abend sei ein Erfolg gewesen und bilde damit den Auftakt für weitere Veranstaltungen, sagte Martin Roberg. Themen und Termine sollten zeitnah geklärt werden

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