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Angeklagter hatte mehr Glück als Verstand

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Ein 28-Jähriger aus Dinklage gerät in eine Polizeikontrolle. Die Beamten finden dabei diverse Betäubungsmittel. Doch der Angeklagte hatte nun Glück.

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Wegen Verdachts des Erwerbs, der Einfuhr und des Handelstreibens mit Betäubungsmittel hatte sich ein 28-jähriger Dinklager vor dem Schöffengericht des Amtsgerichtes Vechta zu verantworten. Die Anklage warf dem Mann vor, im April 2019 jeweils um die 30 Gramm Marihuana und Amphetamine aus den Niederlanden eingeführt zu haben, um diese teilweise selbst zu verbrauchen und im Übrigen verkaufen zu wollen. Bei einer Polizeikontrolle wurden ferner betäubungsmittelhaltige Tabletten bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung der Familie in Dinklage gefunden und dazu noch eine Haschischplatte mit einem Gewicht von 81 Gramm. Das war zusammengenommen ja nicht gerade wenig.

Der Angeklagte räumte die Taten ein, was sollte er auch machen. Die Polizei hatte ja alles gefunden, auch noch ein Messer in der Hosentasche – und das hätte sich besonders stark auf die Strafe auswirken können. Wer als Händler von Drogen in nicht geringer Menge eine Waffe - dazu zählen auch bestimmte Messer - bei sich führt, kann zu einer Freiheitsstrafe von mindestens 5 Jahren verurteilt werden. Der Angeklagte war zuvor schon einmal bei einer Kontrolle mit einem Springmesser erwischt worden, aber war das "Mitführen von Drogen in nicht geringer Menge" der Fall? Darum ging es nun auch. Da die Haschischplatte wirkungslosen Stoff enthielt, was der Angeklagte aber nicht wusste, war das aber wohl nicht der Fall: Glück gehabt.

"Die Polizei fand aber auch eine ,Feinwaage'."Klaus Esslinger

Der Angeklagte erzählte, dass er als Beifahrer mit einem Kumpel auf der Autobahn 1 von einer Spielothek in Damme zu einer anderen Spielothek unterwegs gewesen sei. Im Bereich Bakum habe es eine Großkontrolle der Polizei gegeben und dort habe man bei ihm die ganzen Betäubungsmittel gefunden. Auf die Frage eines Polizeibeamten, ob er den Stoff aus den Niederlanden geholt habe, habe er mit Ja geantwortet. Das sei aber nicht richtig gewesen, er habe das mit den Niederlanden nur gesagt, weil er den wirklichen Verkäufer der Betäubungsmittel nicht habe nennen wollen. Offensichtlich hatte die Verteidigerin den Angeklagten gut beraten, denn die Einführung von Betäubungsmitteln wird härter bestraft. Wieder: Glück gehabt!

Die Polizei fand aber auch eine "Feinwaage". Die braucht man, um Betäubungsmittel, wobei es in der Regel nur um wenige Gramm geht, abwiegen zu können. Und die Polizei fand 200 Euro Bargeld. Um seine Drogensucht finanzieren zu können, da er keine Arbeit habe und er seinen Konsum finanzieren müsse, habe er auch teilweise was verkauft, bestätigte der Angeklagte.

Der Staatsanwalt fasste das Ganze zusammen: "Sie sind in ihrem Leben falsch abgebogen. Als Drogenhändler zweimal hintereinander mit einem Messer in der Tasche kontrolliert zu werden, ist ein Unding. Da es sich bei den Betäubungsmitteln um eine geringe Menge handelt, haben sie erneut Glück gehabt."

Der Anklagevertreter forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und 9 Monaten. Die Verteidigerin hielt ein Jahr und 6 Monate für ausreichend und forderte eine Bewährung, um dem Angeklagten die Chance zu geben, eine Therapie zu machen. Er nehme schon keine Drogen mehr und habe eine Chance verdient. Eine Strafe ohne Bewährung sei für den Angeklagten im Gefängnis ein "Supergau".

Das Gericht folgte dem Staatsanwalt mit der Höhe der Strafe von einem Jahr und 9 Monaten und auch der Verteidigerin mit der Forderung nach einer Bewährung. Im Urteil wurde dem Angeklagten aber aufgegeben, die Drogenfreiheit nachzuweisen, eine Therapie zu absolvieren und nicht wieder mit einem Messer in der Tasche aufzufallen. Wieder: Glück gehabt!


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über info@ov-online.de.

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