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Angeklagter: Da gehe ich auf keinen Fall wieder hin

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Ein alkoholisierter Wiederholungstäter weiß sich nicht von einer "Freundin" fernzuhalten. Nachdem sie das Besuchsverbot reaktiviert, hat er das Ganze satt.

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Das war auf dem Flur vor dem großen Gerichtssaal des Amtsgerichtes ein Wiedersehen: "Willst Du wieder was über mich schreiben?", fragte mich der 60-Jährige aus den Nordkreis Vechta und machte deutlich, dass wir uns in den letzten Jahrzehnten häufiger gesehen hatten und ich auch gleich wusste, worum es in der Verhandlung gehen sollte. Von seinen 29 Vorstrafen hatte ich schon etliche Urteile mitbekommen. Meistens, um nicht zu sagen immer, ging es um Straftaten in alkoholisiertem Zustand, unter 2,5 Promille hatte ich bei dem Mann noch nicht gehört, obwohl er sich mit mir immer freundlich unterhielt, auch nach der Verhandlung, um die es aktuell ging. 

Am 18. März war der Angeklagte angeblich gegen Mittag bei seiner "Freundin" im Nordkreis Vechta aufgetaucht, man bekam Streit, er schlug die Bekannte, Nachbarn riefen die Polizei, die nahm den Mann mit und brachte ihn in seine ein paar Kilometer entfernte Wohnung. Sie wies den Angeklagten darauf hin, dass er ein Verbot vom Gericht habe, die Dame aufzusuchen, was der Mann aber nicht verstand: "Die hat mich doch eingeladen, dass ich kommen soll.“ Es dauerte nicht lange, die Polizei hatte sich entfernt, da fuhr der "Eingeladene" wieder zu der Bekannten, die machte angesichts des "ersten Besuches" aber nicht die Tür auf. Der Besucher wusste sich zu helfen, er ging ums Haus, fand einen Hammer und schlug damit die Scheibe der Waschküche ein. Das hörten und sahen wieder die Nachbarn, riefen wieder die Polizei, die kam und nahm den Mann mit auf die Wache. Um die Mittagszeit lag der Blutalkoholgehalt bei 2,69 Promille, durchaus eine übliche Alkoholisierung.

"Als der Strafrichter die Zeugin daran erinnerte, dass sie bei einer ähnlichen Verhandlung gesagt habe, sie wolle den Angeklagten heiraten, meinte sie, das habe sich inzwischen erledigt."Klaus Esslinger

Die 69-jährige Bekannte war diesmal in ihrer Aussage sparsam. Ja, der sei da gewesen. Ob sie verletzt worden sei, daran könne sie sich nicht erinnern. Als der Strafrichter die Zeugin daran erinnerte, dass sie bei einer ähnlichen Verhandlung gesagt habe, sie wolle den Angeklagten heiraten, meinte sie, das habe sich inzwischen erledigt. Zur Sprache kam auch, dass die Zeugin vor Monaten erreicht hatte, dass das Verbot des Hausbesuches rückgängig gemacht worden war, dann aber wieder durch die nicht angenehmen Besuche wieder in Kraft gesetzt worden sei.

In der Verhandlung wurde dann auch wieder deutlich, dass der Angeklagte ruhig und besonnen, aber dann auch wieder aufbrausend werden konnte, worin der Richter dann auch die Ursache des nicht immer "glücklichen Verhältnisses“ des Angeklagten mit der Bekannten sah. Rein rechtlich war die Sachlage ziemlich klar, die Zeugin konnte oder wollte die Körperverletzung nicht bestätigen, die Sachbeschädigung bei dem Einschlagen der Fensterscheibe war klar. Es ging eigentlich nur noch darum, wie die ganze Sache zu lösen sei. Schließlich erklärte der Angeklagte mit Nachhilfe seiner Verteidigerin: "Da gehe ich nie wieder hin, auf keinen Fall“.

Der Strafrichter urteilte als 30. Vorstrafe eine Freiheitsstrafe von 3 Monaten und 1 Woche. Das kam der Verteidigerin gerade recht. Sie werde Berufung einlegen und vor der Berufungsverhandlung könne man ja sehen und hören, ob er nie wieder dahingegangen sei, dann sei sogar eine Bewährung möglich. Nach der Verhandlung traf ich vor dem Gericht einen Bekannten und unterhielt mich ihm. Der Angeklagte kam auf mich zu und erklärte nochmal: "Da gehe ich nie wieder hin“. Werde wohl nochmal darüber zu berichten haben.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor erhalten Sie per E-Mail an redaktion@om-medien.de.

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