Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

An der Bushaltestelle sexuell belästigt

Der mutmaßliche Täter: ein Rentner. Das vermeintliche Opfer: ein geistig behinderter Mann. Jetzt verhandelt das Landgericht.

Artikel teilen:
Symbolfoto: dpa

Symbolfoto: dpa

Weil er einen geistig behinderten Mann sexuell attackiert hat, ist ein Rentner aus dem Landkreis Vechta wegen sexuellen Übergriffs und sexueller Belästigung in mehreren Fällen zu einer Geldstrafe von 3900 Euro (130 Tagessätze zu je 30 Euro) verurteilt worden. Dieses, zunächst vom Amtsgericht in Vechta gefällte Urteil hat das Oldenburger Landgericht am Freitag in zweiter Instanz bestätigt. Die Berufung des Angeklagten wurde verworfen.

Die Taten, die Hintergrund des Verfahrens waren, passierten an einer Behelfs-Bushaltestelle, wo das Opfer auf den Schulbus wartete. Der Angeklagte hielt sich auch dort häufig auf, weil auch sein Sohn mit dem Bus fährt. Den Feststellungen zufolge kam es nun zu den sexuellen Übergriffen auf das Opfer. Der Rentner umarmte das Opfer, küsste es auf den Mund und griff in den Genitalbereich.

An der Haltestelle lief eine Kamera

Das Opfer hatte sich erheblich belästigt gefühlt und unter den Taten schwer gelitten, hieß es vor Gericht. Der Angeklagte hatte zunächst angeblich plausible Erklärungen für alles. Er habe alles nur aus Spaß gemacht, er habe nur die Jacke des Opfers zugemacht, er habe das Opfer nur deswegen umarmt, um es zu wärmen.

Was der Angeklagte nicht wusste: Die Behelfs-Bushaltestelle war von einer Privatperson eingerichtet worden, um Wartenden ein Dach über dem Kopf zu bieten. Die Privatperson hatte zudem eine Videokamera installiert. So kam das Treiben des Angeklagten ans Tageslicht.

Der Rentner räumte schließlich die Taten ein. Zum Motiv äußerte er sich nicht. Mit seiner Berufung gegen das Urteil des Vechtaer Amtsgerichtes wollte er eine geringere Geldstrafe erreichen. Er habe Krankheitsfälle in der Familie, die ihn finanziell belasten. Außerdem arbeitete er neben seiner Rente im Sicherheitsbereich, da könne er sich keine Vorstrafe leisten.

Richter Franz vermisst die Reue

Doch der Angeklagte konnte sich nicht durchsetzen. „Sie sagen nicht, warum Sie das Opfer sexuell attackiert haben. Was haben Sie sich dabei gedacht? Und das alles vor Ihrem Sohn. Wir sehen keine echte Reue. Und das Schmerzensgeld fließt nur zögerlich“, ging der Vorsitzende Richter Frederik Franz mit dem Angeklagten hart ins Gericht. Auf solche Taten stünden normalerweise Bewährungs- oder Gefängnisstrafen. Weniger Strafe als vom Amtsgericht in Vechta ausgelobt werde und könne es nicht geben, schloss Richter Franz die Akten.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

An der Bushaltestelle sexuell belästigt - OM online