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An Schottergärten scheiden sich in Lohne weiter die Geister

Baurechtlich sind die "Gärten des Grauens" ohnehin nicht erlaubt. Doch sollte die Stadt die Anlegung über den Bebauungsplan explizit verbieten? Eine Umfrage.

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Ein fraglicher Trend: Immer mehr Hausbesitzer auch in Lohne setzen auf Schottergärten, die vermeintlich pflegeleicht sind, aber keinen Mehrwert für die Natur bieten. Foto: Timphaus

Ein fraglicher Trend: Immer mehr Hausbesitzer auch in Lohne setzen auf Schottergärten, die vermeintlich pflegeleicht sind, aber keinen Mehrwert für die Natur bieten. Foto: Timphaus

Steine und Geröll statt Blumen, Sträucher und Bäume: Immer häufiger setzen Hausbesitzer auf Schottergärten. Die Natur bleibt dabei auf der Strecke. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die Lohner Politik mit den "Gärten des Grauens" beschäftigt. Mit den Stimmen der CDU-Mehrheitsfraktion wurde ein Verbot abgelehnt. Die Diskussionen darüber sind jedoch nicht verstummt.

In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses informierte Bauamtsleiter Ralf Blömer auf Anfrage der SPD-Fraktion über ein Gespräch aller Bauamtsleiter des Landkreises zu diesem Thema, welches im November des vergangenen Jahres stattfand. Konkrete Maßnahmen seien nicht vereinbart worden. Blömer berichtete weiter über ein Schreiben des niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz an alle unteren Bauaufsichtsbehörden aus dem Dezember 2019.

"Steinflächen sind nur in geringem Maße zulässig"

Darin heißt es unter anderem, dass nicht überbaute Flächen von Baugrundstücken Grünflächen sein müssen, soweit sie nicht für eine andere zulässige Nutzung erforderlich sind. "An solchen Flächen besteht auch ein öffentliches Interesse, da sie für Pflanzen und Insekten einen wertvollen Lebensraum darstellen", zitierte Blömer.

Steine statt Grün: Baurechtlich sind Schottergärten verboten. Darauf hat das Land Niedersachsen erst kürzlich die unteren Bauaufsichtsbehörden nochmals hingewiesen. Foto: TimphausSteine statt Grün: Baurechtlich sind Schottergärten verboten. Darauf hat das Land Niedersachsen erst kürzlich die unteren Bauaufsichtsbehörden nochmals hingewiesen. Foto: Timphaus

Auf den Arealen müsse die Vegetation überwiegen, Steinflächen seien nur in geringem Maße zulässig. Unerheblich ist, ob mit oder ohne Unterfolie geschottert wird – "es sind keine Grünflächen im Sinne des Bauordnungsrechtes, soweit auch hier die Vegetation nicht überwiegt". Für die Überprüfung ist die untere Bauaufsichtsbehörde zuständig. Weiter heißt es, bei Rechtsverstößen könne eine Begrünung abverlangt und bei Zuwiderhandlung ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden.

Die Redaktion hatte die Stadtverwaltung und die politischen Vertreter nun noch einmal um ein Statement gebeten, ob in Bebauungsplänen die Gartengestaltung vorgeschrieben sein sollte. Nur die Ratsgruppe Lohner – Die Linke reagierte nicht auf die Anfrage.

Das sagt die Stadt Lohne:

Stadtsprecher Christian Tombrägel teilt mit, dass in den aktuell geplanten allgemeinen Wohngebieten maximal 60 Prozent des Baugrundstücks versiegelt werden dürfe. Das bedeutet: 40 Prozent sind mit Garten, Rasen oder Teichanlagen anzulegen. Einen Schottergarten könne man aufgrund der Folien, die als Unterbau verwendet werden, als „versiegelte Fläche“ einstufen. "Die Prüfung der versiegelten Flächen obliegt dem Bauordnungsamt des Landkreises", sagt Tombrägel. In den Bebauungsplänen könnten auch Anpflanzungen in verschiedenen Varianten festgesetzt werden - als flächige Festsetzung, Einzelbäume und auch Maßnahmen, die dem Naturhaushalt zugutekommen.

