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Alles Gute zum 100.: Maria Sommer ist Linderns älteste Einwohnerin

Viele Jahrzehnte war die Jubilarin im Handarbeitsgeschäft Eilers beschäftigt und wohnte in der Ortsmitte. Wie die Gemeinde ihr ehemaliges Zuhause heute nutzt, freut Sommer besonders.

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Wird am Donnerstag (25. August) 100 Jahre alt: Maria Sommer. Foto: Willi Siemer

Wird am Donnerstag (25. August) 100 Jahre alt: Maria Sommer. Foto: Willi Siemer

Ihren 100. Geburtstag feiert Linderns älteste Einwohnerin, Maria Sommer, am Donnerstag (25. August). Für Samstag hat sie die Verwandtschaft, die ehemaligen Nachbarn und Bürgermeister Karsten Hage zu einem Geburtstags-Kaffee in die Linderner „Ratsklause“ eingeladen und dazu persönlich bei Roland Wöst Suppe bestellt. Hage kennt die Jubilarin übrigens durch etliche Gespräche und Führungen durch „ihr“ Haus in der Ortsmitte gut.

Auch der Friseur wird noch erwartet – nicht für eine Dauerwelle, aber für einen Haarschnitt zum Geburtstag. „Das Kürzere steht mir besser“, sagt Maria Sommer, während sie sich durchs Haar streicht.

Die 100-Jährige ist gut informiert

Beim Gespräch mit der Jubilarin drängt sich schnell ein Gedanke auf: Wenn das eigene Gedächtnis in etlichen Jahren noch so exzellent und bei guter Gesundheit funktioniert wie bei Maria Sommer, dann ist der 100. Geburtstag ein erstrebenswertes Ziel.

Dabei sind es nicht nur die Jahrzehnte zurückliegenden Ereignisse, von denen sie erzählt. Die Jubilarin verfolgt das tägliche Geschehen in Lindern noch aufmerksam. Die 100-Jährige hat eine klare Position zu Ereignissen in der jüngeren Vergangenheit. Und ihre Feier hat sie so weit wie möglich allein organisiert.

Maria Sommer stammt aus Kneheim

Vermutlich kennen die jüngeren Bürger Linderns Maria Sommer nicht mehr. Aber viele älteren Bewohner der Gemeinde Lindern erinnern sich gut an die tüchtige Geschäftsfrau, die in ihrem Bereich eine Institution war, und sich zudem in der katholischen Kirchengemeinde engagierte. Denn bis weit in die 2000er Jahre arbeitete die gebürtige Kneheimerin im Handarbeitsgeschäft der Familie Eilers, die allgemein unter dem Namen „Thuiner“ bekannt ist. Dort verkaufte sie alles, was man zum Stricken, Sticken und Häkeln benötigt.

Am 1. Oktober 1941 sei sie nach Lindern gezogen, erzählt Sommer. Sie sollte den beiden unverheirateten Schwestern Lizzie und Clementine Eilers in Haushalt und Garten helfen. Auch eine Kuh gehörte damals zum Hausstand, berichtet die Jubilarin von ihren Linderner Anfängen vor 81 Jahren. Zuvor habe sie auf dem Hof Schewe in Kneheim gearbeitet. Das habe ihr aber nicht gefallen, weil ihr die Hofarbeit nicht gelegen habe.

Erinnerungen an die Nazi-Zeit

Nach dem Krieg seien viele Polen mit der englischen Armee nach Lindern gekommen, hätten dort gelebt und seien in vielen Häusern in der Gemeinde einquartiert worden. Zuvor "unter Hitler", das sei eine schlimme Zeit gewesen, sagt Maria Sommer. So habe Clementine Eilers, die im Umkreis als Handarbeitslehrerin arbeitete und dafür mit dem Rad unterwegs war, oft nach Oldenburg reisen müssen, da sie sich geweigert habe, in die Nazi-Partei einzutreten. Sie habe deswegen in den Osten zwangsversetzt werden sollen. Zwei Parteigenossen aus Lindern hätten sich aber für sie eingesetzt.

In den 1950er Jahren habe sie zweimal eine Wallfahrt nach Lourdes machen können. Von Cloppenburg aus sei das organisiert worden. 

1962 übernahm die Jubilarin das Handarbeitsgeschäft

Als Lizzie Eilers 1962 gestorben sei, habe sie das Handarbeitsgeschäft übernommen und über 40 Jahre betreut. Das Haus Eilers habe ihr nicht gehört, sie habe aber nach dem Tod von Clementine ein lebenslanges Wohnrecht dort gehabt, erzählt die 100-Jährige. Bis 2015 lebte sie im Haus Eilers in der Ortsmitte und versorgte sich selbst, bevor sie ins Linderner Seniorenzentrum umzog.

„Ich freue mich ganz gewaltig, dass die Gemeinde das Haus gekauft hat, es toll hergerichtet hat und daraus einen Kindergarten gemacht hat“, erzählt sie. Sie sei schon mehrfach dort zu Gast gewesen, habe die Kinder erlebt und der Bürgermeister habe sie ebenfalls persönlich herumgeführt.

Immer um 11 Uhr gibt es einen Apfel

Im Seniorenzentrum fühle sie sich sehr wohl, versichert Sommer. Sie fahre mit dem Rollstuhl über alle Flure und – wenn möglich – auch ins Freie; sie unterhalte sich sehr gern mit den Mitbewohnern und den Betreuern. Zudem genieße sie es, wenn sie mit dem Rollstuhl durch Lindern geschoben werde, heißt es über die Jubilarin.

Jeden Morgen um 11 Uhr gebe es einen Apfel, erzählt ein Mitglied der Familie. Das habe aber nichts mit ihrem Alter zu tun, reagiert Maria Sommer. Sie freue sich sehr, ihren 100. Geburtstag mit ihren Gästen feiern zu können. 

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