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Am Dicken Stein kracht's oft: Warum gilt die Kreuzung dennoch nicht als Unfallschwerpunkt?

Die Polizei und der Landkreis bewerten den Knotenpunkt in Steinfeld bisher nicht als „Unfallhäufungsstelle“. Unterdessen soll in dieser Woche die störungsanfällige Ampelanlage ausgetauscht werden.

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Sechs Unfälle hat die Polizei im Zeitraum von 21. April 2020 bis 21. April 2021 an dem Knotenpunkt registriert. Foto: Timphaus

Sechs Unfälle hat die Polizei im Zeitraum von 21. April 2020 bis 21. April 2021 an dem Knotenpunkt registriert. Foto: Timphaus

In dieser Woche soll der Austausch der Ampeln am Dicken Stein in Steinfeld stattfinden. Das hat Bürgermeisterin Manuela Honkomp jüngst während der Sitzung des Bauausschusses mitgeteilt. Die Modernisierung der jahrzehntealten und störungsanfälligen Anlage, die erst in den vergangenen Wochen wiederholt ausgefallen war, kostet laut der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr insgesamt 132.000 Euro.

Das Projekt hat eine längere Vorgeschichte. Die Gemeinde Steinfeld bemüht sich seit einigen Jahren um die Erneuerung und war zwischenzeitlich sogar bereit, das Vorhaben selbst durchzuführen und vorzufinanzieren. Die Landesbehörde hatte die Kommune wiederholt vertröstet: Mal scheiterte es an der Finanzierung, dann wieder am Personal. Nun sind offenbar alle Hürden aus dem Weg geräumt.

Der Knotenpunkt steht aber auch aus anderen Gründen weiterhin im Fokus: So führt der Rückstau, der sich zu Stoßzeiten in alle Richtungen bildet, immer wieder zu langen Wartezeiten. Zudem bewerten einige Lokalpolitiker in Steinfeld die Verkehrssituation an der Kreuzung als gefährlich für Radfahrer und Fußgänger – und fordern einen Umbau.

OM online fragt bei Polizei und Landkreis nach

Aber wie steht's konkret um die Sicherheit an dem Knotenpunkt? Was sagt die Polizei? Und wie bewertet der Landkreis Vechta die Lage? OM online hat bei den Behörden nachgefragt.

Das Ergebnis: Die Kreuzung am Dicken Stein in Steinfeld ist aus Sicht der Ordnungshüter und der Kreisbehörde aktuell kein Unfallschwerpunkt – zumindest sagt das die Statistik. 

Eine "Unfallhäufungsstelle" ist genau definiert

Hendrik Ebmeyer von der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta zitiert die Definition aus dem Merkblatt zur Örtlichen Unfalluntersuchung in Unfallkommissionen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV). Demnach gelten innerörtliche Knotenpunkte als "Unfallhäufungsstellen", wenn dort innerhalb eines Jahres 5 gleichartige Unfälle geschehen oder wenn es dort innerhalb eines 3-Jahres-Zeitraumes 5 Unfälle mit Verletzten oder Toten gibt.

Der Polizeisprecher sagt, dass zur polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit auch die "stete Betrachtung und Bewertung der Entwicklung des Verkehrsunfallgeschehens" gehöre. Bezogen auf die Kreuzung am Dicken Stein teilt Ebmeyer mit: "Ein Verkehrsunfallgeschehen ist zu verzeichnen. Der Knoten stellt jedoch derzeit keine Unfallhäufungsstelle dar."

Auch aus dem Vechtaer Kreishaus heißt es: "Der Knoten ist mit einer Ampel gesichert und bietet so Schutz für den Straßenverkehr, Fußgänger und Radfahrer. Eine sogenannte Unfallhäufungsstelle besteht hier nicht."

Polizei registriert 2 Unfälle mit Schwerverletzten

Der Landkreis teilt weiter mit, dass die Verkehrssicherheitskommission sich zuletzt im März dieses Jahres mit dem Knoten befasst habe. "Im Ergebnis wird die Ampel eine moderne Schalttechnik bekommen. Damit dürften die häufigeren Ausfälle der Ampel der Vergangenheit angehören. Sie wird künftig verkehrsabhängig geschaltet, was den Verkehrsfluss verbessert."

Auf Nachfrage nach der konkreten Anzahl der Unfälle und deren Unfallart im vergangenen Jahr antwortet die Polizei, dass im Zeitraum vom 21. April 2020 bis 21. April 2021 insgesamt 6 Verkehrsunfälle registriert worden seien. Einmal hielt ein Autofahrer vor der Haltelinie bei Grün an, um einen Rettungswagen passieren zu lassen. Der hinter ihm fahrende Autofahrer fuhr auf. In 2 Fällen kam es zum Crash beim Rückwärtssetzen. In einem Fall touchierte ein geradeaus fahrender Autofahrer mit seinem Pkw einen Linksabbieger. 2-mal registrierte die Polizei schließlich Abbiegeunfälle mit Radfahrern.

Die beiden letztgenannten Unfälle waren am schwerwiegendsten. Am 18. September 2020 übersah ein Autofahrer beim Abbiegen von der Bahnhof- auf die Handorfer Straße einen 17 Jahre alten Radfahrer. "Der Jugendliche wurde durch den Zusammenstoß schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt", heißt es in der Polizeimeldung. Und jüngst, am 19. April 2021, kollidierte eine Pedelec-Fahrerin auf der Kreuzung mit einem Lastwagen, der von der Handorfer auf die Dammer Straße abbiegen wollte. Die 70-Jährige wurde schwer verletzt.

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