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Als der Bundespräsident nach Bösel kam

Das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik besuchte 1962 die letzte Hochmoorsiedlung Europas in Hülsberg im Vehnemoor. Als Gastgeschenk erhält er einen Schweineschinken.

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Bundespräsident Heinrich Lübke (links) kam 1962 in den Landkreis Cloppenburg.   Foto: Archiv/Pille

Bundespräsident Heinrich Lübke (links) kam 1962 in den Landkreis Cloppenburg.   Foto: Archiv/Pille

„Nun singt man schön“, sagte Bundespräsident Heinrich Lübke. Vor der kleinen Dorfschule in Hülsberg in der Gemeinde Bösel hatte sich an einem Dienstag Anfang 1962 zur Begrüßung ein kleiner Kinderchor aufgebaut. Es war ein großer Tag für die Böseler, und ein ebenso bedeutungsvoller für den Landkreis Cloppenburg. An den Straßen standen Erwachsene und Kinder im Dauerregen und winkten dem Staatsoberhaupt mit kleinen Fähnchen zu.

Zweierlei zog den Bundespräsidenten nach Bösel: die letzte Hochmoorsiedlung Europas in Hülsberg im Vehnemoor und die Patenschaft über Hubert Bünger, der dort als siebtes Kind des Siedlers Heinrich Bünger geboren wurde.

Der Kindersegen schien Heinrich Lübke zu erfreuen, schließlich könne er ja den Personalmangel in der Landwirtschaft beheben, meinte er schmunzelnd. Mit Landwirt Heinrich Bünger unterhielt er sich über Fettleistungen der Schweine und auch die „Eierprämie“. Bei landwirtschaftlichen Themen war Lübke in seinem Element und in den Fachgesprächen mit den Landwirten und Siedlern konnte er gut mithalten. Schließlich war er Sohn eines Landwirts, arbeitete im ländlichen Siedlungswesen und war Geschäftsführer landwirtschaftlicher Organisationen in Berlin.

Als Gastgeschenk erhielt Lübke einen Schweineschinken

„Donnerwetter, da haben sie aber einen guten Appetit“, bescheinigte das Staatsoberhaupt einem Siedler, der ihm erzählte, dass er 3 bis 4 Schweine im Jahr für die Familie schlachtete. Die Hülsberger hatten für den Bundespräsidenten trotzdem noch etwas zurückgelegt und überreichten ihm als Gastgeschenk einen ordentlichen Schweineschinken.

Die einklassige Schule in der Moorsiedlung mit 26 Kindern überraschten den Bundespräsidenten nicht: „In meiner schönsten Zeit hatten wir 104 Kinder in einer Klasse“. Bevor er sich verabschiedete, trug er sich in das Gästebuch der Schule ein.

Zuvor hatte Bundespräsident Lübke den restaurierten Quatmannshof im Museumsdorf Cloppenburg der Öffentlichkeit übergeben und Garrel, Molbergen und Löningen besucht.

Cloppenburgs Bürgermeister Hermann Witte hatte ihn nach der Ankunft mit einem Sonderzug im Bahnhof begrüßt. Dabei war auch Verwaltungspräsident Robert Dannemann und Niedersachsens Ministerpräsident Dr. Georg Diederich, der bereits in Osnabrück zu ihm gestiegen war. Lübke bestieg dann sein Mercedes-Cabrio Dienstfahrzeug und fuhr durch die Straßen von Cloppenburg, begleitet von Menschenmassen an den Seitenstreifen, die schwarz-rot-goldene Fähnchen schwenkten.

Im Oldenburger Münsterland blieb Heinrich Lübke als Kenner der Landwirtschaft in Erinnerung, dessen Themen er sich bei seiner Reise vor 60 Jahren besonders zuwandte.

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