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Als Kinder in Garrel noch in den Stuben ihrer Lehrer unterrichtet wurden

Wie und in welchen Schulen wurden Kinder und Jugendliche aus Garrel in den vergangenen Jahrhunderten unterrichtet? Ein kurzer geschichtlicher Abriss liefert Antworten.

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Ein Blick in die Geschichte: Die 1898 erbaute Volksschule war die dritte Schule in Garrel. Foto: Chronik Garrel von 1972

Ein Blick in die Geschichte: Die 1898 erbaute Volksschule war die dritte Schule in Garrel. Foto: Chronik Garrel von 1972

Die Grundschule Garrel soll zeitnah zu einer Offenen Ganztagsschule mit eigener Mensa umgestaltet werden, die Politik will den Schulstandort Tweel weiter stärken, die Oberschule Garrel ist landkreisweit die größte und einzige, die einen gymnasialen Schulzweig mit im Hause führt. Doch wann und wie haben diese Bildungseinrichtungen ihren Ursprung genommen? Eine kleine Zeitreise.

In der 1972 erschienenen Chronik zur 100-Jahr-Feier Garrels schreibt Heinrich Kalvelage, die Garreler hätten schon früh die Notwendigkeit und den Wert einer Schule erkannt. So habe Garrel zu den ersten Bauerschaften "im Kreise" gehört, die eine Bauerschaftsschule oder Nebenschule besaßen. Demnach wurde bereits 1669 "Schule gehalten";  um 1745 soll es laut Visitationsprotokollen ein erstes Schulgebäude in Garrel gegeben haben. Das sei besonders hervorzuheben, "denn in den meisten kleinen Orten wurden die Kinder in den Stuben der Lehrer unterrichtet", weiß Kalvelage. Jedoch ist der Standort dieser Bildungseinrichtung nicht überliefert. 

1954 wurde die damalige Hauptschule errichtet
Foto: Chronik von 1972
Die Grundschule Tweel
Foto: Chronik von 1972
Die Grundschule Garrel wurde 1971 mit 12 Klassen errichtet
Foto: Chronik von 1972

Die Planungen zu einer zweiten Schule gehen auf das "Gesuch" von Lehrer Karl Diekmann im Oktober 1804 zurück. Darin bittet er, gestützt auf Paragraph 18 der Schulordnung von 1801, um eine anständige Wohnung. Garrel will für den Bau einer Schule mit integrierter Lehrerwohnung Markengrund verkaufen, jedoch stimmt die herzogliche Regierung dem nicht zu, gewährt aber einen Zuschuss in Höhe von 400 Reichstalern. Umgesetzt wurde das Vorhaben schließlich 1811.  Das Gebäude stand entlang der Hauptstraße gegenüber des heutigen Gasthauses "Zum Schäfer". 1836 wurde der Bau erweitert, 1857 sogar um eine zweite Klasse ergänzt. 1898 kaufte Schneider Elsen das Haus, das letztlich im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde. Überlieferungen zufolge soll die Inneneinrichtung äußerst dürftig gewesen sein. Die Schulbänke hatten keine Schreibplatte, die Kinder mussten ihre Tafeln beim Schreiben in den Arm nehmen.

1898 wurde die dritte Schule, eine Volksschule, mit drei Klassen "hinter der zweiten Schule" gebaut. Sie kostete 14.000 Mark und enthielt im Dachgeschoss eine Wohnung für die Lehrerin und den Nebenlehrer. 1899 wurde ähnlich wie in Visbek und Dinklage eine reine Mädchenklasse eingerichtet, diese habe sich, so Kalvelage, bei drei oder vier Lehrkräften "wenig vorteilhaft" ausgewirkt. 1922 wurde die Schule für zwei zusätzliche Klassen und 1934 nochmals für drei weitere ausgebaut – nebst "Lehrmittel- und Lehrerzimmer". 

Die Baukosten für die Garreler Grundschule lagen bei 1.180.000 Mark

"Noch 1950 glaubte man, richtig zu handeln, als man den Bau einer einklassigen Schule in Bürgermoor und 1951 den Bau einer Schule Hinterm Forde beschloss", schreibt Kalvelage. Beide Vorhaben seien jedoch nicht umgesetzt worden. 1953 entschied die Garreler Politik dann, eine Hauptschule mit zehn Klassen zu bauen. Ein Jahr später wurde mit den Arbeiten begonnen, bezogen wurde sie im Februar 1956. Der Bau kostete einschließlich Grunderwerb 509.300 Mark. Bereits 1962 musste der Ostflügel der Schule aufgestockt werden, Kosten: 337.071 Mark. 1969 entschied der Rat der Gemeinde Garrel den Bau einer dreizügigen Grundschule mit zwölf Klassen. Die Kosten wurden mit 1.080.000 Mark veranschlagt, die bis auf zusätzliche 100.000 Mark eingehalten werden konnten. Die Fertigstellung erfolgte 1971/72. 

Die Schule Tweel wurde im Jahre 1910 mit einem Kostenaufwand von 16.700 Goldmark erbaut. Ein Jahr später war sie bezugsfertig. Besucht wurde sie von den Kindern aus Tweel, Amerika und Tannenkamp. Dazu kamen drei Häuser aus Garrel Hinterm Esch. "Die Wahl des Standortes hatte zunächst allerhand Kopfzerbrechen verursacht, denn jede Bauerschaft wollte sie möglichst in der Nähe haben", berichtet Kalvelage. Aus diesem Grund habe man sich auf einen möglichst zentralen Ort geeinigt, "der wohnlich gesehen nicht gerade glücklich war", urteilt der Chronist. Es sei ein Platz, von dem ein Zeitgenosse meine: "Dort sagen sich die Krähen und Füchse 'Gute Nacht'". Die Schule wurde zunächst einklassig gebaut, doch wegen der wachsenden Schülerzahl wurde 1931 eine zweite Klasse eingerichtet. Ein entsprechender Anbau konnte aufgrund der schlechten Finanzlage erst Jahre später realisiert werden. Die Lösung des Problems: Schichtunterricht. 

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