Die Stadt setzt auf Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit. So wurde nach der politischen Diskussion im vergangenen Jahr ein Info-Flyer zur naturnahen Gestaltung von Vorgärten aufgelegt. Dieser diene auch als Handreichung für Neu-Bauherrn. In diesem Zusammenhang habe die Stadt auch Tütchen mit insektenfreundlichen Samenmischungen verteilt, unter anderem bei der Gewerbeschau 2019. 

Das sagen die Christdemokraten:

CDU-Fraktionsvorsitzender Norbert Hinzke sagt, seine Partei wolle in Lohne weiterhin nicht mit Verboten agieren, da sie "letztlich auch einen erheblichen Eingriff in das Eigentumsrecht darstellen". Die Christdemokraten setzten stattdessen auf die Information der Bürger und den Hinweis auf bestehende Bauvorschriften. 

In Absprache mit der Bauverwaltung will die CDU laut Hinzke weitere Anreize setzen, um Steingärten zu verhindern oder zum Rückbau zu motivieren. Dies könnte – wie bereits geschehen – über die Auflage von Informationsbroschüren (Print und digital) oder das Angebot einer kostenfreien Gartenberatung mit Gestaltungstipps erfolgen. 

Das sagen die Sozialdemokraten:

SPD-Fraktionsvorsitzender Eckhard Knospe teilt mit, seine Partei stehe im Grundsatz für den größtmöglichen Gestaltungsfreiraum für Bauwillige, Grundstücksinhaber und -nutzer. Ein Verbot von Stein- und Schottergärten erachte die SPD deshalb als falschen Weg, sagt der 66-Jährige. Das Bewusstsein der Menschen hinsichtlich Natur- und Umweltschutz habe sich geändert. Außerdem gebe es in den Bebauungsplänen bereits konkrete Festsetzungen unter anderem zur Flächenversiegelung, die nur eingehalten werden müssten.

Knospe nennt aber zwei Probleme: Welcher Bauherr liest die Festsetzungen? Und wer kontrolliert die Einhaltung? Die SPD schlägt vor, dass das Anlegen von Stein- und Schotterflächen gesondert in den Bebauungsplänen aufgenommen und auf ein "verträgliches Maß" begrenzt werde. Die Gartengestaltung müsse im Bauantrag konkret dargestellt werden. Häuslebauer, Grundstückseigentümer und -nutzer müssten aufgeklärt und durch Anreize - möglicherweise auch finanzieller Gestalt - zum Rückbau animiert werden.

Das sagen die Grünen:

Grünen-Fraktionsvorsitzender Walter Mennewisch teilt mit, er habe sich in den vergangenen Wochen verschiedene Bebauungspläne angesehen. Dabei habe er mit Erschrecken festgestellt, dass kaum Vorgaben zur Gartengestaltung gemacht würden. Weisungen wie die Pflanzung von ein bis zwei Bäumen aus einer vorgegebenen Liste würden in vielen Fällen nicht eingehalten. "Man findet kaum noch einheimische Gehölzer und Sträucher, die unsere Insekten und Vogelwelt zum Überleben brauchen." Mennewisch kritisiert überdies, dass Gärten oft parkähnlich und mit insektenfeindlichen Rasenflächen angelegt würden.

Die Grünen fordern, dass die Stadt über Festlegungen in den Bebauungsplänen Einfluss auf die Gartengestaltung nimmt. "Bei solchen Forderungen hört man gelegentlich, dieses wäre ein Eingriff in die Privatsphäre. Bauwillige erwarten von der Gemeinschaft, dass ihnen Bauplätze zur Verfügung gestellt werden. Aber wie sie die Umwelt gestalten sollen, sei ihre persönliche Sache. Nein, die Umwelt gehört allen – und darum müssen enge Regeln für die Gartenplanung in die Bebauungspläne festgeschrieben werden", sagt Mennewisch.

