Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

An der Stegemannschule in Lohne gibt es bald Religionsunterricht für alle

Das interreligiöse Modellprojekt startet im Schuljahr 2021/22. Initiatorin ist Steffi Kathmann. Die Religionslehrerin will damit die Vielfalt und das gegenseitige Verständnis fördern.

Artikel teilen:
Sie wollen voneinander etwas über ihre Religionen lernen: (von links) Marsela Maksimova, Hilario Hounsa, Bilal Armini, Emine Moumin, Alexandra Achim, Safia Khdir, Steffi Kathmann und Sefket Sali. Foto: Kathmann

Sie wollen voneinander etwas über ihre Religionen lernen: (von links) Marsela Maksimova, Hilario Hounsa, Bilal Armini, Emine Moumin, Alexandra Achim, Safia Khdir, Steffi Kathmann und Sefket Sali. Foto: Kathmann

Die Stegemannschule in Lohne ist bunt. Kinder und Jugendliche aus mehr als 20 Nationen besuchen aktuell die Hauptschule. Ob Katholiken, Protestanten, Muslime, Jesiden, Aleviten, religionslos oder einem anderen Glauben angehörig: Die Vielfalt spiegelt sich in den Religionen wider. Die Stegemannschule startet deshalb jetzt im Schuljahr 2021/22 in der Jahrgangsstufe 9 ein Modellprojekt zum religionsübergreifenden Religionsunterricht.

Initiatorin von "Ich glaube das! Was glaubst du?" ist Steffi Kathmann. Die katholische Religionslehrerin trägt die Idee nach eigenen Angaben schon seit 5 Jahren mit sich herum. Die Corona-Pandemie, die 2020 eine Durchführung verhinderte, habe letztlich den Anstoß dazu gegeben, die Vision vollends in die Tat umzusetzen. „Da der Religionsunterricht aufgrund der Kohortenregelung zeitweise im Klassenverband stattfinden musste, haben wir Ethik unterrichtet.“

Kathmann berichtet, dass sich diese Entwicklung der Verbindung statt Trennung sehr positiv ausgewirkt habe. „Es war toll. Die Schüler haben Interesse füreinander gezeigt, nachgefragt und sich selbst und ihre Ansichten reflektiert.“

Der neuartige Religionsunterricht soll einen Beitrag zum interreligiösen Dialog leisten. Foto: KathmannDer neuartige Religionsunterricht soll einen Beitrag zum interreligiösen Dialog leisten. Foto: Kathmann

Die Lohnerin hat für das Projekt die Erlaubnis vom Regionalen Landesamt für Schule und Bildung und dem Bischöflich Münsterschen Offizialat eingeholt. Beide Institutionen hätten ihr Interesse bekundet und um Rückmeldung gebeten, sagt Kathmann. Auch den Schülern, Eltern und Lehrern hat sie das Konzept bereits vorgestellt. „Die Resonanz war sehr positiv.“

Zum Hintergrund, warum das Projekt zunächst im Jahrgang 9 stattfindet: Im Kindesalter entscheiden die Eltern über die Teilnahme am Religionsunterricht oder am Fach Werte und Normen. Ab dem 14. Lebensjahr und der damit verbundenen Religionsmündigkeit können die Schüler selbst darüber entscheiden.

5 Religionslehrer beteiligen sich an dem Projekt

4 Klassen mit etwa 70 Schülern werden nach Angaben von Kathmann am interreligiösen Unterricht teilnehmen. Dieser soll themenbezogen erfolgen und orientiert sich am Kerncurriculum. "Pro Halbjahr wählen die Schüler jeweils 2 Themen, mit denen sie sich beschäftigen möchten." Jede Gruppe werde etwa 15 Schüler umfassen.

5 Religionslehrer beteiligen sich an dem Projekt und bringen sich mit ihren eigenen Präferenzen ein. Kathmann gibt an, sie selbst werde voraussichtlich die Themen "Tod und ewiges Leben" und "Menschenrechte und ich" anbieten.

Kathmann sagt zu ihrer Intention: "Oft lernen die Schüler im Dialog mit anderen viel mehr über ihre eigene Religion. Es geht mir darum, das bunte Miteinander zu fördern." Sensibilisierung für die Vielfalt des menschlichen Lebens und die Möglichkeit zum Perspektivenwechsel seien weitere Beweggründe, sagt die Religionslehrerin.

"Ich hoffe, dass etwas in den Köpfen hängen bleibt."Steffi Kathmann, Religionslehrerin an der Stegemannschule Lohne

Kathmann sprüht vor Enthusiasmus. Ihr ist es nach eigenen Angaben seit jeher wichtig, Religion anschaulich zu vermitteln. "Ich unternehme mit den Schülern gerne Exkursionen, um Religion im Alltag zu erfahren", sagt die Lohnerin, die seit 2004 an der Stegemannschule tätig ist. Sie wolle tradierte Strukturen aufbrechen.

Kathmann ist überzeugt: "Die Schüler interessieren sich für andere Religionen." Sie nennt Fragen, die in jüngerer Zeit in ihrem Religionsunterricht gestellt wurden: Warum beten Muslime auf Teppichen? Welches Wort dürfen Jesiden nicht verwenden? Auf Fragen wie diese sollen die Jugendlichen im gemeinsamen Austausch eine Antwort erhalten – und gleichzeitig auch etwas über ihre eigene Religion lernen. "Ich hoffe, dass etwas in den Köpfen hängen bleibt."

Kathmann zitiert den antiken Philosophen Heraklit: "Lehren heißt ein Feuer entfachen und nicht, einen leeren Eimer füllen." Sie wünscht sich, dass der religionsübergreifende Religionsunterricht nachhaltig wirkt, und denkt deshalb auch über eine öffentliche Ausstellung zum Abschluss nach.

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

An der Stegemannschule in Lohne gibt es bald Religionsunterricht für alle - OM online