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Als typischer Widder 50 Jahre im Geschäft

Brigitte Knelangen stieg nach ihrer Heirat ins 1924 gegründete Friesoyther Familienunternehmen ein. Den Kontakt zu den Kunden möchte sie nicht missen.

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Brigitte Knelangen    Foto: Claudia Wimberg

Brigitte Knelangen    Foto: Claudia Wimberg

Jeder Zentimeter ist ausgefüllt. Die Regale ragen bis an die Decke, die Ordner reihen sich in gleicher Größe aneinander. Auf Augenhöhe ein paar Fotos von der Familie, motivierende Sinnsprüche und eine Weltkarte mit Zielen, die Brigitte Knelangen bereits bereist hat oder noch bereisen möchte.

„Früher habe ich im Keller gesessen und mir dieses Büro an dieser Stelle immer gewünscht“, sagt sie und blickt durch den vielleicht vier Quadratmeter großen Raum zwischen Werkstatt und Laden, der mit einer Schiebetür abschließt. „Und wenn ich mir etwas in den Kopf setze, kämpfe ich so lange dafür, bis ich es bekomme. Typisch Widder“, fügt die Friesoyther Geschäftsfrau schmunzelnd hinzu, die gerade im kleinen Kreis auf 50 Jahre Selbstständigkeit angestoßen hat. Keine Selbstverständlichkeit, deshalb weiß die 69-Jährige es umso mehr zu schätzen, „dass man mich hier noch will.“

Auf dem Thüler Schützenfest Ehemann kennengelernt

Wie sehr, hat Sohn Holger seiner Mutter zu ihrem Jubiläum in einer Rede wertschätzend mitgeteilt. 2005 übernahm er die Geschäftsführung und verlässt sich in Sachen Buchhaltung komplett auf die Senior-Chefin, die schon als Kind gerne bedient und verkauft hat und bis heute den Kontakt zum Kunden nicht missen möchte. Auf einem landwirtschaftlichen Hof in Bösel geboren und aufgewachsen, führte sie die Arbeit nach Friesoythe. Auf dem Thüler Schützenfest lernte die junge Frau dann Ehemann Paul kennen, der als Fähnrich das Fest traditionell mit der Gilde der alten Hansestadt besuchte. Das Ja-Wort gaben sich die beiden 1970.

Brigitte Knelangen stieg in das 1924 von Wilhelm Knelangen gegründete Unternehmen an der Moorstraße mit ein, in dem damals noch Landmaschinen verkauft wurden. Ein Faible für Fahrräder hatte sie immer schon und eröffnete deshalb 1978 einen kleinen Laden gleich gegenüber. Zwar wurde das Vorhaben vom Schwiegervater zunächst etwas skeptisch beäugt, der Erfolg gab seiner rührigen Schwiegertochter im Laufe der Zeit jedoch Recht.

1991 ein Schicksalsjahr. Die Familie hatte gerade in einen großzügigen Umbau mit Geschäftsräumen für Zweiräder und Gartentechnik investiert, als Paul Knelangen starb. „Eine harte Zeit“, berichtet die Mutter von drei Söhnen und dankt vor allem ihrem Angestellten Berthold Eilers für seine Loyalität und Hilfe. „Ohne Mitarbeiter geht es sowieso nicht, das kann man gar nicht häufig genug sagen und er war eine ganz besondere Stütze“, betont Brigitte Knelangen.

Gutes Bauchgefühl und schonungslose Ehrlichkeit

Mit einem guten Bauchgefühl, manches Mal auch schonungsloser Ehrlichkeit und einem großen Gottvertrauen hat sie Privatleben und Betrieb gemeistert und unter einen Hut gebracht. Computertechnik kein Thema, „Fortschritt macht mir Spaß und bedeutet Arbeitserleichterung“, sagt die Unternehmerin bestimmt, die in verschiedenen Weiterbildungen übrigens auch gelernt hat, dass man nicht in die Fußstapfen eines anderen treten kann. „Sie passen nie und deshalb muss jeder seinen eigenen Weg finden und gehen.“ Ihr Weg soll sie täglich noch möglichst lange ins Geschäft führen. „Aufhören? Oh Gott nein, das möchte ich noch nicht, das könnte ich ehrlich gesagt auch noch nicht“, gesteht sie, lächelt und wendet sich wieder ihrer Arbeit zu. Mit einer Versicherung sind noch Details zu klären und die Polizei bittet um Rückruf und hätte gerne die Rahmennummer eines gefundenen Fahrrades.

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