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Altwerden-Projekt: Vreeser setzen mit Pflegehaus den letzten Baustein

Die Gemeinde hat Modellcharakter, heißt es bei der Feier. Förmlich ins Schwärmen gerät Gitta Connemann. "Es gibt viele Dörfer. Aber keines ist so wie Vrees", findet die CDU-Bundestagsabgeordnete.

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Schlüsselfertig (von links): Architektin Andrea Niedenhof, Heinz Peters (Verein Altwerden in Vrees) Caritas Geschäftsführerin Dr. Beate Schulte und Bürgermeister Heribert Kleene haben Grund zum Feiern. Foto: Meyer

Schlüsselfertig (von links): Architektin Andrea Niedenhof, Heinz Peters (Verein Altwerden in Vrees) Caritas Geschäftsführerin Dr. Beate Schulte und Bürgermeister Heribert Kleene haben Grund zum Feiern. Foto: Meyer

Mit der Einweihung des neuen Pflegehauses hat die Gemeinde Vrees ihr bundesweit beachtetes "Altwerden-Projekt" abgeschlossen. Am Dienstag überreichte Architektin Andrea Niedenhof den symbolischen Schlüssel an Bürgermeister Heribert Kleene. Das Gebäude ist bezugsfertig, einige Wohnungen sind bereits vermietet.

Das über fast 20 Jahre verfolgte Ziel, Menschen aus Vrees einen Lebensabend in ihrem Heimatdorf zu ermöglichen – ganz gleich, ob sie alleinstehend oder pflegebedürftig sind – sei damit erreicht, hieß es. Für die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU) war das Ereignis sogar ein Gesangssolo wert. Sie stimmte die "Ode an die Freude" an, um anschließend nicht mit Lob für die Beteiligten zu sparen.

Vrees ist Teil des Bundesprogramms "Leben wie gewohnt"

Dabei hob Connemann vor allem die Rolle Kleenes als "Motor" des Projekts hervor. "Ohne ihn wäre die Vision nicht Wirklichkeit geworden", ist sie überzeugt. Das habe an der Fähigkeit des Bürgermeisters gelegen, solange "zu nerven", bis die nötigen Mittel bewilligt wurden. "Ich kenne kein Dorf, das mehr Förderung abgezogen hat", staunte die Parlamentarierin und verkündete danach die Aufnahme Vrees' in das Bundesprogramm "Leben wie gewohnt". Neben der kleinen Emslandgemeinde haben das 3 weitere Orte in Deutschland geschafft. Bis 2023 dürften weitere Gelder für Investitionen fließen.

Raum für Gemeinschaft: Im Haus kann gemeinsam gekocht werden. Foto: MeyerRaum für Gemeinschaft: Im Haus kann gemeinsam gekocht werden. Foto: Meyer

Das Pflegehaus bietet Platz für 12 Wohnungen, einen Gemeinschaftsbereich mit Küche und ein Behandlungszimmer. Wer als Mieter einziehen möchte, muss mindestens den Pflegegrad II nachweisen. Je nach Bedarf werden die Bewohner von  einer Pflegegesellschaft der Caritas betreut. Daneben sollen möglichst viele Ehrenamtliche den Alltag im Haus mitgestalten.  "Kümmerin" Sandra Schwarte vermittelt Dienste, organisiert Termine und sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Ein Demenzgarten und ein Sportpark runden das Angebot ab.  Finanziert wurde der Bau unter anderem mit Mitteln des  Landes Niedersachsen (100.000 Euro) und des Amtes für regionale Landesentwicklung (ArL) (500.000 Euro). Darin enthalten sind auch Gelder der Europäischen Union.

Fügt sich ins Ortsbild ein: Äußerlich wurde auf die Tradition geachtet. Foto: MeyerFügt sich ins Ortsbild ein: Äußerlich wurde auf die Tradition geachtet. Foto: Meyer

ArL-Landesbeauftragter Franz-Josef Sickelmann lobte die Gemeinde als "verlässliche Partnerin", die sich einer der wichtigsten Zukunftsaufgaben, der Bewältigung des demografischen Wandels, mit viel Kreativität stelle. Landesweit sei mittlerweile jeder 5. über 65 Jahre alt, berichtet Sickelmann und sieht deshalb Handlungsbedarf.  Zu groß gewordene Einfamilienhäuser, veränderte Familienstrukturen und ein eingeschränkter öffentlicher Nahverkehr sind aus seiner Sicht die größten Probleme beim Älterwerden auf dem Land. Sickelmann freut sich aber darüber, dass die EU trotz des Sparzwangs durch den Brexit weiter an der Finanzierung der Dorfentwicklung festhält.  

Neubau komplettiert Ensemble in der Ortsmitte

Der Landrat des Landkreises Emsland, Marc-André Burgdorf, wies auf den "langen Atem" hin, den die Gemeinde und der Verein "Wir für Euch – Altwerden in Vrees" gezeigt hätten. In den vergangenen Jahren sei mitten im Ort ein "eindrucksvolles Ensemble" entstanden. Dazu gehören neben dem Pflegehaus das 2014 eröffnete Bürgerhaus sowie die in direkter Nachbarschaft errichteten Seniorenwohnungen. Auch Samtgemeinde-Bürgermeister Ludger Kewe war nach eigenen Worten "total beeindruckt." Der Neubau zeige, wozu Menschen in der Lage seien, wenn sie gemeinsam an einem Strang zögen. "Hier passt jedes Detail." 

Geld für den Sportpark: Die Schecks wurden einen Tag vor der Eröffnung des Pflegehauses überreicht. Foto: MeyerGeld für den Sportpark: Die Schecks wurden einen Tag vor der Eröffnung des Pflegehauses überreicht. Foto: Meyer

Rund um das Pflegehaus sind die Bauarbeiten aber noch nicht beendet. Unter Federführung des SV Frisia Vrees entsteht gegenwärtig ein Sportpark, der nach seiner Fertigstellung  ein Treffpunkt für Alt und Jung  werden soll. Ziel sei auch, die Pflegezeiten zu verkürzen, erklärt Heribert Kleene. "Angebote wie dieses bringen Struktur und Lebendigkeit in den Tagesablauf". Das, so Kleene, sei allemal besser, als "in der Ecke zu dösen". 

Der für Vrees typische Förderfleiß zahlt sich auch diesmal aus. Für den Sportpark sowie eine weitere Anlage am Sportplatz erhält der Verein erhebliche Mittel vom Kreissportbund, der Sparkassenstiftung sowie der Gemeinde und des Landkreises. Bei der Vergabe der Schecks am Montag schaute auch der Vizepräsident des Niedersächsischen Landtags, Bernd Busemann (CDU), vorbei. Der Dörpener zollte den Vreesern ebenfalls Respekt. Sein Fazit: "Diese Gemeinde hat etwas. Hier ist einfach immer was los."

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