Für ihn wäre es durchaus denkbar, dass Bauherrn über den einzureichenden Bauplan hinaus auch einen Gartenpflanzplan abgeben müssten. "Der Landkreis als Kontrollbehörde muss hier endlich tätig werden und nicht nur Bauten, sondern auch die dort angelegten Gärten auf Konformität prüfen und gegebenenfalls Bußgelder aussprechen", sagt Mennewisch. "So geht es nicht weiter."

Der Grünen-Ratsherr kritisiert überdies die Schotterränder an den Straßen, zum Beispiel im Lerchental. Er fordert, dass die Stadt die Straßenränder künftig mit Gitterrandsteinen versieht, damit sich die Natur wieder bis zur Fahrbahn ansiedeln kann. "Eine riesige Fläche wird hier der Natur vorenthalten, pflanzen- und insektenfeindliche Wüsten sind entstanden."

Das sagt Holger Teuteberg (AfD):

Teuteberg verweist unter anderem auf die Zerstörung riesiger Regenwaldflächen in Südamerika im Sekundentakt hin, vor deren Hintergrund es "ein wenig lächerlich" anmute, wenn über eine Reglementierung von Vorgärten nachgedacht werde. "Natürlich ist es unerlässlich, auch im Kleinen anzufangen, aber den Bürgern vorzuschreiben, wie sie ihren Vorgarten zu gestalten haben, mutet doch sehr hilflos an."

In Lohne sei man bereit, einen "intakten und einzigartigen Baumbestand für einen Parkplatz zu opfern". Teuteberg bezieht sich auf die geplante Verlagerung des Famila-Marktes auf eine Teilfläche der früheren Hofstelle Küstermeyer. Die Stadt verfüge über große Grünflächen, welche als Rasen gestaltet sind und regelmäßig gemäht werden - da blühe nichts, ereifert sich der AfD-Ratsherr. "Also, lasst den Bürgern ihre freie Entscheidung."

Das sagt Dr. Lutz Neubauer (parteilos):

Neubauer kritisiert die Bigotterie vieler Menschen. Rechtliche Reglementierungen würden eingehalten, wenn es um den Baukörper gehe - "aus Furcht vor Rückbau oder Stilllegung". Wenn aber der Umgang mit der Natur zur Diskussion stünde, fühlten sich etliche gemaßregelt und hielten sich nicht daran. "Da verdient die heutige Gesellschaft keine gute Note", meint der Parteilose. In keinem Baugebiet werde sich daran gehalten, dass die maximale Überbauung der Fläche nicht überschritten werden darf. Auch Pflanzgebote würden nicht beachtet. Für die meisten Baugebiete gebe es bereits Festsetzungen, die sinngemäß Schottergärten und Gabionen ausschließen. "Da sich jedoch kaum jemand an den Sinn der Festsetzungen hält, wäre es nicht einmal eine rechtliche Reglementierung, Schottergärten oder Gabionen zu verbieten; es wäre lediglich eine Präzisierung nach dem Sinn der bestehenden Festsetzungen", meint Neubauer.

Aufklärung, Bitten oder gutes Zureden seien seiner Ansicht nach unzureichend. "Es wird auch niemand gebeten, doch nicht bei Rot über die Ampel zu fahren", macht sich der 76-Jährige für ein Verbot von Schottergärten in Bebauungsplänen stark.

Das sagt Franziskus Pohlmann (parteilos):

Pohlmann spricht sich gegen ein grundsätzliches Verbot von Schottergärten aus. "Weitere Reglementierungen oder Vorschriften sind aus meiner Sicht auch gar nicht notwendig, da in den Bebauungsplänen bereits klar geregelt ist, wie viel Grundfläche auf einem Grundstück versiegelt werden darf. Solange man sich an die Festsetzungen hält, sollte jeder für sich entscheiden dürfen, wie er seinen Garten gestaltet."

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