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An der Hasenweide herrscht wieder Funkstille

Der Hof Rötepohl bemüht sich schon seit Jahren vergeblich um eine Nachnutzung des angrenzenden Sportplatzes und Jagdweges. Nun steht ein Flächentausch mit der Stadt Vechta zur Disposition.

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Blick auf die Sportstätte an der Hasenweide: Die Familie Rötepohl würde das städtische Gelände gerne übernehmen und damit ihre Pferdehaltung  ausdehnen. Im Gegenzug wäre ein Flächentausch mit potenziellem Bauland am Haferkamp möglich. Foto: Speckmann

Blick auf die Sportstätte an der Hasenweide: Die Familie Rötepohl würde das städtische Gelände gerne übernehmen und damit ihre Pferdehaltung  ausdehnen. Im Gegenzug wäre ein Flächentausch mit potenziellem Bauland am Haferkamp möglich. Foto: Speckmann

Der Ausbau der Sportstätte "Oyther Berg" ist im Gange. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Spielbetrieb hier komplett gebündelt wird. Was nach dem Abschluss der Bauarbeiten mit dem traditionsreichen Standort an der Hasenweide passiert, ist noch ungewiss. Aber es gibt Gedankenspiele zur Nachnutzung des alten Fußballplatzes: Während die Vechtaer Stadtverwaltung eine Wohnbebauung erwägt, spekuliert ein benachbarter Reiterhof auf die Erweiterung seines Betriebes.

Der Hof Rötepohl steht schon seit geraumer Zeit in Gesprächen mit der Stadtverwaltung. Er würde gerne den kompletten Sportplatz und ein Teilstück des Jagdweges von der Kommune übernehmen, um die Zukunft seiner Pferdehaltung und Reitangebote zu sichern. Aber zu einem erfolgreichen Abschluss haben die Grundstücksverhandlungen bisher nicht geführt. Die Gespräche sind ins Stocken geraten.

„Seit Juli 2021 herrscht Funkstille – mal wieder“, berichtet Thomas Rötepohl, während er in einem prall gefüllten Aktenordner blättert. Hier haben sich im Laufe der vergangenen zehn Jahre unzählige Briefe, Lagepläne und Notizen angesammelt. Drei Bürgermeister sind an dem Austausch mittlerweile beteiligt. Dabei hat es zwischenzeitlich so ausgesehen, als wenn die Sache einvernehmlich geklärt werden könnte.

Der Reitbetrieb muss ständig den Jagdweg kreuzen. Eine Privatisierung würde das Problem aus Sicht des Hofes lösen. Foto: SpeckmannDer Reitbetrieb muss ständig den Jagdweg kreuzen. Eine Privatisierung würde das Problem aus Sicht des Hofes lösen. Foto: Speckmann

Der Hofbesitzer präsentiert einen Vertragsentwurf vom 4. August 2016. Darin erklärt sich die Stadt Vechta dazu bereit, ein Teilstück des öffentlichen Jagdweges zu schließen und an die Familie Rötepohl zu veräußern. Diese bietet im Gegenzug an, eine in ihrem Eigentum befindliche Teilfläche des Sportplatzes weiterhin an die Kommune zu verpachten. Die Nutzung wäre damit bis zum Jahr 2047 gesichert.

Vertrag mit der Stadt Vechta ist gescheitert

Zur Unterschrift des Papiers kommt es allerdings nicht. Die Stadt Vechta, damals unter Führung von Bürgermeister Helmut Gels (CDU), rückt plötzlich von ihren Plänen ab. Den Grund weiß Rötepohl bis heute nicht, wie er sagt. Eine Nachfrage beim amtierenden Verwaltungschef ist wenig aufschlussreich: „Weil es dafür keine politische Mehrheit gab“, lässt Kristian Kater (SPD) kurz und knapp über die Pressestelle mitteilen.

Inzwischen hat die Familie Rötepohl der Kommune einen neuen Vorschlag unterbreitet. Um die rund zwei Hektar große Fläche vor ihrer Haustür zu bekommen, bieten die Hofbetreiber einen Flächentausch an. Sie wären bereit, einen vergleichbaren Teil ihres fünf Hektar großen Ackers am Haferkamp abzugeben. Er grenzt direkt an das neue Baugebiet „Telbraker Esch“ und wäre somit ideal zur Wohnbebauung.

„Das wäre unsere Chance zur Ausdehnung des Betriebes“, erklärt Rötepohl. Durch den Flächentausch könne der Hof sein Weideland erweitern und dabei die Nähe zu den bestehenden Stallungen und Reithallen nutzen. Mit einer Einbeziehung des Jagdweges wäre der bisher auf beiden Seiten angesiedelte Betrieb räumlich abgeschlossen und würde somit nicht mehr von Fußgängern oder Radfahrern beeinträchtigt.

Bürgermeister sieht noch Klärungsbedarf

Die Kommune ist auf das Angebot bisher nicht eingegangen. Kater bestätigt auf Nachfrage zwar Interesse an dem potenziellen Bauland und signalisiert auch Unterstützung bei der Standortsicherung des Reiterhofes. Doch für ihn besteht noch Klärungsbedarf in verschiedenen Fragen. Dazu gehört auch eine alternative Verkehrsplanung bei einer Teilschließung des Jagdweges.

Der Bürgermeister weist darauf hin, dass zunächst Fakten auf dem Tisch liegen müssten, bevor die Verwaltung den politischen Gremien eine Beschlussvorlage unterbreiten könne. Bis dahin hätten beide Partner noch Hausaufgaben zu machen. Zu den Vorstellungen der Stadt äußert sich der Verwaltungschef öffentlich nicht im Detail. Bei konkreter Nachfrage heißt nur, dass zu Grundstücksgesprächen keine Auskunft gegeben werde.

An diesem Punkt stellt sich die Frage, welche eigenen Interessen die Kommune an der Hasenweide verfolgt. Im Rathaus soll bereits ein Entwurf für ein Baugebiet vorliegen. „Das sind nur lockere Gedanken“, so Kater. Es werde bisher lediglich die Umsetzbarkeit einer Wohnbebauung geprüft. Diese sei aber noch nicht abschließend geklärt. Zudem müsse für ein solches Vorhaben ohnehin eine Bauleitplanung erfolgen.

Pachtvertrag zum Jahresende gekündigt

Dringenden Handlungsbedarf sieht der Verwaltungschef in der Grundstücksangelegenheit nicht. Der Sportplatz an der Hasenweide werde noch einige Jahre übergangsweise benötigt, denn bis zur Erweiterung der Sportstätten „Oyther Berg“ und auch „Am Bergkeller“ würden der Kommune insgesamt vier Spielfelder fehlen. „Solange ist es gut, die Hasenweide noch zu haben“, erklärt der Bürgermeister.

Derweil reißt bei Familie Rötepohl allmählich der Geduldsfaden. Sie will nach dem jahrelangen Bemühen endlich Klarheit haben – und macht Druck: Sollte die Stadt auf ihre Wünsche nicht eingehen, wäre sie eigenen Angaben zufolge auch nicht bereit, Flächen für ein  Baugebiet abzugeben. Den Pachtvertrag für das fast 3000 Quadratmeter große Teilstück des Sportplatzes hat der Hofbesitzer schon zum Jahresende gekündigt. Darauf wird die Kommune ab 1. Januar 2023 verzichten müssen.

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