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Am Ort des Abschieds herrscht nicht nur Trauer

"Friedhöfe sind ein Stück Kultur", sagt Hermann Schroer. Der Vorsitzende des Kirchenausschusses eröffnete die Einweihungsfeier der neuen Kapellenräume.

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Warme Farben: Architekt Franz Bergmann erläutert das Konzept. Foto: Meyer

Warme Farben: Architekt Franz Bergmann erläutert das Konzept. Foto: Meyer

Das Thema schreckt ab: Vom Tod wollen die meisten Menschen eigentlich nichts wissen. Die neu gestalteten Verabschiedungsräume in der Kapelle auf dem St. Andreas Friedhof  sollen der veränderten Trauerkultur Rechnung tragen. Am Sonntag wurden sie eingeweiht.

Angehörige können sich ab jetzt in einer deutlich wohnlicheren Atmosphäre von ihren Verstorbenen verabschieden, als früher. Die bislang engen Kammern wurden durch großzügig geschnittene Räume ersetzt. Bei der Einrichtung achtete Architekt Franz Bergmann auf angenehme Farben. Er sorgte außerdem dafür, dass die bunten Glasfenster im Eingangskorridor erhalten blieben und so für ein warmes Licht sorgen. Gedacht wurde auch an ein sogenanntes Kolumbarium für Urnen. Diese Bestattungsart werde immer häufiger nachgefragt, erklärte der Vorsitzende des Friedhofsausschusses André Bersenbrügge.

Projekt kostet bis zu 330.000 Euro

Die Neugestaltung dürfte teurer werden, als ursprünglich geplant. 290.000 Euro waren einkalkuliert worden. Bis zu 330.000 Euro könnten es am Ende sein. Ein Grund für die gestiegenen Kosten ist die Erneuerung des Fußbodens, denn der Altbau war quasi auf Sand errichtet. „Wir mussten den kompletten Untergrund herstellen“, erläutert Bersenbrügge. Nach der Einweihung, die pandemiebedingt in kleinem Kreis stattfand, waren am Nachmittag Interessierte zum Tag der offenen Tür in die Kapelle eingeladen. Für die St. Andreas Pfarrgemeinde kehrt damit nach vielen Monaten wieder ein Stück Normalität in den Kirchenalltag ein.

Ort des Abschieds: Die engen Kammern wurden großzügig erweitert und neu eingerichtet. Foto: MeyerOrt des Abschieds: Die engen Kammern wurden großzügig erweitert und neu eingerichtet. Foto: Meyer

Der Umbau ist Teil eines mehrjährigen Programms zur Modernisierung der katholischen Friedhöfe. 2016 war bereits die Kapelle auf dem St. Josef-Friedhof saniert worden. Im vergangenen Jahr richtete die Gemeinde einen Bestattungswald auf dem neuen Teil das St. Andreas-Friedhofes ein. Für den Wald hat Holzkünstler Klaus Allendorf jetzt eine Stele geschaffen, die Dechant Bernd Strickmann am Sonntag ebenfalls weihte. Eingearbeitet hat der Münsterländer Motive und Texte aus dem "Sonnengesang" des Heiligen Franz von Assisi.

Franziskus und die Tiere: Die Stele wurde im Bestattungswald aufgestellt. Foto: MeyerFranziskus und die Tiere: Die Stele wurde im Bestattungswald aufgestellt. Foto: Meyer

Am Rande der Feier nahm Strickmann gegenüber OM online auch Stellung zum Rücktritt des Münchener Erzbischofs Reinhard Marx. Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hatte seine Entscheidung damit begründet, dass er Verantwortung für Fehler der Institution Kirche in Fällen sexuellen Missbrauchs übernehmen wolle. "Der Rücktritt ist eine Katastrophe", findet Strickmann. Marx wolle mit diesem Schritt zweifellos Bewegung in die Kirche bringen. "Gleichwohl bin ich der Meinung, dass der Richtige noch nicht zurückgetreten ist", sagt der Dechant und spielt damit auf den Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki an. Dieser hat seine Demission bislang aber ausgeschlossen. "Da muss noch mehr passieren", betont Strickmann und kritisiert unter anderem das "Männerbündlerische" innerhalb der Kirchenhierarchie.

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