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Als eine komplette Kirche nach Litauen umzog

Fernsehteams und lokale Medien begleiteten seinerzeit den Umzug des Gotteshauses. Jetzt ist eine Visbeker Delegation zum 25-jährigen Kirchweihfest der Emmaus-Kirche in Sudargas gewesen.

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Deutsch-litauische Völkerverständigung: Die Gemeindemitglieder aus Sudargas und Litauen feiern den 25. Jahrestag des Kirchweihfestes der Emmaus-Kirche. Foto: Weber

Deutsch-litauische Völkerverständigung: Die Gemeindemitglieder aus Sudargas und Litauen feiern den 25. Jahrestag des Kirchweihfestes der Emmaus-Kirche. Foto: Weber

Als im Frühjahr 1996 die alte Emmaus-Kirche in Visbek ab- und im 1500 Kilometer entfernten Sudargas in Litauen wieder aufgebaut wurde, glich dies einer Sensation. Nicht nur die lokalen Medien begleiteten das Vorhaben, heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde, sondern auch überregionale Fernsehteams griffen das Thema auf. Das berichtet Pfarrer em. Wilfried Scheuer, der damals Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Visbek war.

Etwas mehr als ein Jahr danach, am 17. August 1997, fand die Kirchweihe in Sudargas statt. Aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums reiste nun eine 11-köpfige Delegation nach Sudargas. Neben Scheuer waren unter anderem Hartmut Ramke, Vorsitzender des Vereins „Hilfe für Sudargas“, Visbeks stellvertretender Bürgermeister Antonius Mönnig sowie Heimatvereinsvorsitzender Manfred Gelhaus mit dabei.

Scheuer, Ramke und Mönnig zeigten sich kurz nach der Rückkehr noch immer beeindruckt und bewegt von den Erlebnissen der Fahrt. „Wir wurden sehr, sehr gastfreundlich begleitet“, sagte Scheuer. Als „sehr herzlich“ beschrieb Mönnig die Mentalität der Menschen und Ramke fasste zusammen: „Mich hat besonders gefreut, dass wir als Gruppe vom Frühstück bis nach dem Abendessen zusammen waren.“

Kleines Kreuz als Geschenk

Im Zentrum der 5-tägigen Fahrt stand ein Festgottesdienst in der Emmaus-Kirche mit anschließendem Empfang. Pfarrer Scheuer hielt die Predigt, in deren Zentrum die Emmaus-Geschichte stand. Sein litauischer Amtskollege Virginius Kelertas übersetzte die Predigt ins Litauische. Der fast 2-stündige Gottesdienst sei nicht nur abwechslungsreich, sondern auch anrührend gewesen, so Pfarrer Scheuer.

Am Ende des Gottesdienstes hielt Bürgermeister-Stellvertreter Mönnig ein Grußwort, in dem er unter anderem auf die Entstehung der Partnerschaft zwischen den evangelischen Kirchengemeinden in Visbek und Sudargas einging. Zudem übergab er eine Spende im Namen der Gemeinde.

Als Geschenk überreichte die Visbeker Delegation der Bürgermeisterin von Sudargas ein kleines Kreuz, das dem Kreuz in der Visbeker Emmaus-Kirche nachempfunden ist. Es soll einschließlich einer Beschreibung auf Litauisch in der Kirche in Sudargas aufgehangen werden.

"Deutsche" und "litauische" Tafeln

Der Heimatverein Visbek hat zudem zwei Tafeln – eine auf Deutsch, eine auf Litauisch – anfertigen lassen, auf denen die Geschichte und die Bedeutung der Kirche nachzulesen ist. Vorsitzender Manfred Gelhaus und Mönnig enthüllten die Tafeln nach dem Gottesdienst.

Auch die litauischen Gastgeber ließen es sich nicht nehmen, den Visbeker Teilnehmern ein Geschenk zu überreichen. Sie erhielten eine Tasche mit dem Abbild der Emmaus-Kirche. Nach dem Gottesdienst wurde das Jubiläum bei einem Empfang gefeiert, bei dem es „alle möglichen Köstlichkeiten“ (Scheuer) gab. Zudem bot die Diakonie ein Essen an, dessen Erlös der Ukraine-Hilfe zugute kommt.

Mit dem Fahrstuhl bis aufs Dach

Auch abseits des Festtages wurde den Gästen aus Visbek einiges geboten. Auf dem Programm stand unter anderen eine Memel-Schifffahrt, an deren Ende gemeinsam gegrillt wurde. Außerdem besuchte die Gruppe die Kulturhauptstadt Kaunas, die zweitgrößte Stadt Litauens. Besonders beeindruckte die Visbeker die Kirche „Christi Auferstehung“, die während der Sowjet-Zeit als Fabrikhalle diente. Mit einem Fahrstuhl kann man bis auf das Dach fahren und von dort die Stadt überblicken. Am letzten Tag stand ein Besuch in Vilnius auf dem Programm, wo die evangelisch-lutherische Kirche besichtigt wurde.

Zum Hintergrund: Die „alte“ Emmaus-Kirche ist eine so genannte Bartning’sche Diaspora-Kapelle, die 1953 in Visbek geweiht wurde. Durch die Schenkung nach Sudargas entstand auch eine Hilfsinitiative, aus der 2002 der Verein „Hilfe für Sudargas“ gegründet wurde. Der Verein hat es sich beispielsweise zum Ziel gemacht, das kirchliche Leben in Sudargas finanziell zu unterstützen. Ein Schwerpunkt ist die Jugendarbeit. Zwischen 1996 und 2009 gingen fünf Hilfstransporte nach Sudargas. Die Partnerschaft ist außerdem durch gegenseitige Besuche geprägt. Zuletzt war eine litauische Gruppe im Juli in Visbek, als die hiesige Emmaus-Kirche ihr 25-jähriges Jubiläum hatte.

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