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Angehende Erzieher müssen nicht ohne Lohn arbeiten

Die Berufsbildenden Schulen Marienhain in Vechta ermöglichen eine berufsbegleitende Ausbildung. Das Teilzeitmodell könnte sich auch auf andere Berufe übertragen lassen.

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Das Konzept für das neue Teilzeitmodell steht: Fachbereichsleiterin Andrea Lorentz wirbt für die berufsbegleitende Ausbildung für Erzieher. Das Angebot soll eine bessere Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Qualifizierung ermöglichen. Foto: Heuer

Das Konzept für das neue Teilzeitmodell steht: Fachbereichsleiterin Andrea Lorentz wirbt für die berufsbegleitende Ausbildung für Erzieher. Das Angebot soll eine bessere Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Qualifizierung ermöglichen. Foto: Heuer

Die Kindertagesstätten in Deutschland vereint ein Problem: Es besteht ein gravierender Mangel an Fachkräften, um die Kinder angemessen zu betreuen. Zur Deckung des Bedarfs braucht es zusätzliches Personal. Daran führt vielerorts kein Weg vorbei. Hilfreich bei der Nachwuchsgewinnung könnte ein neues Angebot der Berufsbildenden Schulen Marienhain in Vechta sein. Hier startet im kommenden Sommer eine berufsbegleitende Ausbildung für Erzieher.

Ausbildung startet zum neuen Schuljahr

Die Berufsbildenden Schulen Marienhain registrieren einen Wandel auf dem Ausbildungsmarkt. So ist das Interesse an berufsbegleitenden Möglichkeiten im Bereich Sozialpädagogik in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. In diesem Kontext steht auch die Einführung des Teilzeitmodells zum Schuljahr 2022/2023. „Wir wollen damit eine bessere Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Qualifizierung erreichen“, erklärt die zuständige Fachbereichsleiterin Andrea Lorentz.

Im Vergleich zur Vollzeit-Ausbildung müssen die angehenden Erzieher drei statt zwei Jahre einplanen. Während dieser Zeit genießen sie aber wirtschaftliche Vorteile. „Man ist kein unbezahlter Praktikant“, erklärt Lorentz. Die Teilnehmer würden einen Vertrag mit dem Einrichtungsträger abschließen und einen Verdienst erhalten. Durch die Beschäftigung hätten sie dann auch schon einen Fuß in der Tür zu einem potenziellen Arbeitgeber.

Bei dem Konzept greift die Fachschule auf ihre jüngsten Erfahrungen aus der Ausbildung von sozialpädagogischen Assistenten zurück. Hier ist der erste tätigkeitsbegleitende Jahrgang bereits im Sommer 2020 an den Start gegangen und steht nun, nach anderthalb Jahren, kurz vor dem Abschluss. Nach Angaben der Fachbereichsleiterin würden Auszubildende und Einrichtungen die Verzahnung von Theorie und Praxis schätzen.

Unter den Schülern in diesem Ausbildungsgang befinden sich etliche Quereinsteiger. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Berufszweigen und hatten mit dem sozialpädagogischen Bereich vorher häufig kaum etwas zu tun. Diese Mischung muss keineswegs ein Nachteil sein, wie Lorentz berichtet: „Unsere Erfahrung zeigt, dass eine größere Altersspanne und Berufserfahrung in den Lerngruppen den Unterricht bereichern.“

"Das Angebot ist vergleichbar mit anderen dualen Ausbildungsformaten.“Andrea Lorentz, Fachbereichsleiterin an den Berufsbildenden Schulen Marienhain in Vechta

Das Konzept wird nun in Richtung Erzieherausbildung weitergedacht. Hier bestehen klare Zugangsvoraussetzungen. Bewerben können sich staatlich geprüfte sozialpädagogische Assistenten sowie Absolventen des Beruflichen Gymnasiums, Schwerpunkt Sozialpädagogik, mit einer fachbezogenen Praxiszeit von 600 Stunden. Auch pädagogische Fachkräfte, die schon länger im Berufsleben stehen, können diesen Weg einschlagen.

„Das Angebot ist vergleichbar mit anderen dualen Ausbildungsformaten“, erläutert Lorentz. Der Theorieunterricht findet an zwei Tagen pro Woche in der Schule statt. An den übrigen drei Tagen werden die vorgeschriebenen 600 Praxisstunden in einer sozialpädagogischen Einrichtung absolviert, davon 180 Stunden mit einem anderen Tätigkeitsschwerpunkt, sodass auch ein vorübergehender Arbeitsplatzwechsel erforderlich ist.

Mehr Flexibilität bei der Stellenbesetzung nötig

Seitens der Arbeitgeber bedarf es bei diesem Modell sicher mehr Flexibilität bei der Stellenbesetzung. Sie müssen sich darauf einstellen, dass ein Praktikant nicht die ganze Woche für die Arbeit am Kind zur Verfügung steht. Das macht nach Auffassung der Berufsschulvertreterin ein Umdenken bei Einrichtungsträgern und -leitungen erforderlich, werde aber nicht zuletzt mit Blick auf den Fachkräftemangel und das neue Kindertagesstättengesetz unausweichlich sein.

Lorentz geht davon aus, dass solche Teilzeitmodelle auch in anderen Berufszweigen buchstäblich Schule machen. Die Fachschulen Heilpädagogik befinden sich längst auf diesem Weg. Hier können Schüler in der Woche die fachpraktischen Stunden für die Ausbildung absolvieren und an Abenden beziehungsweise Wochenenden die Schule besuchen. Auch für junge Eltern bietet sich eine gute Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ausbildung.

An Perspektiven für die fertig ausgebildeten Fachkräfte dürfte es nicht mangeln. Bei den Berufsbildenden Schulen Marienhain klopfen die Arbeitgeber mit ihren Stellenangeboten fast täglich an, um Mitarbeiter für die Kinderbetreuung zu akquirieren. Lorentz: „Der Bedarf ist richtig groß, auch weil es immer mehr Einsatzmöglichkeiten für Erzieher gibt. Die Schüler haben heute den Luxus auszuwählen.“

  • Info: Auskünfte zur berufsbegleitenden Erzieherausbildung gibt es unter Telefon 04441/93510 und per E-Mail unter a.lorentz@marienhain-schule.de. Weitere Informationen sind unter www.bbs-marienhain.de abrufbar.

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